Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zerbricht sich den Kopf, um die Krise zu meistern: Oliver Glasner.
+
Zerbricht sich den Kopf, um die Krise zu meistern: Oliver Glasner.

SGE

Eintracht Frankfurt in der Krise: Oliver Glasner muss jetzt Lösungen präsentieren

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Was tun, wenn bereits viel getan wurde? Der Eintracht-Trainer Oliver Glasner muss schnellstmöglich Lösungen präsentieren, die gar nicht so leicht zu finden sind.

Frankfurt - Es war nur ein kurzer Moment, recht früh im Spiel beim VfL Bochum, aber einer, der bezeichnend ist für die Saison von Eintracht Frankfurt. Nach 25 Minuten, die hessischen Fußballer lagen 0:1 hinten, hielt Oliver Glasner, der Trainer, in seiner Coaching Zone verzweifelt inne. Die Augen waren aufgerissen, der Kopf errötet, die Gedanken ratterten und bahnten sich den Weg an die frische Luft – nicht jedoch verbal. Glasner schrie nicht, nur innerlich. Stattdessen: Die rechte Hand zur Faust geballt, eine weit ausholende Armbewegung, ein klatschender Knall. Die Faust donnernd in die linke Hand, einmal, zweimal, dreimal. Motto: Jungs, wacht auf, bitte versteht endlich, dass es so nicht geht, fegt dazwischen. Die Spieler taten es nicht.

Eintracht Frankfurt in der Krise

Die Saison 2021/2022 befindet sich mittlerweile in ihrem zweiten Viertel und Oliver Glasner an einem Punkt, an dem er bereits viel des Repertoires angewandt hat, was ihm und anderen Fußballtrainern zur Verfügung steht. Er wählte die unterschiedlichsten, taktischen Formationen, er probierte es mal mit den jüngeren Profis, dann mit den älteren. Er zog im Training die Zügel an und ließ sie dann wieder lockerer. Er hielt dem Team nach der Hertha-Pleite eine Standpauke, er lobte die Spieler, er schonte sie öffentlich trotz mäßiger Vorstellungen. Er kritisierte Spieler explizit, um den Druck auf sie zu erhöhen. Und, und, und.

Das Resultat: Aus im Pokal, gute Europa-League-Runde mit Platz eins in der Gruppe, eine miese Bundesligasaison, Platz 15 im Kerngeschäft des Klubs, acht Pünktchen nach neun Partien, nur knapp über dem Abstiegsstrich. Man kann nur erahnen, wie schlecht die Stimmung rund um Eintracht Frankfurt und auch bei Oliver Glasner wäre, hätten sich die Frankfurter nicht im Europapokal zu manierlichen Ergebnissen gespielt. Und die Bayern bezwungen.

Vielerorts in der deutschen Eliteklasse verfingen sich die sommerlichen Trainerwechsel bisher nicht. In Leipzig, dem kommenden Eintracht-Gegner am Samstag, hechelt Jesse Marsch den großen Erwartungen etwas hinterher, in Gladbach der ehemalige Frankfurter Adi Hütter noch deutlicher, in Wolfsburg ist Glasner-Nachfolger Mark van Bommel bereits fort. Das logische Phänomen, dass sich nach einem Trainertausch viele Automatismen einschleifen müssen, ist zwar nicht ungewöhnlich, darf aber eben nicht (zu) lange dauern (siehe Kommentar).

Eintracht Frankfurt: Wofür steht die SGE?

Die Eintracht unter Glasner ist bisher eine Mannschaft, die nicht erkennen lässt, wofür sie steht. Niko Kovac ließ einen Wadenbeißer-Fußball spielen, unangenehm, eklig für den Gegner. Nachfolger Adi Hütter hob das Team mit seiner Volle-Lotte-Philosophie – immer vorne drauf, immer offensiv, auch mal die Defensive vernachlässigend – auf die nächsthöhere Stufe. Wohlgemerkt: Auch die Wadenbeißer-Attitüde ließ er seine Truppe dabei nicht einbüßen. Und Oliver Glasner? Der wollte der Eintracht verständlicherweise ein sichereres Defensivkonzept vermitteln, ohne dabei an zu viel Offensivpower einzubüßen. Ein eigentlich ja sinnvoller Plan, der auch aufgrund einer schlechten Personalpolitik im Sommer jedoch nicht aufgegangen ist. Derzeit kommen fehlendes Selbstvertrauen sowie bei dem einen oder anderen Profi auch erkennbare Selbstzweifel dazu. „Wir lassen uns noch zu sehr nach Rückschlägen aus der Ruhe bringen“, sagt Sportchef Markus Krösche.

Selbst die Hintermannschaft wackelt zurzeit, die ursprüngliche Zweikampfstärke ist zu einer Schwäche geworden. Die Eintracht führt zwar die meisten direkten Duelle, sie ist also willig, sie gewinnt aber nur 46,3 Prozent - ligaweiter Minuswert.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasners Dilemma

Glasner steht vor dem Dilemma, gar nicht mehr so viel Neues versuchen zu können. Er muss darauf vertrauen, dass sich der seit dem Hertha-Spiel eingeschlagenen Weg mit gestandeneren Profis in eine positive Richtung hin zu mehr Stabilität und Kontinuität mündet. Klar: Kapitän Sebastian Rode wird wohl nach überstandener Verletzung und auch aufgrund der Blessur von Kristjan Jakic vermehrt eine zentrale Rolle einnehmen, auch ist Erik Durm auf rechts wohl die solidere, konstantere Wahl als Almamy Touré. In Gänze aber wird sich durch diese einzelnen Personalwechsel das Grundgerüst und -gefühl kaum ändern lassen. Das müssen Trainer wie Spieler schon als verschworene Gemeinschaft richten.

In den Ligaspielen gegen Leipzig und vor allem in Fürth, getrennt nur durchs Europapokal-Duell in Piräus, ist der Druck hoch. Auch auf den Coach würde er bei weiteren Fehlschlägen gewiss steigen, schließlich liegen die Teamleistungen in seiner Verantwortung. Glasner muss beweisen, dass er der Toptrainer ist, für den er gehalten wird. Vorgänger Hütter zum Beispiel gelang es stets, in kritischen Phasen erfolgsbringende Hebel innerhalb des Teams umzulegen (bis auf die Endphase 2021). Natürlich ist Glasner ein anderer Typ, er ist enger dran an den Spielern, was ja etwas Gutes sein kann. Bloß sollte dieses Vertrauen schnell aus dem Schlechten etwas Gutes entstehen lassen. Falls nicht, bedeutet dies wohl Abstiegskampf, ein Wort, das von Spielern, Trainern wie Bossen bei Eintracht Frankfurt bisher noch niemand öffentlich in den Mund zu nehmen gewagt hat. (Daniel Schmitt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare