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Kommt kaum zum Zug: Aymen Barkok.

Eintracht-Kader

Ein paar Härtefälle

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Was wird bei der Eintracht aus Spielern wie Barkok, Hrgota oder Blum? Vielleicht mal ein Leihgeschäft probieren!

Vor wenigen Tagen erst hat Niko Kovac im Hinblick auf seinen XXL-Kader explizit darauf hingewiesen, dass es immer ein paar Grenzfälle gibt und auch in Zukunft geben wird. Das liegt in der Natur der Sache. Alldieweil: Das Aufgebot der Frankfurter Eintracht umfasst, in toto, rund 35 Mann, das ist eine ganze Menge an kickendem Personal. Im Winter, hob der Fußballlehrer also an, bestehe die Möglichkeit, dass der eine oder andere Unzufriedene seinen Spind räumen und sich verändern wolle. Das gehört im Profigeschäft dazu.

Natürlich, führte der Coach aus, habe er bei seinen Entscheidungen manches Mal ein bisschen Bauch- oder Kopfweh, aber es sei ihm allemal lieber als eine Situation wie in der vergangen Spielzeit, als er ab und an Jugendspieler in sein Aufgebot berufen musste. „Das dürfen wir so nicht noch einmal erleben.“

Vom Härte- zum Problemfall

Das Gedränge ist groß, zumindest in den hinteren Reihen: Denn auf seinen Stamm von gut 15, 16 Profis baut der Fußballlehrer eigentlich immer – Fitness und Gesundheit vorausgesetzt. Das ist ja nur allzu logisch und richtig. Kovac sagt aber auch (und er meint es genau so), dass jeder die Möglichkeit habe, sich zu empfehlen. Spielern, die er zumindest in der Nähe der ersten Elf sieht, gibt er durchaus mal die Chance, wenn sie sich im Training angeboten haben. Das Paradebeispiel ist der Vorkämpfer Marius Wolf, der anfangs gar keine Rolle spielte, dann eine prächtige Entwicklung nahm und nun aus der ersten Elf fast gar nicht mehr wegzudenken ist.

Andererseits ist offensichtlich: Wenn die Spieler ihre Gelegenheit bekommen, dann sollten sie diese besser nutzen und funktionieren. Ansonsten sind sie schnell wieder weg vom Fenster und können sich ganz hinten anstellen. Dann kann der Härtefall zum Problemfall werden. Dafür gibt es Beispiele.

Aymen Barkok, vergangene Saison zeitweise als Senkrechtstarter und neuer Stern am Fußball-Firmament gefeiert, stand in dieser Saison dreimal im Kader, einmal, am 14. Oktober in Hannover, durfte er für 22 Minuten mitspielen, zehn Tage später erhielt er im Pokal in Schweinfurt eine Bewährungschance von Beginn an. Die hat er nicht genutzt, zeigte eine denkbar schwache Leistung. Nach 45 Minuten musste er das Feld verlassen. Zu Recht. Man werde sicher nicht den Stab über ihn brechen, sagte Kovac. Seitdem stand Barkok dennoch nicht einmal mehr im Kader. Das ist nachvollziehbar. Er wird sich in mühsamer Trainingsarbeit wieder empfehlen müssen. Ist nicht so leicht.

Das gilt auch für Branimir Hrgota, der in der zurückliegenden Saison fast immer gespielt hat, was kaum noch einer verstehen konnte. Nun, bei größerem Konkurrenzdruck, ist der Schwede mit bosnisch-kroatischen Wurzeln außen vor. Sechsmal stand er gar nicht im Kader, dreimal wurde er eingewechselt, Nettospielzeit 58 Minuten. Gerade sein desolater Kurzauftritt gegen Dortmund wurde ihm zum „Verhängnis“. Da brachte er kein Bein auf den Boden. In den drei folgenden Pflichtspielen strich ihn der Trainer aus dem Kader, erst am vergangenen Samstag in Hoffenheim schaffte er es erstmals wieder unter die ersten 18. Wahrscheinlich auch, weil er sich nicht hat hängenlassen, im Testspiel gegen Sandhausen zwei Treffer erzielte und sich reinkniete. Kovac würdigt diese Einstellung.

Ähnliches gilt für Daichi Kamada, den zarten Japaner, der zwar kicken kann, aber von seiner Konstitution und seinem Spielverständnis her noch so weit weg von der Bundesliga scheint. Auch er hat gegen Sandhausen zweimal getroffen, auch er hat sich zumindest wieder in den 18-er Kader gespielt. Doch sein Weg ist sehr weit, er muss noch eine Menge lernen. Bisher kommt er auf zwei Bundesligaeinsätze.

Auch Danny Blum wird sich gedulden müssen. Der so lange unpässliche Sprinter hat im Pokal in Schweinfurt kurz (und gut) und dann in Mainz kurz (und schlecht) gespielt. Einsatzzeit danach: null Minuten, in Hoffenheim stand er nicht mehr im Kader.

Spieler wie Barkok, Hrgota, Kamada und Blum werden es noch schwerer haben, wenn die Rekonvaleszenten Omar Mascarell und Marco Fabian zurückkehren werden. Gerade bei einem Spieler wie Barkok (Vertrag bis 2020) sollte die Eintracht und er selbst überlegen, ob sie das Talent nicht im Winter oder im Sommer ausleiht, um ihm die nötige Spielpraxis zu geben. Die braucht der Techniker, 19 Jahre alt, in jungen Jahren, gerade um Wettkampfhärte zu bekommen und die Balance zwischen freigeistlichem Spieldrang und taktischen Vorgaben zu finden. Das hat auch nichts damit zu tun, dass man ihn abschreibt, im Gegenteil: Bei vielen Klubs ist es Usus, dass sich junge Spieler durch Einsatzzeiten andernorts weiterentwickeln und dann zurückkehren.

Ordonez zurück nach Ecuador?

Branimir Hrgota (Vertrag bis 2019) sollte – auch im Hinblick auf die WM – überlegen, ob die aktuelle Konstellation Sinn macht, zumal ihm sein „Ersatzbank-Konkurrent“ Luka Jovic sogar den Rang abgelaufen hat. Selbst Danny Blum (Vertrag bis 2020) sollte eine Ausleihoption zumindest nicht gänzlich außer Acht lassen, auch wenn er sicher die Chance hat, näher an die Mannschaft zu rutschen, wenn er mal dauerhaft gesund bleibt. Seine enorme Schnelligkeit ist in manchen Situationen ein nicht zu unterschätzendes Gut. Das weiß er. Das weiß auch Kovac.

Bei Kamada (Vertrag bis 2021) werden die Verantwortlichen erst einmal alles daran setzen, ihn unter ihren Augen und ihrer Führung entsprechend aufzupäppeln. Ein Spieler wie Max Besuschkow (Vertrag bis 2020) indessen sollte sich dringend verändern, er spielt zurzeit gar keine Rolle, stand nur zweimal im Aufgebot und hat nicht eine Sekunde auf dem Feld gestanden.
Für ihn wäre ein Vereinswechsel sinnvoll. Noch auswegloser ist die Situation bei Yanni Regäsel (Vertrag bis 2019) und Andersson Ordonez (2020), die der Trainer aufs Abstellgleis geschoben hat. Für Regäsel aber fand sich schon im Sommer kein Abnehmer, vielleicht ändert sich das nun. Und bei Ordonez, vor einem knappen Jahr für eine Million Euro gekauft, deutet vieles daraufhin, dass er in seine ecuadorianische Heimat zurückkehren wird. Es wäre das Ende eines Missverständnisses.

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