Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So kannte man ihn und so spielte er sich in die Herzen der Eintracht-Fans: Stefan Aigner, immer volle Pulle.
+
So kannte man ihn und so spielte er sich in die Herzen der Eintracht-Fans: Stefan Aigner, immer volle Pulle.

Stefan Aigner

Eintracht Frankfurt: Ex-Spieler beendet Karriere endültig

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
    schließen

Stefan Aigner beendet seine Laufbahn: Zwischen Rocky Mountains und Eintracht Frankfurt.

Frankfurt - Seine große Liebe, zumindest die sportliche, hat Stefan Aigner bis vor kurzem im eigenen Telefon bewahrt. Die letzten Ziffern seiner alten Handynummer waren 1-8-6-0, wie der Münchner Traditionsklub, den Stefan Aigner stets im Herzen trug und weiterhin trägt. Und dieser TSV 1860 München, für den er insgesamt 18 Jahre spielte, ist Fluch und Segen zugleich für den mittlerweile 33-Jährigen, der dieser Tage das Ende seiner Laufbahn verkündet hat.

Nicht ganz freiwillig. Denn seit einem knappen Jahr quält den ehemaligen Profi von Eintracht Frankfurt, für die er zwischen 2012 und 2016 121 Spiele (25 Tore) bestritt, eine hartnäckige Schambeinentzündung, die trotz einer Operation und langer Pause nicht verheilen will. Selbst jetzt „im Alltag spüre ich die Seite“, sagt Aigner. Er ist früh auf den Beinen in diesen Tagen, die beiden Kinder, der Fünfjährige und die Zweijährige, halten den jungen Vater auf Trab, aber er hat ja jetzt Zeit. Zeit für die Familie, die wieder vereint ist in der Nähe von Starnberg, auch das war ein Grund für das Ende einer Karriere, die den „Aiges“ gerufenen Naturburschen von Regionalliga, Oberliga, dritter und zweiter Liga, Bundesliga, Europa League bis zu den Rocky Mountains und zurück in die NRW-Liga geführt hat. „Ich bin schon zufrieden mit meiner Profilaufbahn“, bilanziert der waschechte Münchner. „Wenn mir das einer mit 16, 17 Jahren bei 1860 vorausgesagt hätte, hätte ich blind unterschrieben.“

Eintracht Frankfurt: Stefan Aigner ist stolz auf seine Zeit in Hessen

Er sei stolz auf das, was er mit seinen Füßen erreicht hat, mehr als 430 Pflichtspiele in bald 17 Profijahren, Bundesligaspiele, Europa League mit der Eintracht, Spiele gegen Porto und Bordeaux, die USA. Und doch schwingt ein klein wenig Wehmut mit.

Fluch und Segen halt, und da sind wir erneut bei 1860 München. Denn es war schon überraschend, als Aigner, seinerzeit unumstrittene Stammkraft am rechten Flügel im Sommer 2016 auf Eintracht Frankfurt zuging und um Auflösung seines Vertrags bat. Zuvor hatte der dynamische Mentalitätsspieler entscheidend zum Verbleib der Hessen in der Bundesliga beigetragen, seine Siegtore zum Schluss etwa gegen Dortmund (1:0) oder Darmstadt (2:1) brachten dann noch die Relegationsspiele. Zudem spielte er 2012 unter Trainer Armin Veh, der sich die besten Spieler aus Liga zwei zusammenholte, wie die ganze Mannschaft eine überragende Saison. Aigner gehörte zudem wegen seiner kämpferischen Art, Fußball zu spielen, zu den Publikumslieblingen in Frankfurt.

Aber 1860 München hatte halt gerufen: „Es war mein Kindheitstraum, mit meinem Herzensverein aufzusteigen“, erzählt Aigner, die „Löwen“ spielten damals noch zweite Liga, der jordanische Geldgeber Hasan Ismaik versprach vielen vieles. Am Ende waren die Münchner trotz Aigner und der Geldspritze abgestiegen in die Dritte Liga. „Im Nachhinein war es sportlich ein Fehler, von der Eintracht weg und zu Sechzig zurückzugehen“, findet Aigner im Nachgang, aber ein bisschen ist der Mann halt auch Romantiker.

Stefan Aigner: Nach Eintracht Frankfurt Wechsel zu Colorado Rapids

Nach dem Flop mit den Sechzigern ging es für den blonden Ur-Bayern nicht mehr nach oben. Er wechselte in die Staaten, spielte bei den Colorado Rapids, was fußballerisch halbwegs okay war, noch besser aber sei die Lebensqualität gewesen, Rocky Mountains, die Naturparks, „drei, viermal die Woche“ habe er Ausflüge in die Natur gemacht, schwärmt er. Auch die Lebensart der US-Amerikaner habe ihm gefallen, „sie sind immer positiv“.

Nach einem Jahr und einem Trainer, mit dem er später nicht klar kam, brach Stefan Aigner die Zelte in den Staaten ab, kehrte zurück und unterschrieb beim vom russischen Investor Michail Ponomarev alimentierten Drittligisten KFC Uerdingen, auch dieses Engagement war nicht so von Erfolg gekrönt, obwohl „wir eine coole Truppe mit lauter Haudegen waren“. Er, Kevin Breitkreuz oder Dominic Maroh standen im Team. Die äußeren Bedingungen seien aber nicht so dolle gewesen, „alle dachten, wir duschten unter goldenen Duschköpfen, dabei sah es eher aus wie in der Kreisliga.“

Stefan Aigner: Verletzung des Ex-Spieler von Eintracht Frankfurt leitet Karriereende ein

Zum Abschluss der Karriere dann noch einmal Zweite Bundesliga, der SV Wehen Wiesbaden hatte Interesse, und im ersten Jahr kam er auch auf seine Spiele, ehe ihn dann, nach einem Testspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern Anfang September 2020 von einem Tag auf den anderen die Leiste zwickte. „Am Morgen nach dem Spiel konnte ich nicht mehr allein aus dem Bett steigen“, sagt er. Es folgte eine lange Pause, eine unglücklich verlaufene Operation, Ärzte-Besuche von Pontius zu Pilatus und irgendwann die Erkenntnis: Das wird nichts mehr: „Das Tückische bei Schambeinentzündungen ist, keiner weiß, wie lange es dauert und ab wann man mit dem Training beginnen kann.“ Sein letztes Spiel bestritt Stefan Aigner am 26, September des vergangenen Jahres gegen Viktoria Köln.

Die Vernunft siegte. Und im Augenblick fehlt Aigner nichts, auch nicht der Fußball, ohnehin war er nie der Typ, der sich jedes Fußballspiel im Fernsehen angeschaut hatte. Für seine Zukunft plant er im Jugendbereich zu arbeiten, den Jugendeliteschein will er machen. Ihm schwebt vor, in kleinen Vereinen Kindern und Jugendlichen Technik- und Individualtraining anzubieten. „Ich sehe mich jetzt nicht gleich oben in den Nachwuchsleistungszentren“, sagt er, sondern bei den Kleinen, an der Basis. „Das würde mich reizen.“

Da ist einer sehr mit sich im Reinen. Und ein Auge auf die Sechziger hat er ja weiterhin, geht ja gar nicht anders. Selbst wenn seine aktuelle Handynummer keine 1-8-6-0 mehr enthält.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare