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Seit der Bekanntgabe seines Wechsels läuft es nicht mehr rund in Frankfurt: Trainer Niko Kovac.
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Seit der Bekanntgabe seines Wechsels läuft es nicht mehr rund in Frankfurt: Trainer Niko Kovac.

Eintracht in München

Peinlich in Fröttmaning

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verliert gegen eine verstärkte A-Jugend des FC Bayern München mit 1:4 und setzt die Europa League aufs Spiel. Vorstand Fredi Bobic findet klare Worte.

Der einzige Frankfurter, der in München an diesem Samstag Normalform erreichte, war 46 Jahre alt und hieß Fredi Bobic. Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht nahm nach der mehr als peinlichen, ja eigentlich schon blamablen Vorstellung kein Blatt vor den Mund. „Bei so einer Leistung fehlen mir die Worte. Das war eine Null-Leistung. Das hat mir nicht einmal ansatzweise gefallen.“ Und weil der Frankfurter Funktionär gerade so schön in Rage war, wütete er weiter: „Mentalität und Einstellung haben gefehlt. Davon waren die Jungs ganz, ganz weit entfernt. Wenn ich eine Torchance habe, dann brauche ich Willen und Überzeugung, sie auch zu nutzen. Bei uns war aber nur so‚ na dann probiere ich es halt mal“. Mit dieser Einstellung werde Eintracht Frankfurt „in der Liga keinen Punkt mehr holen.“ Der Mann, wer hätte es ihm nach dieser 1:4 (0:1)-Klatsche verdenken können, war geladen.

Und er hatte mit seiner Einschätzung 100-prozentig Recht. Denn die Aufstellung, die Bayern-Trainer Jupp Heynckes angesichts des kommenden Champions-League-Halbfinals am Dienstag bei Real Madrid gewählt hatte, war nahe an Wettbewerbsverzerrung. Heynckes hatte gleich vier Nachwuchskräfte für die Startelf nominiert, die Lars Lukas Mai, Meritan Shabani, Franck Evina und Niklas Dorsch hießen. Drei von ihnen spielen aktuell in der A-Jugend und einer in der vierten Liga. Im Grunde spielte eine mit Sven Ulreich, Mats Hummels und Joshua Kimmich verstärkte C-Elf, oder wie ein Scherzbold vor dem Anpfiff sagte: „Mats und seine Rasselbande.“

Im Kern gab es für Eintracht Frankfurt keine bessere Gelegenheit in München zu gewinnen als an diesem Samstag: Der bajuwarische Fokus, das gab Heynckes bei der Pressekonferenz unumwunden zu, lag verständlicherweise auf dem Rückspiel in Madrid. Er schonte nahezu sein komplettes Team. „Wenn man die Aufstellung bei der gegnerischen Mannschaft sieht, dann rechnet man sich schon was aus“, sagte der tief enttäuschte Bobic. Und dann so etwas.

Doch die Frankfurter ließen alles vermissen, was man benötigt, um ein Bundesligaspiel seriös anzugehen. Da war keine Spannung, da war keine Körperlichkeit, ja es schien so, als sei auch keine Lust und keine Interesse da, dieses Spiel für sich zu entscheiden. Die Eintracht-Profis glaubten offenbar, mit Sommerfußball in die Europa League einziehen zu können. So werden sie sich alles, was sie sich in diesem dreiviertel Jahr mühevoll aufgebaut haben, kaputtmachen. Platz acht ist gegenwärtig wahrscheinlicher als Platz sechs oder sieben – und am kommenden Samstag kommt der auf einer Euphoriewelle reitende HSV ins Stadion, ein Spiel, in dem „wir Rehabilitation betreiben müssen“, sagte Bobic. Wie soll das nur gehen? Die Mannschaft scheint am Ende zu sein.

Dazu kam, dass Trainer Niko Kovac, der auch in München aus der Frankfurter Ecke ausgepfiffen wurde, sein Team ebenso umgebaut hatte. Zum einen spielten die Hessen erstmals seit langem wieder mit einer Viererkette, in der – warum auch immer – Simon Falette in der Zentrale spielte, ein Außenverteidiger, und ein Marco Russ, seit Wochen in guter Form, auf der Ersatzbank blieb. Dann nominierte Kovac – warum auch immer – plötzlich Branimir Hrgota für die Startelf. Hrgota hatte zuletzt am ersten Rückrundenspieltag gespielt. Das war am 13. Januar gegen den SC Freiburg. Danach hatte der Schwede keine Sekunde mehr spielen dürfen, in den allermeisten Fällen gehörte er nicht mal dem Kader an.

Aber in diesem wichtigen Spiel durfte er ran. Schließlich wechselte Kovac nach einer Stunde – warum auch immer - Marijan Cavar ein, ein Talent aus den bosnischen Liga, im Winter gekommen. Der Junge hatte zuvor noch nie in der Bundesliga gespielt, entsprechend war sein Auftritt. An ihm freilich lag es natürlich nicht, dreiviertel der Mannschaft agierte erschütternd schwach, stand komplett neben den Schuhen.

Erschreckend aber war die absolute Hasenfüßigkeit der Eintracht, die ihre einmalige Chance nicht beim Schopfe packte und es unterließ, die unerfahrenen, jungen Bayern-Akteure unter Druck zu setzen oder gar in die Knie zu zwingen. Statt dessen lullte sich die Mannschaft in schier endlosen Rückpässen auf den eigenen Torwart selbst ein. Da war kein Feuer, kein Zug, es plätscherte so dahin. Ohne Courage, ohne jede Leidenschaft verspielte die Eintracht ihre Möglichkeit, noch auf den Zug nach Europa aufzuspringen. Tatsächlich hatten sie sogar zwei Chancen, erst vergab Mijat Gacinovic (40.), dann Luka Jovic(42.), der allein vor dem Tor an Sven Ulreich scheiterte.

Dann gingen die Bayern durch Niklas Dorsch, dem Kapitän der Regionalligamannschaft (43.), in Führung. Der Tiefpunkt freilich war erst in der 75.Minute erreicht, als Falette, dessen Bundesligatauglichkeit stark bezweifelt werden muss, einen seiner unzähligen Rückpässe auf den Torwart viel zu kurz spielte und Sandro Wagner sogar auf 2:0 erhöhen konnte. Der Abstauber von Sebastien Haller (77.) nutzte wenig, weil sich die Eintracht wie eine Jugendmannschaft auskontern ließ und selbst Rafinha und Niklas Süle Tore zum 3:1 und 4:1 gelangen.

Noch schmerzhafter

Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass der angekündigte Seitenwechsel von Niko Kovac zu den Bayern dramatischen Einfluss auf die Mannschaft genommen hat. Seitdem hat der Klub nicht nur alle Bundesligaspiele verloren, sondern auch die Hütte voll bekommen: 1:4 gegen Leverkusen, 0:3 gegen Berlin, 1:4 gegen Bayern. Die Frage ist: Erreicht Kovac die Mannschaft noch? Und: Folgt die Mannschaft Kovac noch, der eine lame duck ist? Nach der peinlichen Vorstellung von Fröttmaning ist man sich da nicht mehr so sicher.

Diese Niederlage ist noch ein bisschen schmerzhafter, als wenn die Eintracht gegen die erste Mannschaft der Bayern verloren hätte. Auf die trifft man erst wieder am 19. Mai im Pokalfinale. Das wird eine Freude.

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