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Einfach nur stark: die beiden Frankfurter Angreifer Luka Jovic (l.) und Ante Rebic.

VfB Stuttgart - Eintracht Frankfurt

Mit offensiver Urgewalt

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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt fegt über Schlusslicht VfB Stuttgart hinweg, gewinnt im Schwabenland völlig verdient 3:0 und liegt nun auf Platz drei.

Risikofreudig, spektakulär und erfolgreich: Wie die Bundesligakicker von Eintracht Frankfurt am Freitagabend zum Auftakt des zehnten Spieltages über den zumeist bemitleidenswerten VfB Stuttgart hinwegfegten, war schlicht beeindruckend. Der 3:0 (2:0)-Auswärtserfolg war eine Demonstration der Stärke, eine Mischung aus einer gehörigen Portion an Selbstvertrauen, aus Willen und vor allem aus einer enormen Offensivqualität, die in der deutschen Eliteklasse zurzeit nur ganz wenige Mannschaften zu leisten im Stande sind.

Die Eintracht ist es, sie wird von ihrem Trainer Adi Hütter geradezu zu diesem teils begeisternden Anrennen auf des Gegners Kasten gezwungen. „Der Plan des Trainers ist aufgegangen, das war richtig gut“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner über den Coach, „das war eine tadellose erste Hälfte. Und nach dem Seitenwechsel haben wir sogar noch einiges liegengelassen.“

Der von Hübner so gelobte Plan, es war einer, der zum Fußballverständnis des Frankfurter Trainers passte. Volldampf voraus. Mangelnde Courage ist dem 48-jährige Fußballlehrer Hütter sicher nicht vorzuhalten, er suchte beim angeschlagenen VfB Stuttgart von Beginn an sein Heil in Sturm und Drang und hatte zum ersten Mal in dieser Saison alle drei Hochkaräter der angreifenden Abteilung für seine Startelf nominiert: Also sowohl Sebastien Haller, als auch Luka Jovic und etwas hängend dahinter Ante Rebic. Mehr Offensivpower geht nicht mehr.

Hütter reagierte damit sehr forsch auf den Ausfall von Mittelfeldmann Mijat Gacinovic, der sich im Spiel gegen dem 1. FC Nürnberg am vergangenen Sonntag eine Verletzung am Oberschenkel zugezogen hatte. Auch Verteidiger Marco Russ musste wegen Leistenbeschwerden passen. 

Natürlich waren die drei Stürmer dann auch nahezu an jeder Offensivszene der Hessen beteiligt.

Gomez sorgt für einen Schreckmoment

Bereits nach vier Minuten schob Rebic den Ball ins Netz, erst auf Hinweis der Videoassistentin Bibiana Steinhaus gab Sven Jablonksi, Referee auf dem Platz, das Tor nicht. Völlig zurecht, klares Abseits. Doch die Gäste dachten gar nicht daran, auch nur in irgendeiner Art und Weise den Fuß vom Gas zu nehmen. Warum auch? Welch PS sie da im Angriff auf den Rasen bringen, ist außergewöhnlich. Nur Borussia Dortmund erzielte in dieser Saison mehr Treffer als die Frankfurter, die mit nun 23 Buden und 17 Punkten zumindest vorübergehend auf Rang drei der Tabelle kletterten. Zur Erinnerung: Ein Platz, der am Saisonende zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde. Aber das nur nebenbei.

Nachdem der Stuttgarter Mario Gomez für einen kurzen Schreckmoment bei den Gästen gesorgt hatte, als der Ex-Nationalspieler einen Kopfball knapp neben den Frankfurter Kasten setzte (9.), klingelte es schließlich nur zwei Zeigerumdrehungen später auf der anderen Seite – und diesmal zählte der Treffer. Danny da Costa hatte einen langen Ball per Kopf auf Rebic weitergeleitet, der erst seinen Gegenspieler abschüttelte und dann auf Jovic durchsteckte.

Der jüngste des Trios, der 20-jährige Serbe schoss, VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler parierte, war gegen den Abstauber von Haller aber machtlos. Der siebte Saisontreffer des Franzosen. Und spätestens nach dieser Führung kannte die Eintracht nur noch eine Richtung, die nach vorne. Der VfB, das Schlusslicht der Liga präsentierte sich in dieser Phase seiner Tabellenposition entsprechend. Die Schwaben rannten nur noch hinterher, hatten der offensiven Urgewalt der Gäste kaum mehr etwas entgegenzusetzen und kassierten den zweiten Nackenschlag - und dieser klatschte richtig. 

Erst scheiterte Haller freistehend aus sieben Metern an Zieler, bei der direkt darauf folgenden Hereingabe von Jovic war Rebic aber mutterseelenallein gelassen und nickte locker ins Netz ein - 2:0 in der 32. Minute, auch schon der vierte Saisontreffer des kroatischen Vizeweltmeisters und ein verdienter Zwischenstand, der in einem gellenden Pfeifkonzert der Stuttgarter Anhänger mündete. 

Nun soll nicht verschwiegen werden, dass das Attackieren mit teils fünf Spielern – auch die Außen da Costa und Filip Kostic rückten enorm weit in Gegners Hälfte auf – nicht frei von Risiko ist. Manch Raum ergab sich im Rücken der Offensivakteure, die Schwaben allerdings wussten damit wenig bis nichts anzufangen. Ein von Eintracht-Torhüter Kevin Trapp parierter Freistoß von Erik Thommy (40.) und ein harmloser Abschluss von Gomez (45.) über das Tor blieben bis zur Pause die einzigen Lebenszeichen der Hausherren. 

Jovic scheiterte viermal

Nach dem Seitenwechsel wurde es noch ein bisschen offensiver aufseiten der Frankfurter - Marc Stendera kam für Ausputzer Gelson Fernandes, der Eintracht ging damit etwas die Griffigkeit auf der so wichtigen Sechserposition verloren. Einerseits. Andererseits hatten sie immer noch die deutlich größeren Möglichkeiten, waren schlicht die bessere Mannschaft. 

Alleine Luka Jovic, der Mann des Angreifertrios, der noch keinen Treffer an diesem Abend erzielt hatte, scheiterte viermal aus aussichtsreichen Positionen vor dem Stuttgarter Kasten (49., 55., 58., 64.). Später zielten auch Haller (67.) und Rebic (79.) daneben. Besser machte es eine Minute vor dem Schlusspfiff Nicolai Müller, der eine Flanke von Jetro Willems zum 3:0 per Kopf über die Linie drückte.

Und der VfB? Mühte sich, das schon. Erzielte ein Abseitstor, nun gut. Viel mehr bekam Trapp im Kasten der Hessen aber nicht zu tun – er blieb das erste Mal seit seiner Rückkehr aus Paris ohne Gegentreffer. Die Fußnote eines gelungenen Auswärtsspiels, in dem die Eintracht beeindruckend auftrumpfte. Risikofreudig, spektakulär und vor allem äußerst erfolgreich.

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