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Bastian Oczipka ist optimistisch, dass die Eintracht gut aus den Startlöchern kommen wird. „Wir sind guter Dinge, etwas reißen zu können.“

Bastian Oczipka

Oczipka pokert noch

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Eintracht-Verteidiger Bastian Oczipka hat als Leistungsträger etabliert. Die Hessen möchte den früheren Leverkusener unbedingt halten, ein erstes Angebot liegt vor.

Es ist nicht bekannt, ob Bastian Oczipka nach seiner Rückkehr aus der Wüste von einer kurze Herbstdepression im Frankfurter Winter befallen wurde. Bekannt ist aber, dass es der Linksverteidiger der Eintracht lieber hat, wenn sich die Temperaturen nicht um den Gefrierpunkt bewegen, wenn man nach dem Training womöglich sogar „für zehn Minuten in den Pool springen“ oder sich auf dem Fußballplatz einfach noch mal ausdehnen kann. Insofern war Abu Dhabi, das Emirat am Golf, für den 26-Jährigen nahezu optimal. „Ich hätte es auch zehn Tage ausgehalten“, sagt er. „Wenn die Sonne scheint, wenn man das Meer oder den Pool sieht, dann hat man gleich bessere Laune als wenn alles grau in grau ist.“

Nun wird sich der Abwehrspieler erst einmal wieder an das Schmuddelwetter gewöhnen müssen, denn bis Saisonende wird er nicht mehr in wärmere Gefilde kommen. Das Trainingslager ist vorüber, und internationale Spiele gehören in Frankfurt ja erst einmal der Vergangenheit an. Ginge es nach Oczipka, würde die Eintracht jedoch schon bald wieder gen Europa streben. Vielleicht noch in diesem Jahr. „Wir sollten uns höhere Ziele setzen“, findet der Linksfuß. „Natürlich ist die Tabelle eng, natürlich stehen Mannschaften vor uns, die vielleicht mehr Potenzial haben. Aber wir wollen zumindest versuchen, an ihnen vorbeizukommen. Auch wenn es schwer wird. Doch mit ein bisschen Glück können wir es schaffen.“

Oczipka weiß, dass schon der ersten Woche nach Wiederbeginn große Bedeutung zukommen kann. „Da können wir einen Riesensprung nach oben machen“, sagt er. „Man kann aber genauso gut ganz schnell unten reinrutschen.“ Doch er ist optimistisch, dass die Eintracht gut aus den Startlöchern kommen wird. „Wir sind guter Dinge, etwas reißen zu können.“ Die Spiele in der Englischen Woche sind keine angenehmen: in Freiburg, gegen Wolfsburg, in Augsburg. Der Eintracht-Profi muss selbst lachen: „Gegen Augsburg haben wir, glaube ich, noch nicht ein einziges gutes Spiel gemacht. Die sind wohl unser Angstgegner.“

Ein guter Analytiker

Oczipka ist ein Typ, der sich Gedanken macht, er hat einen klaren Kopf, ist intelligent und eloquent, er ist ein guter Analytiker. Er weiß, dass es schwer wird, einen internationalen Startplatz zu erreichen, wenn das Frankfurter Ensemble keine bessere Balance findet. „Wir als Mannschaft haben Probleme in der Umschaltbewegung“, urteilt er scharf. „Da sind wir nicht so auf der Höhe, das müssen wir verbessern.“

Trainer Thomas Schaaf hat dem Team zuletzt immer wieder eingebimst, nach Ballverlusten den Hebel schneller wieder umzulegen und den Rückwärtsgang einzulegen. „Wir sollen schneller nachsetzen, nicht rummosern oder uns zu sehr mit der Situation aufhalten“, gibt der Verteidiger preis. Man müsse automatisch umschalten und dem Ball nachjagen. Das gelte auch für das Pressing. „Wenn da ein paar Spieler nicht mitmachen, wird es für die ganze Mannschaft schwer.“

Am Reißbrett entworfene Pläne bringen nur dann etwas, wenn sie in der Praxis mit Leben gefüllt werden. In den beiden Vorbereitungsspielen am Persischen Golf gegen Hamburg und Al Ain hat die Mannschaft nämlich genau da aufgehört, wo sie in der Vorrunde in der Bundesliga aufgehört hat. „Wir waren in den Testspielen sehr ungeordnet“, befindet Oczipka. „Da haben wir dieselben Fehler wie zuvor gemacht. Das müssen wir abstellen.“

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Und doch ist die Defensivkraft davon überzeugt, dass das Team auf dem richtigen Weg ist und keinesfalls einen anderen Spielstil wählen sollte, was ja auch Trainer Schaaf schon ausgeschlossen hat. „Wir sind eine Mannschaft, die Spektakel bietet“, sagt er. „Die Leute sollen sagen: ,Okay, wir gucken uns die Eintracht an, da passiert etwas.‘ Der Trainer hat uns ja immer gesagt, dass wir versuchen sollen, Euphorie zu entfachen und die Menschen dazu bringen sollen, unsere Spiele anzuschauen.“ Unter diesem Gesichtspunkt ist die bisherige Runde ein voller Erfolg.

Oczipka ist einer jener Spieler die davon profitieren, dass sich Trainer und Mannschaft nach einer veritabler Krise und ausgewachsenem Zwischentief dazu entschlossen haben, ihr Heil in bedingungsloser Offensive zu suchen. „Das ist mir zugute gekommen.“ Seitdem spielt er wieder deutlich offensiver, zwischenzeitlich trumpfte er wieder so auf wie vor zwei Jahren, da war er wieder zurück, der alte Bastian Oczipka. „Irgendwann kam der Punkt, da habe ich gemerkt, alles klar, ich habe das Fußballspielen nicht verlernt, ich muss nur einen kleinen Schalter umlegen.“

Es gibt auch den anderen Bastian Oczipka, jenen Spieler, der zweifelt, der zögert und zu früh abspielt oder zu früh flankt, der dann irgendwie gehemmt wirkt. „Es ist alles eine Kopfsache“, führt er aus. Eine Sache des Selbstvertrauens. Zu Saisonbeginn, da lief es bei ihm nicht, da hatte er den Zweikampf gegen Constant Djakpa verloren, obwohl der Ivorer wegen seines WM-Sonderurlaubs erst später ins Training eingestiegen war. „Da hatte ich nicht so das Selbstvertrauen, vielleicht auch nicht das Gefühl, dass der Trainer auf einen setzt.“ Und dann setzt diese Spirale ein, die einen sensiblen Spieler hinabziehen kann.

Training gibt Kraft und Zutrauen

Doch Oczipka hat sich aus diesem Loch heraus gekämpft, er profitierte auch vom Pech von Djakpa, der sich nach vier Spieltagen auf Schalke einen Kreuzbandriss zuzog. In dieser Saison wird er wohl kaum mehr aufs Feld zurückkehren. In der jetzigen Form müsste Oczipka ohnehin keine Konkurrenz fürchten.

Er zählt in der Vorbereitung zu den Aktivposten, zu den Spielern, die schon gut in Schuss sind, er gehört zu den Leistungsträgern. Und Vorstandschef Heribert Bruchhagen äußerte mit sorgenvoller Miene, dass er unheimliche Angst vor einer Verletzung des Linksverteidigers habe. Oczipka selbst blendet Gedanken daran aus. „So darf man nicht reingehen, dass man denkt, es passiert etwas.“ Er habe aus dem vergangenen Jahr gelernt, „seriöser mit den Dingen umzugehen“. Die abgelaufene Saison war für den Mann aus Bergisch-Gladbach eine zum Vergessen, da stolperte er von einer Verletzung in die nächste, kam nie richtig auf die Beine. Das ist jetzt anders, im Grunde trainiert er seit Sommer durch. Das ist sein Erfolgsgeheimnis. Das gibt ihm Kraft und Zutrauen – in die eigenen Fähigkeiten und den eigenen Körper.

Die Eintracht möchte den früheren Leverkusener unbedingt halten, sie hat ihm ein erstes Angebot unterbreitet. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Oczipka knapp. Er habe sich im Trainingslager mit Sportdirektor Bruno Hübner unterhalten, jetzt werden die Gespräche mit Berater Dirk Hebel fortgesetzt. „Mir gefällt es sehr gut hier, das, was wir uns aufgebaut haben, ist super“, sagte er vor wenigen Wochen im FR-Interview. „Ich würde mich freuen, die weitere Entwicklung mitzugehen.“ Dazu muss die Eintracht das Gehalt des früheren St.-Pauli-Profis anheben. Dazu ist sie bereit. Genauso wie bei Bamba Anderson, der in dieser Woche seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hat. „Das mit Bamba ist ein gutes Zeichen“, sagt Oczipka. Er muss ja nur noch nachziehen.

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