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75. Minute, Ecke von links, Luka Jovic mit der Hacke – Tooooor, Finale, oh-oh, der Rest ist legendärisch.

Kolumne „Stillleben“

Parallele Universen

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Wunder gibt es immer wieder: Warum die Frankfurter Eintracht gegen Chelsea gewinnen wird. Die Kolumne.

Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen (also am Donnerstag) können sie gescheeeehn. Wunder gibt es immer wiehieder, wenn sie dir begegneeeen, musst du sie auch seeeeehn (Katja Ebstein, 1970).

Manchmal kommen sie schneller wieder als man denkt, die Wunder. Die Jüngeren werden sich erinnern: DFB-Pokal-Halbfinale, 18. April 2018, Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt. Die Gelsenkirchener unterwegs zur Vizemeisterschaft, die Frankfurter unterwegs zum hölzernen Trostpreis (Platz acht). Gesetzte Blumentöpfe auf die Eintracht: null. Abgegebene Tippscheine pro Schalke: circa 17 Millionen (Stillleben-Schätzung).

Dann 75. Minute, Ecke von links, Luka Jovic mit der Hacke – Tooooor, Finale, oh-oh, der Rest ist legendärisch.

Was will Ihnen Ihr Stillleben damit sagen? Eigentlich steht der Frankfurter Herzensklub vor derselben Situation – nur besser. Wie im vorigen Frühjahr hat die Eintracht ein Auswärtsspiel in einem Semifinale vor der Brust (und auch vor der Nase), welches sie möglichst gewinnen sollte (oder zwei Tore Minimum schießen, ohne dass der Gegner mehr schießt) – ein Auswärtsspiel, das sie jedoch nicht gewinnen kann, wenn es nach der Statistik, dem Marktwert der Spieler, der Macht des Geldes und der Zentrifugalkraft des Planetensystems in unserem Paralleluniversum geht. (Das Letzte hat sich Ihr Stillleben nur ausgedacht, um die real oder irreal existierenden Widerstände noch gewaltiger erscheinen zu lassen.)

Und da wir also gerade bei den Parallelen sind: Wir haben gesehen, dass sich die Mechanismen der Statistik austricksen lassen, besonders in Halbfinals. Als Beweis zerren wir nicht nur Schalke 2018 heran, sondern immer wieder gern auch Bremen 1988. Schulz! Was erlauben Schulz? Schießen das entscheidende Tor! Im Weserstadion! Frank Schulz! Gegen eine Bremer Mannschaft, die so haushoher Favorit war ... in ganz Norddeutschland gibt es gar kein Haus, das hoch genug wäre, die Höhe der Bremer Favorisierung von damals zu symbolisieren.

Oder hier: Europa! Halbfinale 1980. Da geschah das Wunder zwar in einem Heimspiel (5:1), nachdem die Adlerträger das Hinspiel 0:2 verloren hatten, aber das waren die Bayern, Jeschäftsfreunde! Und die haben wir ordentlich weggehauen. Wie im vorigen Jahr dann später auch, im Pokalfinale.

So, wäre das geklärt. Noch schnell zur Frage: Warum steht die Eintracht, wie oben erwähnt, sogar besser da als 2018 vor dem Schalke-Spiel? Nun, sie muss unter Umständen gar nicht zwingend gewinnen (wenn’s gut läuft), sie hat diese Situation in Mailand schon trefflich geübt, selbst in der Bundesliga-Tabelle sieht es ja durchaus noch europäisch hoffnungsfroh aus – und Frankfurt ist zurzeit sowieso Europas Fußball-Darling. Außerdem soll es Leute geben, die haben schon ein Ticket für Baku. Aber das nur am Rande.

Ey, es wär‘ schön blöd, nicht an Wunder zu glauben (Vincent Weiss, 2018).

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