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Nur Europa kann die Saison retten

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Rettete der Eintracht wenigstens einen Punkt: Kevin Trapp. Foto: dpa
Rettete der Eintracht wenigstens einen Punkt: Kevin Trapp. © dpa

Eintracht Frankfurt blickt schon jetzt auf eine nicht befriedigende Spielzeit zurück – hat aber noch ein heißes Eisen im Feuer

Eines steht bereits nach 31 Spieltagen der Fußballbundesliga unumstößlich fest: Eintracht Frankfurt wird in der neuen Saison in der so ungeheuer liebgewonnenen Europa League nicht an den Start gehen. Nach dem unterhaltsamen 2:2 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim ist eine Qualifikation rechnerisch nicht mehr möglich, selbst auf die kleinere Conference League besteht nur noch eine minimale Mini-Chance, eher theoretischer, also unrealistischer Natur. Das Saisonziel ist damit klar verfehlt, graues Mittelfeld in der zweiten Hälfte des Tableaus sollte es nicht sein.

Doch gemach, denn wenn schon die zweit- oder drittklassigen europäischen Wettbewerbe ausfallen, wie wäre es dann mit der Crème de la Crème? Königsklasse als Entschädigung sozusagen. Die einzige Chance, die Eintracht Frankfurt noch bleibt, um künftig international antreten zu dürfen, ist nämlich ein Triumph in der Europa League. Der Titel wäre gleichbedeutend mit dem Einzug in die Champions League. Etwas kurios, klar, aber Sportvorstand Markus Krösche zuckt lächelnd mit den Schultern: „Das haben wir uns erarbeitet“, sagt er. „Wir werden alles versuchen, um jetzt West Ham zu schlagen.“

Das erste Halbfinale am Donnerstag (21 Uhr) in London gegen West Ham United überstrahlt schon jetzt wieder alles in Frankfurt, das Fieber steigt. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Kapitän Sebastian Rode. „Wir brennen darauf, nach Sevilla zu fahren.“ In Spanien wird am 18. Mai das Finale angepfiffen. Das ist das erklärte Ziel. „Es gibt keine Müdigkeit mehr, nur noch Freude und Begeisterung“, findet Trainer Oliver Glasner. „Die Playoffs laufen schon, aber jetzt kommen die Finals.“

Für die Eintracht bietet die Europa League die letzte Möglichkeit, die Saison zu retten und sie, mehr noch, zu vergolden. Denn die aktuelle Bundesligaspielzeit ist zwar keine riesige Enttäuschung und auch nicht verkorkst, aber eben doch nicht das, was den Verantwortlichen vorschwebte. Es droht, die schlechteste Spielzeit seit fünf Jahren. „Wir spielen eine schon sehr zähe Bundesligasaison“, räumte Vereinspräsident Peter Fischer im ZDF-Sportstudio ein. „Mit der Bundesliga ist keiner zufrieden. Wir kompensieren das mit Europa.“ (Siehe Bericht S2). So lange es geht eben. Oder: Drei Spiele bis zur Ewigkeit.

Im Brot- und Butter-Geschäft liegt die Eintracht weit hinter den eigenen Erwartungen und Ansprüchen, gerade die Rückserie ist eine zum Vergessen. Von 14 Spielen haben die Frankfurter nur drei gewinnen können, dafür aber sieben verloren, 13 Punkte ergibt Tabellenplatz 14 in diesem Jahr. Wäre ihnen nicht vor Weihnachten ein veritabler Zwischenspurt gelungen, der sie bis auf Platz sechs des Klassements führte, würden sie jetzt knietief im Abstiegskampf stecken. Auch die Heimbilanz ist niederschmetternd: nur vier Siege, dafür sechs Niederlagen, Rang 14. „Wir sind mit der Punktausbeute nicht zufrieden“, bekundet Sportchef Krösche, will die Saison aber nicht abschließend bewerten. „Für ein Fazit ist es zu früh.“ Der Europapokal wird zur entscheidenden Bemessungsgrundlage.

Coach Glasner freute sich nach dem Remis gegen die TSG Hoffenheim viel lieber darüber, dass seine Mannschaft die Partie sehr wohl ernstgenommen hat. „Viele haben sich ja gefragt: Schenken sie jetzt die Bundesliga ab?“ Zumindest am Samstag haben das die Fußballer aus Frankfurt tatsächlich nicht gemacht, was andererseits aber auch selbstverständlich sein sollte. „Die Jungs waren bereit, an die Leistungsgrenze zu gehen“, konstatierte der Trainer. „Sie haben gezeigt, dass sie fokussiert und im Hier und Jetzt sind.“ Also nicht im Unterbewussten schon bei den internationalen Festtagen.

Gegen die Kraichgauer konnten die Frankfurter mit dem Punkt zufrieden sein, auch weil Torwart Kevin Trapp mal wieder bärenstark hielt, etwa in der 90. Minute gegen Andrej Kramaric. „Das war grandios“, lobte Glasner. Der Eintracht reichte auch eine zwischenzeitliche Führung durch Daichi Kamada (66.) nicht zum Dreier, Georginio Rutter glich zum 2:2 aus (78.), zuvor hatte Evan Ndicka zwei schöne Kopfbälle versenkt, einen dummerweise im eigenen Tor (12.), den anderen im TSG-Kasten (32.). „Danach waren wir zu passiv, das begleitet uns durch die ganze Saison“, monierte Krösche. „Wir verfallen dann in den Verwaltungsmodus.“

Der Auftritt war eine Blaupause vieler anderer Spiele: viel Aufwand, viele Kilometer, viel Willen – aber wenig Ertrag. „Das ist die Krux in dieser Saison“, betont Sebastian Rode. Genauso wie die mangelhafte Durchschlagskraft, die Frankfurter bringen einfach zu wenige Spieler in den Strafraum, die die unzähligen Flanken von Filip Kostic verwerten könnten. Und wenn sie mal drin sind, fehlt die Entschlossenheit, der richtige Riecher und die Gier, das Tor zu machen. Und auch gegen Hoffenheim fiel das enorme Gefälle im Kader wieder auf und ins Gewicht: In der Breite ist das Aufgebot nicht stark genug, von der Bank kommen keine Impulse. Alles wie immer.

Da ist es nur allzu logisch, dass diese Spielzeit nun auf zwei, bestenfalls drei Eurpoacupspiele zusammenschnurrt. Genau aus diesem Grund durfte Kapitän Rode das Spielfeld nach 68 Minuten verlassen, ebenso wie der nach fast 50 Pflichtspielen und etlichen Südamerikareisen müde wirkende Stürmer Rafael Borré. Der Kolumbianer ist dennoch konkurrenzlos und also gesetzt. Rode wird den in London gesperrten Kristijan Jakic ersetzen und an der Seite von Djibril Sow im Mittelfeld die Löcher stopfen. Sow ist rechtzeitig von seiner Zerrung im Knie genesen, auch wenn er nicht beschwerdefrei ist. „Adrenalin ist aber das beste Schmerzmittel“, sagt der Schweizer, der zudem auf die geballte Unterstützung der Fans setzt. Die haben die Mannschaft nach diesem schmucklosen 2:2 gegen Hoffenheim frenetisch abgefeiert und mit einer klaren Direktive nach England geschickt: „Auswärtssieg!“

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