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Satt sieht anders aus: Mario Götze wechselt zu Eintracht Frankfurt

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt bietet dem Weltmeister von 2014 viel, um sein großes Ziel zu verfolgen: die Rückkehr ins Nationalteam.

Frankfurt – Es gibt nicht wenige, die glauben, dass ein Instinktfußballer wie Mario Götze Eintracht Frankfurt zuletzt an vielen Ecken und Enden gefehlt hat – trotz des triumphalen Europapokalsiegs. Martin Hinteregger ist so einer. Der kantige Kärntner, der zurzeit fernab des Rasens für wenig positive Schlagzeilen in Hochfrequenz sorgt, findet, dass Götze „vom Spielertyp exzellent zu uns passt. Genau so jemanden brauchen wir, so einen haben wir letztes Jahr mit Amin Younes verloren“. Mario Götze also so einer wie Amin Younes? Das wiederum sehen nicht alle so. In einem vertraulichen FR-Gespräch mit einem hochrangigen Bundesligafunktionär schüttelte dieser nach jenem Vergleich nur ungläubig den Kopf: „Mario ist eine Klasse besser als Younes. Mindestens.“

Er wird es beweisen können, der ein wenig geschrumpfte Super Mario. Denn nun ist offiziell, was sich seit Tagen angebahnt hat und also keine Überraschung mehr ist: Der 30-Jährige wird ab sofort für Eintracht Frankfurt spielen. Am Dienstag bestand er erst den obligatorischen Medizincheck, dann setzte er seine Unterschrift unter einen bis 2025 laufenden Vertrag, der ihm pro Jahr etwas mehr als drei Millionen Euro bringen wird und in dem diverse Bonuszahlungen verankert sind, die im Erfolgsfalle noch obendrauf gesattelt werden.

Eintracht Frankfurt: Mario Götze freut sich wahnsinnig

„Ich freue mich wahnsinnig auf Eintracht Frankfurt“, sagte der Spieler. „Dieser Klub hat ein großartiges Fundament. Vom Stadion über die Fans bis zur Stadt passt einfach alles zu mir. Ich freue mich total auf meine Rückkehr in die Bundesliga.“ Was von allen im Eintracht-Zirkel bestätigt wird: Mario Götze brennt auf seine neue Aufgabe, ist Feuer und Flamme. Satt sieht anders aus.

Mario Götze wechselt zu Eintracht Frankfurt
Mario Götze am Ball, hier in der Partie gegen Ajax Amsterdam. © Maurice Van Steen / ANP / dpa

Auch die Frankfurter Verantwortlichen sind ob des Deals, der logischerweise eine Menge Aufmerksamkeit erregt, fast schon aus dem Häuschen. „Dass sich ein Spieler wie Mario Götze bei zahlreichen Angeboten voller Überzeugung für Eintracht Frankfurt entschieden hat, spricht zunächst für das herausragende Image, das sich der Klub in den vergangenen Jahren erarbeitet hat“, betonte Sportvorstand Markus Krösche und ergänzte: „Über die fußballerischen Qualitäten muss ich nicht viele Worte verlieren. Ein Spielertyp wie er hat uns gefehlt. Er bringt langjährige Erfahrung auf internationalem Topniveau mit.“ Hört sich nicht nur so an, als ruhten da viele Hoffnungen auf den Schultern des früheren Dortmunders. Es ist auch so.

Der in jungen Jahren als Jahrhunderttalent gehypte Götze kennt das mit den Erwartungen. Von ihm, dem Hochbegabten, ist immer ein bisschen mehr verlangt worden als von anderen. Vielleicht auch, weil er mehr kann als die meisten anderen, aber oft weniger zeigte. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffte oft eine Lücke. Gerade in München und beim zweiten Anlauf in Dortmund konnte der mittlerweile auch schon 30-Jährige niemanden mehr zufriedenstellen – weder sich noch die Trainer, Mitspieler oder Führungskräfte. Es war zum Verzweifeln mit dem großen Helden, der sich selbst irgendwie verzwergt hatte.

Eintracht Frankfurt: Götze holte sich im Ausland Selbstbewusstsein

Die Flucht ins Ausland war der einzig richtige Weg, zu sich zu finden in einer sich langsamer drehenden Fußballwelt. In Eindhoven hat er in den vergangenen beiden Jahren zwar nicht die Sterne vom Himmel gespielt, doch insgesamt performte er verlässlich auf recht hohem Niveau. 77 Partien für PSV, 18 Tore, 18 Vorlagen. Das ist, siehe oben, nicht herausragend, aber doch ganz gut. Götze, verletzungsanfällig, kam zudem ohne größere Blessuren durch. Austrainiert ist er obendrein. Das sieht man ihm an, das sagen die Fitnesswerte.

Bitte recht freundlich: Mario Götze (re.) unterschreibt bis 2025, Manager Markus Krösche freut’s.
Bitte recht freundlich: Mario Götze (re.) unterschreibt bis 2025, Manager Markus Krösche freut’s. © Eintracht

Den Memminger, mit der Familie sesshaft in Düsseldorf, zog es zurück nach Deutschland, der bekannte Berater Volker Struth sondierte schon früh den Bundesligamarkt. Und da war klar, dass Eintracht Frankfurt relativ schnell in den Fokus geraten würde. Bayern und Dortmund schieden sowieso aus, und die Eintracht erfüllt alle Voraussetzungen für einen Neustart eines Umstrittenen. Sie ist zurzeit die vielleicht angesagteste Nummer in Deutschland, die Fans sind frenetisch, die Reisen durch Europa aufsehenerregend. Der Europapokalsieg mit den fantastischen Bildern rundete das Bild dieses sympathischen Emporkömmlings ab. „Dieser Verein hat eine außergewöhnliche Entwicklung genommen, einen spannenden und ambitionierten Weg eingeschlagen, auf dem ich den Klub nun begleiten darf“, sagte Götze.

Zudem: In Frankfurt ist es nicht schwer, Fuß zu fassen, die Integration fällt jedem leicht: egal, ob jung, alt, aus Australien, Argentinien oder Deutschland. Götze wird zwar im Blickpunkt stehen, das ist bei seiner Vita klar, doch er wird Nestwärme bekommen. Zuneigung und Vertrauen sind wichtig für ihn.

Eintracht Frankfurt: Götze hat eine Ausstiegsklausel

Für Götze, der eine nicht besonders hohe Ausstiegsklausel in seinem Vertrag haben soll, ist die Eintracht die perfekte Bühne, um sich zu inszenieren und wieder ins rechte Licht zu rücken. Denn das Gefühl, in Deutschland noch nicht fertig zu sein, treibt den Edeltechniker um und an. Wichtig war ihm, dass er bei einem Champions-League-Klub unterkommt und in den Fokus rückt, denn insgeheim träumt er von einem Comeback in der Nationalmannschaft. Vielleicht sogar recht schnell. Die WM in Katar beginnt im November.

Götze wird ein Fixpunkt im Eintracht-Spiel, in der Offensive alle Freiheiten haben. „Marios technische Fähigkeiten werden unserem Spiel gerade bei eigenem Ballbesitz gegen tiefstehende Gegner enorm helfen. Er wird uns mehr taktische Variabilität verleihen“, sagte Krösche. Auf Daichi Kamada wird der Manager indes wohl eher nicht mehr bauen können. Den Japaner zieht es auf die Insel, die Premier League ist für Asiaten das Maß aller Dinge. Und Erik Durm schließt sich dem Zweitliga-Aufsteiger 1.FC Kaiserslautern an. Er spielte sowieso keine Rolle mehr.

Zudem strebt die Eintracht, wenn möglich, eine Vertragsverlängerung mit Top-Verteidiger Evan Ndicka an. Zumal alles andere als sicher ist, dass Martin Hinteregger eine Zukunft in Frankfurt hat. Ndicka, 22, gilt zwar nach wie vor als Verkaufskandidat. Andererseits würde er mit einem langfristigen Vertrag im Rücken zum Beispiel in einem Jahr sehr viel mehr Geld bringen als jetzt, ein Jahr vor Vertragsende. Ausgang offen

Und: Mittelfeldspieler Julian Weigl von Benfica Lissabon steht auf der Eintracht-Liste. Klar ist überdies, dass Stürmer Lucas Alario von Bayer Leverkusen kommen wird. Infos des Fachmagazins „Kicker“ decken sich mit denen der FR. Kostenpunkt alles in allem: 6,5 Millionen Euro. (Ingo Durstewitz)

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