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Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt
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Eintracht-Trainer Oliver Glasner an der Seitenlinie.

Eintracht Frankfurt

„Scheißegal“: Eintracht-Trainer Glasner wiegelt Systemfrage ab - muss sie aber führen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht-Trainer Oliver Glasner wiegelt die mal wieder aufploppende Systemdebatte ab, wird sie aber führen und lösen müssen.

Frankfurt – Just in jenem Moment, als der Fußballtrainer Oliver Glasner seine „Scheißegal“-Rede über etwaige Systemdebatten in der Pressekonferenz abfeuerte (dazu gleich mehr), schnellten zwei, drei Meter entfernt auf dem Podium die Mundwinkel schelmisch nach oben. Pal Dardai, der mit 2:1 siegreiche Trainer von Hertha BSC, hatte sichtlich Spaß. Nein, er wollte seinem an diesem Samstag konkurrierenden Frankfurter Berufskollegen gewiss nicht veräppeln, im Gegenteil sogar, es war eine Reaktion der Zustimmung.

Wir Trainer haben es eben manchmal eben auch nicht leicht, ließ sich Dardais Mimik frei interpretieren, dabei machen wir uns doch so viele Gedanken, analysieren und analysieren und analysieren – und am Ende kicken die Jungs auf dem Platz, dann doch wie sie wollen. Blöde Sache, so ein Trainerleben. „Manchmal war das bei uns in dieser Woche wie im Kindergarten“, gab Dardai kurz drauf noch einen Einblick ins gemeinsame Berliner Üben. Taktiktraining mit Händchenhalten – oder so ähnlich. Und dann, so Dardai, gingen die Ideen eben mal auf, siehe Hertha, und auch mal nicht, siehe Eintracht. Kopfnicken auf beiden Seiten des Podiums.

Eintracht Frankfurt: Grübelnder Coach Oliver Glasner

Es ist so eine Sache mit dem System bei Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt in dieser Runde, vom ersten Tag an ist es ein in regelmäßigen Abständen wiederkehrendes Thema. Dreierabwehrkette, Viererriegel, Fünferreihe, ein Stürmer, zwei Angreifer – und am Ende, so die Glasner’sche Ansage von Samstag: „Alles scheißegal.“ Wenn die Spieler ihre Aufgaben nicht erledigten, erklärte der Coach, „wenn wir keine Staffelung haben; wenn die Sechser mit fünf Ballkontakten spielen, dann verlierst du den Ball, Punkt. Dann ist das System scheißegal, wirklich scheißegal.“

Zeichensprache nicht verstanden? Oliver Glasner.

Es mag gegen die Hertha tatsächlich nicht die entscheidende Rolle gespielt haben, in welcher Aufteilung der Coach seine Mannschaft aufs Feld schickte, viel eher ließ sich die schlechte Leistung diesmal auch an der falschen Personalwahl des Übungsleiters festmachen. So unbedeutend wie Oliver Glasner nach dem elften Pflichtspiel als Eintracht-Trainer tat, ist das System für eine Fußballmannschaft aber freilich nicht. Klar, die Basics, der Wille, die Qualität der Spieler, sie müssen stimmen. Gerade Glasner ist aber sehr wohl ein Trainer, der einigen Wert auf die Erfüllung seiner taktischen Vorgaben legt, der lange darüber grübelt, was besser und schlechter gegen den jeweiligen Gegner funktionieren kann. Seit Saisonbeginn nimmt er daher oft von Spiel zu Spiel Änderungen in der Systematik vor.

Es missfiel dem Coach gegen die Hertha, dass Linksaußen Filip Kostic in seinem Rücken derart viel Raum fürs Berliner Flankenspiel offenlegte und er von Abwehrkollege Evan Ndicka kaum Unterstützung erhielt, dass Glasner bereits nach 20 Minuten wild gestikulierend am Seitenrand stand. Er beorderte Timothy Chandler weiter nach hinten, den rechten Flügelmann, der bei gegnerischem Ballbesitz die Abwehr zu einer Viererreihe auffüllen sollte. Allerdings: Chandler hörte nur bedingt zu.

Er habe auch überlegt, das System komplett zu ändern in dieser Phase des Spiels, so Glasner hinterher, was er aber doch nicht machte. Stattdessen wechselte er zur zweiten Hälfte die Positionierung der drei Verteidiger, Martin Hinteregger agierte dann in der Mitte, Makoto Hasebe auf rechts, was dazu führte, dass der alte Hase den Läufer an der Außenlinie gab. Alles nicht optimal.

Eintracht Frankfurt: Team braucht Struktur

Zwar wiegelte Oliver Glasner eine erneute, öffentliche Systemdebatte direkt nach dem Spiel ab, intern aber wird er sie führen müssen. Wenn der Eindruck nicht täuscht, könnte der Nachmittag des 16. Oktober eine Zäsur bedeuten – für den einen oder anderen Profi, der seine erneute Chance nicht zu nutzen wusste, aber auch für stetige taktische Veränderungen. Bald vier Monate im Amt muss es Glasner nun rasch gelingen, die Automatismen den Spielern einzutrichtern. Bisher rennen da viel zu viele Kicker wild auf dem Rasen herum. Offenbar ist das Team nicht weit (oder gut) genug, sich an wechselnden Statiken schnell anzupassen. Anscheinend braucht es feste Strukturen und Abläufe, um zu mehr Stabilität zu gelangen.

Womöglich traut Glasner dies seiner Mannschaft am ehesten mit einer Viererabwehrkette zu, blöd nur, dass ihm dafür das entsprechend qualitativ hochwertige Personal auf einzelnen Positionen fehlt. Die unausgewogene Einkaufspolitik des Sommers lässt grüßen. (Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt)

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