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Mittendrin und warm angezogen: Dominik Kohr.

Dominik Kohr

Der Pendler von Box zu Box

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Mittelfeldspieler Dominik Kohr freut sich auf die Pokalspiele und auf eine Rückkehr nach Leverkusen - ob er mitspielen darf, ist ungewiss.

Ein bisschen hat Dominik Kohr schon gezuckt, als die Frage kam, damit hatte er offenbar nicht gerechnet. Ob er auch die Fähigkeiten eines Spielmachers besitze, ist er am Montag nach dem Training gefragt worden. Eigentlich ist Dominik Kohr ja eher für eine etwas rustikalere Spielart bekannt, auf der „Sechs“ oder der „Acht“ wird er meist verortet, als einer, der dazwischen funkt. Deshalb haben sie ihm den Spitznamen „Hardkohr“ verpasst, einen Namen, den er im Grunde ganz gut findet und seinen Stil beschreibt. Aber Spielmacher?

Dominik Kohr hat sich, wie gesagt, etwas geziert bei der Antwort, dann hat er tapfer, „Ja, ich glaube schon“ gesagt. Aber natürlich weiß der 26-Jährige genau, dass ihm zum kreativen Kopf noch ein bisschen was fehlt. „Ich kann schon auch kicken. Fußballerisch ist aber sicher Luft nach oben“, hat er im letzten großen FR-Interview gesagt. „Wenn ich zum Beispiel sehe, wie Seppl Rode da durch die Gegner dribbelt, dann kann ich mir da schon noch etwas abschauen.“ Doch auch Kohr, der aus einer Fußballerfamilie stammt - Vater Harald spielte lange in der Bundesliga, Schwester Karoline aktuell beim 1. FFC Frankfurt - hat durchaus seine Momente, zuletzt etwa im Spiel gegen den FC Augsburg, als er mit einem brillanten Pass in die Schnittstelle das 1:0 durch Timothy Chandler perfekt vorbereitete. Gerade bei seinem vorherigen Verein, Bayer Leverkusen, hat er spielerisch eine Menge dazugelernt, selbst wenn er in der vergangenen Halbserie unterm Bayer-Kreuz unter Trainer Peter Bosz kaum noch zum Zug gekommen war. Danach wechselte er für erstaunliche neun Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt.

Dominik Kohr ist der Typ Spieler, den eine Mannschaft braucht, einer, der die Kärrnerarbeit verrichtet, der die weiten Wege geht, der dahin rennt, wo es auch mal wehtuen kann - für einen selbst genauso wie für den Gegner. „Ich versuche dadurch, meiner Mannschaft zu helfen. Ich gehe halt in jeden Zweikampf mit 100 Prozent.“ Kohr, in Trier geboren, ist keiner, der zurückzieht. Zweimal ist er in dieser Saison schon des Feldes verwiesen worden, einmal nach einer Gelb-Roten Karte, einmal mit glatt Rot. Ein Treter ist er dennoch nicht, keineswegs.

„Ich bin ein Spieler, der gerne von Box zu Box geht“, beschreibt er sich selbst, ein Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff, und „wenn ich zum Einsatz gekommen bin, habe ich meine Qualitäten gezeigt“, sagt er. Ob er diese Fähigkeiten auch am morgigen Mittwoch, im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Werder Bremen (20.45 Uhr/live in der ARD) zeigen darf, ist noch offen. Trainer Adi Hütter hat ja angekündigt, häufiger zu wechseln - selbst wenn durch das ausgefallene Bundesligaspiel am letzten Sonntag mehr Zeit zur Erholung war. Allerdings ist die Auswahl auf seiner Position im defensiven Mittelfeld recht groß, Makoto Hasebe, Sebastian Rode, Stefan Ilsanker und Djibril Sow wollen ebenfalls ins Team, demnächst kommt wieder Lucas Torro hinzu, dessen Innenbandriss im rechten Knie ausgeheilt ist.

„Ich war noch nie in Berlin beim Finale“, sagt Kohr, „am Mittwoch können wir den nächsten Schritt dahin tun“. Und wenn man dann noch einmal Losglück habe, könnte es klappen mit dem Traum vom Endspiel. „Mit wenigen Siegen kann man da weit kommen.“ Dass Werder Bremen zehn Tage Pause gehabt hat, empfindet Kohr, der bei Eintracht Frankfurt einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, nicht unbedingt als Vorteil. Sie hätten sich in der letzten Wochen voll auf die Bundesligapartie am Sonntag fokussiert, „vielleicht haben sie jetzt ein kleines Kopfproblem“.

Er jedenfalls freut sich auf die nächsten Spiele, die Pokalbegegnungen, er mag die Spiele Hop oder Top, wenn es ums Ganze geht. „Diese Spiele sind enorm wichtig für uns.“ In diesen Pokalwettbewerben kam er bislang 13 Mal zum Einsatz, fünfmal in der Qualifikation, wo er sein bislang einziges Pflichtspieltor für die Hessen erzielte, seinerzeit im Sommer gegen den FC Vaduz, dreimal in der Europa League und dreimal im deutschen Pokal. In der Liga spielte Kohr in 16 Spielen mit. So ganz kann er die momentane Diskrepanz zwischen den Spielen in der Bundesliga und in den beiden anderen Wettbewerben nicht erklären, in der Bundesliga „hat uns manchmal die Frische gefehlt“, sagt er .Ich weiß nicht, ob mancher Gegner vielleicht zu leicht genommen wurde, das sollte aber nicht sein.“

Natürlich wolle sich die Mannschaft in der Tabelle weiter verbessern, so ganz ohne Sorgen sind die Hessen nicht, vor allem angesichts der nächsten Aufgaben - in Leverkusen, zu Hause gegen Mönchengladbach, in München. „Wir dürfen den Blick nach hinten nicht verlieren und sollten schnell über die 30 Punkte kommen“, warnt Kohr, der schon der Partie am kommenden Samstag bei seinem alten Klub Bayer Leverkusen entgegenfiebert. Dort hat er immerhin bald zehn Jahre gespielt, schon in der Jugend.

Eintracht Frankfurt freilich hat keine besonders guten Erinnerung an das letzte Auswärtsspiel in Leverkusen - da ging das Team mit 1:6 unter, schon zur Pause hatte das Endergebnis festgestanden. Kohr trug da noch das Bayer-Trikot - zum Einsatz war er nicht gekommen.

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