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„Das ist meine Arbeit: zu rennen und zu treffen.“ Goncalo Paciencia jubelt nach seinem Tor zum 1:0.

Richtige Reaktionen

Paciencia und Kamada gelingt gegen Tallinn Eigenwerbung

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Die beiden Frankfurter Offensivspieler zeigen ein gutes Spiel, mit einem Stammplatz dürfte es trotzdem eng werden. Erst recht, wenn neue Konkurrenz im Angriff da ist.

Goncalo Paciencia war ganz schön ausgelaugt, die 90 Minuten gegen den FC Flora Tallinn hatten den Doppeltorschützen von Eintracht Frankfurt beim 2:1-Erfolg offenbar mächtig geschafft. Und dann auch noch dieser elend lange Pressemarathon, schien sich der Portugiese am späten Donnerstagabend zu denken und ließ sich erst einmal nieder. Während die Teamkollegen Erik Durm, Danny da Costa und Almamy Touré also zu den Reportern sprachen, setzte sich der 25-Jährige an die Wand der Katakomben in der Arena und schaute dem hektischen Treiben zu. Einmal durchpusten und den Moment verarbeiten, schließlich wusste Paciencia, was ihn gleich erwarten sollte: Fragen über ihn, seine Leistung und vor allem darüber, was diese denn für seinen persönlichen Fortgang der Saison bedeuten könnten.

Ein paar Minuten später stand der großgewachsene Angreifer tatsächlich Rede und Antwort, immer noch ziemlich abgekämpft, Gras noch an der verschwitzten Stirn klebend. Er sagte: „Ich denke nicht darüber nach, ob ich jetzt gesetzt bin oder nicht. Ich muss jeden Tag hart arbeiten und alles aus mir rausholen. Wenn ich mich jetzt darauf ausruhe und denke, dass ich sowieso spielen werde, würde mir das sehr schaden.“

„Jetzt hat er eine Reaktion gezeigt“

Nachdem Paciencia beim Hinspiel in Estland eine schwache Leistung abgeliefert hatte, vor allem nicht besonders handlungsschnell agiert hatte, präsentierte er sich diesmal wesentlich engagierter. Er wuchtete seinen Körper in die Zweikämpfe, gewann viele Kopfballduelle und lief die gegnerischen Abwehrmänner früh an. „Das ist meine Arbeit: zu rennen und zu treffen. Das hat diesmal geklappt.“

Nach wunderbarer Flanke von Danny da Costa nickte Paciencia in der ersten Hälfte zu Führung ein, während er in Abschnitt zwei den Siegtreffer per Elfmeter erzielte. Trainer Adi Hütter gefiel der Auftritt: „In Tallinn war ich nicht mit ihm zufrieden“, sagte er, „das habe ich ihm auch gesagt. Jetzt hat er eine Reaktion gezeigt und ein gutes Spiel gemacht.“

Eine weitere Option für den Trainer scheint in der Offensive Daichi Kamada zu werden. Er habe sich positiv entwickelt durch seine Leihe nach Belgien, hatte Hütter schon vor einigen Wochen gesagt, sich aber stets das Hintertürchen offen gelassen, erst einmal die weitere Entwicklung abwarten zu wollen. Seit dieser Woche deutet alles auf eine Weiterbeschäftigung des 22 Jahre jungen Japaners hin, nachdem er auch seine Startelfchance gegen Tallinn für Eigenwerbung genutzt hatte. Klar, Kamada spielte nicht überragend, er fiel auch mal einige Minuten überhaupt nicht auf, dazwischen aber ließ er sein fußballerisches Vermögen aufblitzen.

Vorlagengeber gesucht

Er hat eine feine Technik, wohl eine bessere als all die anderen Mittelfeldkämpfer im Frankfurter Ensemble. Auch das Auge für die Kollegen ist vorhanden, im Gegenzug offenbarte er aber doch einige Tempodefizite. „Er hat mir gut gefallen. Es ist schön zu sehen, dass er sich anders präsentiert als vor einem Jahr“, sagte Hütter: „Er ist ein Spieler, der eine gewisse Eleganz hat, der Überzahlsituationen schaffen kann.“ Und vor allem ist Kamada ein Spielertyp, dem Hütter gerne beim Fußballspielen zusieht. Ein Spieler, der Tore selbst erzielen und vor allem viele vorlegen kann. Nicht umsonst buhlten die Hessen in dieser Transferphase schon intensiv um mitspielende Halbstürmer wie Max Kruse und Kevin-Prince Boateng, wenngleich deren Niveau natürlich noch weitaus höher anzusiedeln ist als jenes von Kamada.

So ordentlich die Eindrücke also am Donnerstagabend von Goncalo Paciencia und Daichi Kamada auch waren, klar ist, dass für beide ein Stammplatz keine einfache Sache wird. Hütter: „Wir wissen, dass wir vorne noch etwas tun müssen. Diese Sache gehen wir an.“ Die neue Konkurrenz im Angriff wird ganz sicher eine aus dem teuren Regal sein.

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