+
Ein Rädchen in der Maschinerie: Rainer Falkenhain.

Eintracht Frankfurt

Der Organisator

  • schließen

Rainer Falkenhain ist seit ewigen Zeiten bei Eintracht Frankfurt der Mann für alle Fälle. Mehr als 1000 Eintracht-Spiele hat der Organisator bereits mitgemacht.

Dieser Tage war Rainer Falkenhain wieder in seinem ureigenen Element, dem Organisieren. Das schon lange geplante Trainingslager auf Norderney war aus den bekannten Gründen gestrichen, eine neues musste her, Ziel in Österreich. Und es war nicht viel Zeit verstrichen, schon hatte Rainer Falkenhain im Stubaital ein ordentliches Quartier gebucht, inklusive Trainingsmöglichkeit – und zwei Testspiele noch dazu. So was gehört für „Falke“ zum Alltag, normales Geschäft, würde er sagen, nichts, was einen ausgebufften, alten Hasen wie ihn aus dem Gleichgewicht geraten lassen würde.

Rainer Falkenhain ist ein Unikum. Er „gehört zu Eintracht Frankfurt wie der Ball zum Spiel“, hat die FR vor Jahren schon geschrieben. Er zählt zum Inventar, nur Karl-Heinz Körbel ist länger dabei als er, die gute Seele, Macher und Schaffer, stets mit Rat und Tat zur Stelle. Ihn kennt in der Branche jeder. Falkenhain ist seit mehr als drei Jahrzehnten bei der Eintracht, er kennt sie alle, die Großen und Kleinen des Fußballs, er ist mit den Stars und Sternchen per Du.

Alles schon erlebt

Am 1. April 1985 hat er bei den Hessen angefangen, im alten Riederwald, schäbig, heruntergekommen, war das seinerzeit, aber authentisch. Damals stieg er vom einfachen Fan, der fast täglich am Riederwald weilte und Botendienste übernahm, zum fest angestellten Mitarbeiter auf. Vor ein paar Monaten feierte der Leiter der Lizenzspielerabteilung sein 30. Dienstjubiläum. 30 Jahre bei einer Firma. Aber die Eintracht war nie nur Firma, nur Arbeitgeber, sie war und ist für Falkenhain eine Herzensangelegenheit.

Heute arbeiten auf der Geschäftsstelle 120 Mitarbeiter, als „Falke“ anfing, waren es fünf. Mit Christoph Preuß, inzwischen Teammanager, teilt sich der 53-Jährige ein schmales Büro im Stadion. Dort sitzt der gebürtige Frankfurter in der Schaltzentrale der Macht, aber er macht kein Aufhebens darum: „Ich arbeitet lieber im Verborgenen. Bin nur ein Rädchen in der Maschinerie“, sagt Falkenhain.

Er ist der Mann für alle Fälle, vor allem aber der Meister der Organisation: Spielberechtigungen, Trainingslager, Anfahrten, Hotelbuchungen, Flüge, Papierkram – seine Aufgaben sind mannigfaltig. Und natürlich hält er dank bester Beziehungen Kontakt zu DFB und DFL. „Was ich mache, sieht man nicht. Nur wenn ich es nicht machen würde, würde es auffallen“, sagt er.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Rainer Falkenhain hat alles erlebt mit dem Verein seines Herzens, alle Höhen und Tiefen. Die Abstiege, von denen der erste, 1996, für ihn das Schlimmste war, die internationalen Auftritte, noch mit Grabi, Holz, Nickel und Pezzey, die Pokalsiege, die vielen Skandälchen und Intrigen, der Lizenzentzug, das Rostock-Trauma, die Aufstiege, zuletzt die Tränen des Armin Veh in Bordeaux: Falke war immer dabei. Er hat den Gartenstuhl für den Trainer Horst Ehrmantraut geordert und dafür gesorgt, dass es Willi Reimann in seinem Container schön warm hatte – und wenn Otto Rehhagel für ein Trainingslager der griechischen Nationalmannschaft in Frankfurt möglichst viele Cola-Flaschen am Spielfeldrand haben wollte, ja dann hat das der Falke auch erledigt. Und er hat noch den alten Spielerpass von Charly Körbel, das Foto schwarz-weiß.

Mehr als 1000 Spiele

Wie viele Trainer hat er erlebt, hat sie kommen und gehen gesehen, wie viele Präsidenten, Spieler, Manager? „Jede Zeit hat etwas Schönes gehabt“, sagt Falkenhain. „Die Eintracht ist für mich ein Riesenglücksfall. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Mehr als 1000 Eintracht-Spiele hat er verfolgt, und in den letzten zwei Jahrzehnten nur ein einziges Trainingslager verpasst: 2013 war es. Da hatte er sich beim Skifahren ein paar Tage vor der Abreise nach Abu Dhabi einen Muskel und eine Sehne gerissen und musste zu Hause bleiben.

Falkenhain ist loyal seinen Vorgesetzten gegenüber, loyal und diskret. Das muss er sein. Das ist Teil seines Jobs. Er weiß alles, aber er darf nichts verraten. Er ist ein Geheimnisträger. Zu (fast) jedem könnte er eine Geschichte erzählen, er könnte ein Buch schreiben über die Eintracht. Tut er natürlich nicht.

Einmal nur war Falkenhain seiner großen Liebe untreu geworden, ein einziges Mal. 1997, konnte er den Verlockungen des Geschäfts nicht widerstehen und schloss sich dem TSV 1860 München an. Nach nur vier Wochen kehrte er reumütig heim nach Frankfurt. Das Heimweh hatte ihn zurückgetrieben. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, hat er damals gesagt, 35 Jahre war er da alt gewesen.

Am Samstag reist die Eintracht ins Trainingslager ins Stubaital. Falkenhain ist dabei. Natürlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare