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Lässig an der Linie: Oliver Glasner.
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Lässig an der Linie: Oliver Glasner.

SGE

Eintracht-Trainer Oliver Glasner: Ein Mann für Details

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Die Ideen von Eintracht-Coach Oliver Glasner kommen bei den Spielern gut an – jetzt müssen sie nur noch Erfolg bringen.

Frankfurt - Am Anfang dieser Woche ließ sich die Verspätung bereits im Vorfeld erahnen. Es verstrich dann auch Minute für Minute, eine Viertelstunde, eine halbe, weitere vier Minuten, erst dann traten die Frankfurter Fußballer hinaus aufs Übungsfeld. Der Grund für die Verzögerung: Oliver Glasner hatte Redebedarf. Nicht etwa, weil die Entwicklung seiner Mannschaft, jener von Bundesligist Eintracht Frankfurt, in eine falsche Richtung gehen würde, sondern schlicht deshalb, weil der Trainer den Austausch mit seiner Truppe für unabdingbar hält, entscheidend gar für die Umsetzung seiner Ideen. Also erklärte der Fußballlehrer seinen Schülern noch innerhalb der Vereinsmauern, wie er sich das weiterhin so vorstellt, an welchen Stellen es gut läuft und an welchen eben nicht. Er nahm dabei Videomaterial zur Hilfe, jedes Spiel, fast jedes Training wird ja aufgezeichnet. Zwar ist dies längst nichts mehr Außergewöhnliches bei Bundesligatrainern (und mittlerweile nicht mal mehr bei manchen Kreisligatrainern), Glasner aber betreibt die Videoschulung besonders intensiv.

Er sei ein Coach, der sehr detailliert arbeite, heißt es von den Spielern, „das wird mich weiterbringen“, hofft zum Beispiel Djibril Sow. Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer, der nicht beim täglichen Treiben auf dem Platz oder gar in der Kabine dabei ist, sich aber selbstverständlich regelmäßig informiert , sagt: „Nach allem, was ich bisher höre, hinterlässt Oliver Glasner einen sehr guten Eindruck. Sehr strukturiert, sehr kommunikativ, er kann Spieler besser machen.“

Eintracht Frankfurt: Glasner feilt an der Defensive

Tatsächlich erfüllt der Coach den ihm aus Wolfsburger Zeiten anhaftenden Ruf eines blassen, ja manchmal sturen und streitsuchenden Trainers in Frankfurt seit seiner Ankunft nicht. Na klar, Glasner ist kein Sprücheklopfer, keiner, der ständig über etwaige Träumereien fabuliert, er arbeitet lieber konsequent seine Themen ab. Immer dann fühlt er sich am wohlsten, auch in Mediengesprächen, wenn er über seine taktischen Vorstellungen reden kann, wenn er erläutern soll, wie er etwa die Gegentorflut der vergangenen Runde abstellen will. Häufige Schlagworte: Stabilität, Rückzugsverhalten, Disziplin.

Die Spieler sollen als Einheit agieren, gemeinsam vor, gemeinsam zurück, auch nach rechts und links. Die Abstände sollen gering sein. Spieler, die gerne aus dem vom Trainer einstudierten Raster ausbrechen, mag er nicht so. Rodrigo Zalazar, ein gutes Beispiel dafür, ließ die Eintracht trotz positiver Gesamtentwicklung zu Schalke 04 ziehen. Zu wild ist er für den Glasner-Stil.

Eintracht Frankfurt: Glasner korrigiert oft

Zumindest im hinteren und dem mittleren Drittel des Feldes soll die Struktur beibehalten werden. Ganz vorne, betont Glasner, dürfen seine Profis dagegen ihre Freiheiten ausleben, dort sollen sie auch die Positionen tauschen und Verwirrung stiften. Schließlich will der Coach zwar künftig weniger Gegentore sehen, das ist sein primärer Verbesserungsansatz, der oft so begeisternden Angriffsfußball aber darf natürlich nicht gänzlich flöten gehen. Im besten Fall soll er bleiben.

Es geht bei Glasner also viel um die richtige Absicherung der Abteilung Attacke, die Positionen im Rückraum müssen stets besetzt sein. Fällt ihm etwas Negatives während der Übungseinheiten auf, unterbricht der 46-Jährige sofort. Dann bläst er in seine Trillerpfeife und korrigiert. Laute Ansagen auf dem Platz gehören für ihn dazu. Lieber etwas sofort erklären, als es auf später zu verschieben. Häufig stellt sich Glasner dafür mitten ins Spielfeld, ersetzt quasi den Schiedsrichter, um den besten Blick auf die Wege seiner Profis zu haben. Und geht es mal nicht sonderlich ernst zu, wird ein erholsames Training eingestreut, macht er auch gerne selbst mit, etwa im Fünf-gegen-Zwei zum Aufwärmen.

Eintracht Frankfurt im Pokal bei Waldhof Mannheim zu Gast

In den ersten zwei, drei Trainingswochen legte Glasner seinen Fokus auf die Defensive, erst in der Folge erhielt auch die Offensive mehr Aufmerksamkeit, was sich an den Testspielen ablesen ließ. War etwa gegen Wehen Wiesbaden oder den SV Sandhausen noch viel Stückwert im eigenen Ballbesitz zu erkennen, sah das zuletzt gegen Saint-Étienne wesentlich flüssiger aus. Ähnliche Leistungen erhofft sich Glasner sicher auch am Sonntag (15.30 Uhr) in der ersten DFB-Pokalrunde bei Waldhof Mannheim und sechs Tage darauf beim Bundesligastart in Dortmund.

An der Systematik des Frankfurter Spiels hat der Coach im Vergleich zu Vorgänger Adi Hütter gar nicht mal so viel verändert. Wenngleich er die Viererabwehrkette üben ließ, wird (vorerst) weiterhin mit drei Mann auf letzter Linie verteidigt. Auf den Außen sind jeweils Solisten unterwegs, im zentralen Mittelfeld zwei Sechser. Vorne probiert es Glasner ohne einen echten Stoßstürmers im Kader mit drei variablen Leuten, die wechselweise in die Tiefe des Raums sprinten sollen.

Geändert haben sich also hauptsächlich Feinheiten, ob Spieler zwei, drei Meter weiter vorne stehen oder eben nicht, wann sie rausschieben und wann nicht, wann ein zusätzlicher Mann absichert und wann nicht. Es sind diese Dinge, die Oliver Glasner umtreiben, einen Trainer für Details.

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