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Eintracht Frankfurt: Glasner will Disziplin und Leidenschaft in Balance

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Von: Ingo Durstewitz

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Mahner in kurzer Hose: Oliver Glasner treibt weiter an.
Mahner in kurzer Hose: Oliver Glasner treibt weiter an. © IMAGO/Newspix

Die Eintracht Frankfurt nach dem Trainingslager in Dubai: Trainer Glasner sieht SGE „wieder im Wettkampfmodus“.

Frankfurt – Eintracht Frankfurt sieht sich nach dem strapaziösen Trainingslager in Dubai gut gerüstet für den Restart, will aber die sichtbaren Defizite nicht auf die leichte Schulter nehmen. Nach den sehr dichten und fordernden Tagen in der Wüste, in denen der Fußball kein Raum für andere Gedanken ließ, dürfen die Profispieler der Frankfurter Eintracht mal für zwei Tage abschalten.

Oder sagen wir besser, eher defensiv formuliert: sich erholen und ein bisschen durchschnaufen. Denn grundsätzlich gilt: „Der Urlaub und die Zeit des Abschaltens sind vorbei. Wir sind wieder im Wettkampfmodus. Da gehe ich voran.“ Das sagt der, der die Verantwortung dafür trägt, was seine Mannschaft auf den Spielfeldern der Nation so fabriziert: Oliver Glasner, der Trainer.

Der 48-Jährige zieht ein rundweg positives Fazit der zehn Tage unter der Sonne Dubais. „Wir haben wahnsinnig intensiv trainiert und viel reingepackt in einer relativ kurzen Zeit. Wir haben die Spieler physisch und mental an ihre Grenzen gebracht.“ Die Akteure aber jammerten nicht, sondern überwanden den einen oder anderen toten Punkt. Das gehört dazu, zu so einer Vorbereitung.

SGE-Trainer Glasner über Eintracht-Frankfurt: „Alles in den Fußball gepackt“

„Großer Respekt, wie alle dabei sind, selbst wenn die Beine schwer und der Kopf müde sind“, findet der Coach, der haarklein ausgerechnet hat, dass seine Mannen seit dem Trainingsauftakt Anfang Januar in elf Tagen knapp sieben Fußballspiele absolviert haben. „Wir haben alles in den Fußball gepackt.“

Nicht ohne Grund. Vor der Eintracht liegen herausfordernde Monate, in allen Wettbewerben liegt sie aussichtsreich im Rennen. Und Sportvorstand Markus Krösche hat den Druck spürbar erhöht. Ein Abrutschen will er nicht hinnehmen. Zurzeit spricht wenig für einen Einbruch, dazu wirkt die Mannschaft zu stabil und in sich gewachsen. Sie hat im alten Jahr mitreißende Spiele abgeliefert und sich Rang vier im Klassement verdient.

Eintracht-Frankfurt: SGE-Manager Krösche sieht „keine Zeit, uns Schwächen zu erlauben“

Es gibt einige im Dunstkreis des Klubs, die der Eintracht sogar zutrauen, die Bayern jagen zu können. Da muss man allerdings ein Optimist der grenzenlosen Art sein, zumal die Münchner zwar noch keinen Manuel-Neuer-Ersatz, aber sieben Punkte Vorsprung haben. Nein, eine Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb wäre ein Erfolg, die Champions League das Sahnehäubchen.

Die Möglichkeit, sich langsam einzugrooven in die Liga, gibt es nicht. „Wir haben keine Zeit, uns Schwächen zu erlauben“, sagt Manager Krösche. Schon in der ersten Woche mit drei Spielen gegen Schalke 04, beim Tabellenzweiten in Freiburg und dem Branchenführer in München kann die gute Ausgangsposition ins Wanken geraten. „Im Fußball“, sagt Nationalspieler Mario Götze, „kann es auch schnell in die andere Richtung gehen.“

SGE: Eintracht Frankfurt – Erfahrung mit Hochs und Tiefs

Die Eintracht weiß das aus leidvoller Erfahrung und in allen Facetten. 2011 stiegt sie nach der „Rückrunde der Schande“ noch ab, nachdem sie nach der Hinserie auf Tuchfühlung zu den Europapokalplätzen lag.

Und vor zwei Jahren verspielte sie unter Adi Hütter die sicher geglaubte Teilnahme an der Champions League. Unruhe, der Abgang der kompletten Sport-Führung sowie interne Querelen sorgten für Katzenjammer auf den letzten Metern, obwohl mit Platz fünf der direkte Einzug in die Europa League geschafft und somit der Grundstein für den fabelhaften Europa-League-Triumph gelegt wurde. Damals war es auch das unrühmliche Verhalten eines Amin Younes, das die innere Festigkeit auf der Zielgeraden zum Bröckeln brachte.

Eintracht Frankfurt – SGE-Trainer Glasner lamentiert nicht: „Das ist Teil des Spiels“

Da scheint die Eintracht dieses Mal besser aufgestellt, wenngleich so mancher Akteur auch nicht frustfrei unterwegs ist. Die Stürmer Lucas Alario und Rafael Borré sind nicht eben zufrieden mit ihren Rollen als Backups, Luca Pellegrini bleibt ein Sonderling im Team. Vorbildlich ist aber das Verhalten eines Spielers wie Borré, dessen Berater zwar Druck machen und stänkern, er selbst aber im Training die Ausgeburt an Leidenschaft verkörpert, vollen Einsatz zeigt. Mehr geht nicht. Und doch könnte das Pendel irgendwie zur anderen Seite ausschlagen, denn klar ist auch: Viel verändern wird sich nicht im Eintracht-Kosmos.

Es gibt ja auch keinen Grund, etwas über den Haufen zu werfen, was bestens funktionierte. Die Mannschaft steht, sie wird in etwa die sein, die gerade im Spätherbst für Furore sorgte und von den letzten neun Pflichtspielen sieben gewann. Nur Verteidiger Tuta ist mit einer Knöchelverletzung unpässlich. Trainer Glasner lamentiert nicht: „Das ist Teil des Spiels. Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir mit Unwägbarkeiten zurechtkommen.“

SGE-Trainingscamp: Warnhinweis für Eintracht Frankfurt

Zum Abschluss des Trainingscamps hat sich die Eintracht in zwei Testspielen gegen den polnischen Meister Lech Posen (1:0 und 2:2) überaus schwer getan. Da hat man deutlich gesehen, dass diese Saison kein Selbstläufer wird und alles sehr eng zusammen liegt. „Es gibt keine Garantie, dass es jetzt gut läuft, weil es vor zwei Monaten gut lief“, gibt der Coach zu bedenken. „Wir müssen uns gegen Widerstände durchsetzen, und die werden kommen. Schon gegen den FC Schalke 04, der um den Ligaverbleib kämpft.“

Insofern waren die Partien gegen Lech Posen vielleicht sogar so etwas wie ein Weckruf, zumindest ein Warnhinweis, dass noch eine Menge Arbeit auf Glasners Team wartet. Auch der Trainer wertet das Erlebte, dieses Schwerfällige und Mühsame, als erkenntnisreich und hilfreich. „Vieles ging vorher ja sehr reibungslos, alles war schön“, doch die Polen hätten sehr wohl gezeigt, was auf die Eintracht in verstärkter Form im Ernstfall ab Samstag zukommen wird. „Wir haben viele Fehler gemacht und uns verunsichern lassen, auch mit der Körpersprache war ich nicht zufrieden“, monierte der Österreicher.

Eintracht Frankfurt: SGE-Coach will Balance aus Disziplin und Leidenschaft sehen

Es sei wichtig, in der Struktur und positiv zu bleiben, selbst wenn mal etwas nicht klappe. „Es flutscht noch nicht so leicht von der Hand“, hat der Fußballlehrer bemerkt. Das aber wertet er als positiv. „Der Test war ganz, ganz wichtig für die kommenden Wochen.“ Will sagen: Wer etwas als gegeben hinnimmt und denkt, alles laufe von alleine wie am Schnürchen, ist auf dem Holzweg.

„Wir müssen über den Rhythmus die Selbstverständlichkeit wieder finden“, fordert Glasner, der die taktische Disziplin anmahnt. „In manchen Situationen haben wir fast zu euphorisch angegriffen und die Absicherung vergessen. Wichtig wird sein, Disziplin und Balance an den Tag zu legen und gleichzeitig den Spaß am Fußball, die Leidenschaft und die Begeisterung beizubehalten.“ Oder halt einfach so weiterzumachen wie im Spätherbst 2022. (Ingo Durstewitz)

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