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Ordentlicher Auftakt für Eintracht Frankfurt

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Das kollektive Hadern: Die Eintracht-Spieler raufen sich nach einer von vielen guten Gelegenheiten fast im Gleichklang die Haare.
Das kollektive Hadern: Die Eintracht-Spieler raufen sich nach einer von vielen guten Gelegenheiten fast im Gleichklang die Haare. © Jan Hübner

Eintracht Frankfurt steht stabil und verdient sich den ersten Punkt im Breisgau redlich. Der Videobeweis verhindert einen Gegentreffer.

Ein ganz klein bisschen hat sich das Freiburger Unikum an der Trainerbank Christian Streich schon darüber geärgert, dass sein Sportclub am Sonntagnachmittag gegen Eintracht Frankfurt hatte spielen müssen. „Hätten wir am Samstag gespielt, als nichts funktioniert hat, hätten wir 1:0 geführt und vielleicht gewonnen.“ Streich spielte damit grinsend an das nahezu komplette Versagen der Technik beim Videobeweis am Samstag an, am Sonntag klappte es im Breisgau mit der Technik - und der SC Freiburg war der Leidtragende. Denn Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte den Treffer von Tim Kleindienst in der 18. Minute bereits gegeben, die Freiburger hatten ihren Jubel schon beendet, als der Wink aus Köln kam. Gräfe ließ sich vom Videoassistenten Wolfgang Stark überzeugen, dass der Passgeber Florian Niederlechner zuvor klar im Abseits gestanden hatte - und nahm den Treffer mit einiger Verzögerung zurück.

„Das war stark von Wolfgang Stark“, kommentierte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic. Es war eine absolut richtige Entscheidung, das Abseits war klar erkennbar und eigentlich hätte das auch der Assistent an der Linie erkennen und anzeigen müssen. „Wir wussten erst gar nicht, was los ist“, sagte hinterher Rechtsverteidiger Timothy Chandler, auch er hatte sich im Grunde schon mit dem Gegentor abgefunden. „Gut für uns.“ Fand auch Trainer Niko Kovac, der Videobeweis bringe „mehr Fairness“, sagte er. 

„Zur Halbzeit müssen wir 3:0 führen“, sagt Hübner 

Im Grunde war das die einzige mehr oder weniger torgefährliche Situation der Breisgauer, die insgesamt harmlos agierten. Das 0:0 zum Bundesligaauftakt war schmeichelhaft für die Gastgeber, die Eintracht hätte, wie Chandler nicht zu Unrecht sagte, „als klarer Sieger vom Platz gehen müssen“. Seit acht Jahren hat die Eintracht in Freiburg nicht mehr gewinnen können. Auch Manager Bruno Hübner fand, dass die Hessen „zwei Punkte hatten liegen lassen.“ Freiburg hätte sich nicht beklagen können, „wenn es zur Halbzeit 3:0 für uns steht. Wir haben hier zu wenig mitgenommen.“

Kevin Prince Boateng nicht in der Startelf

Tatsächlich hatten die mit sechs Neuverpflichtungen in der Startelf (aber ohne Kevin Prince Boateng) beginnenden Frankfurter die klar besseren Tormöglichkeiten. Sebastien Haller (10. und 36.) hatte beste Gelegenheiten, einmal traf er allein vor Torhüter Alexander Schwolow nur die Latte, dann hätte der Anfang dieser Woche verpflichtete Innenverteidiger Simon Falette ums Haar bei seinem Debüt einen Treffer erzielt (16.). Wie er diesen Kopfball aus kürzester Distanz frei vor dem Tor noch daneben hatte setzen können, wird sein Geheimnis bleiben (siehe auch die Seiten S2 und S3). Auch Mijat Gacinovic (72.) hatte eine prima Gelegenheit, doch statt die Kugel ins Ecke zu schlenzen, verhaspelte sich der Serbe. „Leider haben wir unsere vielen Chancen nicht genutzt. Wir hätten eigentlich als Sieger vom Platz gehen müssen“, sagte Trainer Kovac. Mit dem Punkt zum Auftakt freilich kann er dennoch gut leben.

Tatsächlich hat Eintracht Frankfurt einen sehr ordentlichen Auftritt hingelegt. Es gab durchaus einige Kritiker im Umfeld, die hatten das der neuformierten Mannschaft nicht zugetraut. Hübner sprach von einem „sehr guten Auswärtsspiel“. Vorstand Fredi Bobic war ebenfalls „sehr zufrieden“ mit dem Saisonauftakt, allein „das Quäntchen Glück und ein Schuss Zielstrebigkeit“ habe gefehlt.

Insgesamt aber war die Eintracht, die in einem 5-3-2-System spielte, an diesem warmen Nachmittag im Schwarzwald die deutlich reifere Mannschaft, auch wenn das Team noch gar nicht eingespielt sein kann. Simon Falette, der Neue aus Metz, hatte nur drei Trainingseinheiten mitmachen können, Kevin-Prince Boateng, der nach 67 Minuten für den heillos überforderten Daichi Kamada kam und mit einem Pfeifkonzert begrüßt wurde, gar nur das Abschlusstraining.

Dennoch standen die Frankfurter sehr stabil, sie ließen fast gar nicht zu, Torhüter Lukas Hradecky hatte keinen einzigen schweren Ball zu halten gehabt. Wie es scheint, ist die Eintracht, wie schon in der Hinrunde, schwer zu bespielen, sie läuft den Gegner äußerst aggressiv an, stört früh und intensiv. Vor allem Gelson Fernades war als wahrer Ballfresser ständig unterwegs. „Wir sind ziemlich ballsicher im Mittelfeld, insgesamt ist unser Spiel sicherer geworden und nicht mehr so hektisch“, fand Bruno Hübner. Auffällig war aber auch, dass die Eintracht stärker als in der vergangenen Saison ihr Heil in langen Bällen nach vorne suchte. Dort schlug sich Sebastien Haller besser als zuletzt, vor allem konnte er viele Bälle festmachen. Auf den linken Seite deutet Jetro Willems an, dass er eine Verstärkung werden kann; er muss sich nur noch mehr zutrauen.

Wo die Eintracht steht, ist weiterhin nicht so klar, kann es auch noch nicht. „Wir sind nur ein bisschen schlauer“, sagte Kovac. Das Team jedenfalls ist allemal konkurrenzfähig, zumindest nicht schlechter als das Gros der Liga. Interessant ist allemal, dass die Eintracht mit zehn Ausländern im Team begann, lediglich Timmy Chandler ist Deutscher - mit US-amerikanischem Pass. „Das ist uns egal“, sagte Manager Hübner, „das einzige, was zählt, ist die Fußballersprache – und die sprechen wir gut.“ 

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