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Eintracht Frankfurts scheidender Trainer Adi Hütter (li.) schlägt am Rande eines Fußball-Spielfelds mit seinem Nachfolger Oliver Glasner ein.
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Ich bin dann mal weg: Adi Hütter (li.) übergibt den Job bei der Eintracht an seinen österreichischen Landsmann Oliver Glasner. (Archivbild)

SGE

Oliver Glasner wechselt zu Eintracht Frankfurt: Ein Trainer ohne Chichi

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Oliver Glasner soll als neuer Trainer von Eintracht Frankfurt den erfolgreichen Weg des hessischen Bundesligisten fortführen.

Ob Oliver Glasner seine Frau Mama vorgewarnt hat? Er hat es ihr jedenfalls versprochen. Ständig, so erzählte es der Fußballlehrer noch im Frühjahr, seien bei ihm Nachrichten von der werten Mutter aufgeploppt, in denen sie sich nach den Plänen ihres Sohnes erkundigte. Die gute Frau, über 70, wollte wissen, ob denn da wirklich was dran ist an den Gerüchten um ihren Oliver. Gehst du? Bleibst du? Verlässt du Wolfsburg? So in etwa halt. Er habe dann immer nur geantwortet, dass sie doch bitte, bitte nicht alles glauben solle, was da durch die Fußballwelt schwirre. Sie werde auf alle Fälle vor der Öffentlichkeit erfahren, wenn sich etwas tut. Großes Ehrenwort.

Seit Mittwoch, 14.14 Uhr, ist es offiziell: Oliver Glasner verlässt den VfL Wolfsburg und schließt sich Eintracht Frankfurt an. Der 46-Jährige folgt bei den Hessen auf den nach Gladbach verkauften Adi Hütter und erhält einen Dreijahresvertrag bis 2024. Wie bei solch neuen Konstellationen üblich war auf Vereins- wie Trainerseite die Freude über die künftige Zusammenarbeit riesig. „Eintracht Frankfurt ist ein spannender Klub und hat eine tolle Entwicklung genommen“, so Glasner. Die Emotionalität in Stadt und Region sei großartig. „Wir sehen in Frankfurt die Möglichkeit, eine Mannschaft auf einem starken Niveau weiterzuentwickeln.“

Eintracht Frankfurt: Neuer Trainer Glasner soll Entwicklung bei der SGE fortsetzen

Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann gab das Lob zurück und sprach dabei auch im Namen des erst ab 1. Juni offiziell angestellten Sportvorstandes Markus Krösche, der natürlich trotzdem federführend die Gespräche mit dem Übungsleiter führte. Glasner habe, so Hellmann, in Wolfsburg bewiesen, „dass er in der Lage ist, auf absolutem Topniveau zu arbeiten und junge Spieler weiterzuentwickeln“. In der Situation der Eintracht mit einer hohen Personalfluktuation rund ums Team habe der Klub bewusst auf einen Trainer mit Erfahrungen aus Bundesliga und internationalem Wettbewerb gesetzt. „Wir sind schnell zur Erkenntnis gekommen, dass Oliver Glasner mit seiner Spielphilosophie bestens zu unserer Mannschaft passt. Wir sind überzeugt davon, dass er seinen in Wolfsburg eingeschlagenen, sehr erfolgreichen Weg in Frankfurt fortsetzen wird“, so Hellmann.

Der Weg in Wolfsburg war für den dreifachen Vater, der seit 14 Jahren mit Frau Bettina verheiratet ist, zuletzt ein holpriger. Sportlich lief es zwar rund, zwischenmenschlich aber taten sich Abgründe auf. Glasners Verhältnis zu Sportchef Jörg Schmadkte war im Grunde keines mehr, und auch einige Spieler dürften froh sein, dass der frühere Verteidiger (571 Profispiele für die SV Ried und den Linzer ASK) die Wölfe verlässt.

Trainerwechsel bei Eintracht Frankfurt: Glasner ist ein ruhiger Typ

Glasner ist ein Trainer, der nur selten markige Sprüche raushaut, der eher blass wirkt, ruhig, reserviert, rational, keiner für großes Chichi, was im aufgeregten Fußballbusiness keine schlechten Eigenschaften sein müssen. Im Gegenteil. Zumal er intern, in der Kabine, keine Zweifel daran aufkommen lässt, wer der Chef ist und das Sagen hat.

Seine Mannschaften (bisher SV Ried, Linzer ASK, Wolfsburg) lässt er gerne früh attackieren, bei Ballverlusten des Gegners rasant umschalten - ähnlich wie dies auch Adi Hütter präferiert. Das Rückspiel der gerade abgelaufenen Runde zwischen der Eintracht und Wolfsburg war eine der begeisterndsten Partien im Frankfurter Stadtwald in jüngerer Vergangenheit. Es ging hoch und runter, 4:3 hieß es letztlich für die Gastgeber, aber nicht mal Oliver Glasner konnte ob des famosen Spiels ernsthaft unzufrieden sein.

Glasner, der in Wolfsburg im Hotel wohnte und regelmäßig zur Familie nach Salzburg jettete, stand von Anfang an auf der Frankfurter Liste. Schon zu Zeiten, da gar nicht klar war, wer als neuer Manager die Geschicke in Zukunft lenken würde. Eintracht-Kaderplaner Ben Manga und Finanzchef Oliver Frankenbach, der anstelle des kaltgestellten Fredi Bobic quasi in die Sportliche Leitung aufrückte und auch die Gespräche leitete, hatten den 46-Jährigen bereits Mitte April, als Hütter seinen Abgang ankündigte, ins Auge gefasst und das grundsätzliche Interesse der Eintracht hinterlegt.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche bringt Verhandlungen mit Glasner zum Abschluss

„Wir haben den Prozess in Gang gesetzt und dann übergeben“, sagt Frankenbach. Und zwar an Krösche. Der 40-Jährige hat in den zurückliegenden Wochen dann hinter den Kulissen die Verhandlungen mit dem Österreicher fortgesetzt und letztlich am Mittwoch finalisiert. Einigkeit bestand zwischen beiden Parteien seit einigen Tagen, doch zunächst sollte die Saison ordentlich über die Bühne gebracht werden.

In Wolfsburg galt es trotz des sportlichen Erfolgs und eines Vertrags bis 2022 als offenes Geheimnis, dass Glasner seinen Spind räumen würde. Das Tischtuch zwischen Trainer und Sportchef Schmadtke ist schon lange zerschnitten, seit Herbst haben beide kaum ein Wort miteinander geredet. Als Bindeglied fungierte Sportdirektor Marcel Schäfer. Unhaltbare Zustände.

Glasner folgt bei Eintracht Frankfurt auf Hütter – er kostet nur eine Million Euro Ablöse

In Glasners Arbeitspapier war auch eine Ausstiegsklausel eingearbeitet, die bei 4,5 Millionen Euro lag, aber Mitte Mai auslief, ohne dass sie angetastet worden wäre. Die Eintracht setzte auf den Faktor Zeit. Denn in Wolfsburg steht schon der frühere Bayern-Leitwolf Mark van Bommel, zuletzt vereinslos und davor bei der PSV Eindhoven, als Trainer in den Startlöchern.

Daher stand der VfL unter Druck, musste eine Lösung in der völlig verfahrenen Causa Glasner finden. Dem Vernehmen nach ist der Vertrag gegen die Zahlung einer Entschädigungssumme aufgelöst worden. Die Eintracht ihrerseits zahlt den Wolfsburgern eine vergleichsweise geringe Summe, die Ablöse beläuft sich auf rund eine Million Euro. Das ist nicht viel und deutlich weniger als die 7,5 Millionen, die Adi Hütter einbringt.

Oliver Glasner ist in Frankfurt nicht, wie kolportiert, die B- oder C-Lösung, Sportvorstand Krösche schätzt den Fußballlehrer über die Maßen, legte immer wieder mal falsche Fährten und zündete in den vergangenen Wochen so manche Nebelkerze (Edin Terzic, Gerardo Seoane), damit er den Deal in Ruhe unter Dach und Fach bringen konnte. (Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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