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Fußballgötter altern nicht: Eintracht-Kapitän Alex Meier.
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Fußballgötter altern nicht: Eintracht-Kapitän Alex Meier.

Interview Alex Meier

„Es ist noch lange nicht vorbei“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Kapitän Alexander Meier über Fußball im reifen Alter, seine Liebe zu Frankfurt und weshalb er gar nicht wechseln will.

Alexander Meier, seit Dienstag 34, ist eine treue Seele, der Eintracht hat er seit 13 Jahren die Stange gehalten. Ein Ende ist nicht in Sicht. Vor dem Auftakt am Samstag in Leipzig hat sich der Frankfurter Fußballgott Zeit für die FR genommen. Und man kann erahnen, wie sehr dem Nordlicht  dieser Verein vom Main ans Herz gewachsen ist. „Es ist etwas Besonderes, Kapitän von Eintracht Frankfurt zu sein“, sagt Alex Meier, der Torjäger. „Das ist eine Auszeichnung.“

Herr Meier, in dieser Woche haben Sie Ihren 34. Geburtstag gefeiert. Haben Sie eine Idee, wie viele Feldspieler in der Bundesliga in diesem Alter noch aktiv sind?
Darauf habe ich nie geachtet, aber ich weiß schon, dass noch viele dabei sind, die 1983 geboren sind.

Ist es für Sie etwas Besonderes, in diesem   hohen Fußballeralter noch auf höchstem Niveau zu spielen?
Ich bin dankbar dafür, dass ich so lange spielen kann und gesund bin. Aber ich denke, man wird erst nach der aktiven Karriere so richtig einschätzen können, was es bedeutet, so lange dabei gewesen zu sein. Jetzt ist es normal, weil es ja immer weiter geht und man in diesem Rad drin ist.

Ist es einfach Zufall, dass manche länger aktiv sein können als andere?
Das weiß ich nicht, ich kann ja nur für mich sprechen. Ich versuche schon, mich zu pflegen, professionell zu leben und gesund zu bleiben. Dann schauen wir mal, wie lange die Knochen halten.

Was hat sich für Sie verändert?
Man muss sich, wie gesagt, mehr pflegen als mit 23. Okay, schneller wird man dadurch auch nicht mehr (lacht)...

...und die Strapazen eines Trainingslagers stecken Sie ebenfalls locker weg?
Ja, doch. Das Einzige, was ein bisschen schwerer fällt, wenn man älter wird, ist, dass es nicht mehr so leicht fällt, in den Rhythmus zu kommen, wenn man mal zwei, drei Wochen Pause hatte und man dann wieder anfängt. Das dauert etwas länger. Aber wenn man dann wieder im normalen Ablauf und im Rhythmus ist, dann ist es normal.

Ihr Knie, merkten Sie mal an, bereite keine Probleme mehr. Sind Sie topfit oder gar in der späten Blüte?
Weiß ich nicht. Wenn man die Tore und Vorlagen nimmt, hatte ich schon bessere Zeiten. Von der Fitness her fühle ich mich aber absolut gut. Ich glaube, dass man die Hochzeit zwischen 29 und 32 hat. Vielleicht kommt es aber mit 35 auch noch mal (lacht). Aber ernsthaft: Manchmal wird es jetzt mit 34 so dargestellt, als sei ich ein Oldie, der noch ein bisschen zum Spaß mitmacht. Aber das ist nicht so. Ich ehrgeizig, ich will noch, das können Sie mir glauben.

Sonst würde es Ihnen ja auch nicht stinken, wenn Sie ab und zu auf der Bank sitzen.
Genau. Sonst würde ich auch nicht hierherkommen und vor und nach dem Training meine Übungen und Zusatzschichten machen, sonst würde ich Dienst nach Vorschrift machen. Aber das mache ich nicht. Im Gegenteil.

Wie war es im alten Jahr für Sie, als Sie dreimal auf der Bank Platz nehmen mussten?
Natürlich denkt man, was soll das jetzt? Aber ich habe bei jedem Trainer mal auf der Bank gesessen. Natürlich ist man dann unzufrieden. Aber wenn einem das egal wäre, dann brauchte man gar nicht mehr zu spielen. Ich kann nicht mehr tun, als in jedem Training Gas zu geben – und dann sieht man, ob es fürs Wochenende reicht oder nicht.

Sehen Sie Ihren Status bröckeln?
Nur weil ich jetzt ein paarmal nicht von Anfang an gespielt habe? Nein. Ich denke schon, dass man großen Respekt vor den Spielern hat, die lange dabei sind und einiges geleistet haben. Das ist ja bei mir genauso. Wenn jetzt Marco (Russ; Anm. d. Red.) oder Basti (Oczipka; Anm. d. Red.) nicht spielen, würde sich doch bei mir in der Wahrnehmung nichts ändern. Ich habe größten Respekt vor ihnen. Ich kann generell nur eines sagen: Es ist noch lange nicht vorbei. Ich verschwende keinen Gedanken daran, dass es irgendwann, in eineinhalb Jahren oder so, vorbei sein könnte.

Hat es Sie irritiert, dass Fredi Bobic jetzt äußerte, Sie ziehen zu lassen, wenn es Ihr Wunsch wäre?
Nein, das war auch genauso abgesprochen, als ich im vergangenen Sommer meinen Vertrag bis 2018 verlängert habe. Das war also keine Überraschung für mich. Es ist ja auch besser, dass ich das entscheiden kann (lacht).

Aber Sie denken nicht daran, die Eintracht jetzt zu verlassen?
Nein, im Moment nicht. Ich habe ja immer gesagt, wenn noch mal was kommen sollte, was ein Abenteuer wäre und wozu ich richtig Lust habe, würde ich mal darüber nachdenken.

Wäre es die USA zum Beispiel?
Na ja, da würde es auch auf die Stadt ankommen. Es müsste alles passen, ich müsste voll überzeugt sein, dann würde ich es vielleicht machen. Aber nur, um noch mal in Amerika zu spielen, nee, das wäre nichts für mich.

Haben Sie es mal bereut, vor einem Jahr das unmoralische Angebot aus China nicht angenommen zu haben?
Wenn ich aufs Konto gucke, ja (lacht). Nein, es war damals eine schwierige Situation. Ich habe kurz mit Armin Veh und Heribert Bruchhagen darüber gesprochen, das Thema war aber in zwei, drei Minuten vom Tisch. Wir hatten uns damals selbst in diese Situation gebracht, standen mitten im Abstiegskampf. Und ich hatte auch damals, als wir 2011 abgestiegen sind, gesagt, dass wir uns das selbst eingebrockt haben. Und dann muss man auch alles dafür tun, es wieder geradezubiegen. Das habe ich vor einem Jahr auch so gesehen.

War es für Sie im Sommer schwer, sich umzustellen? Das Training ist länger, gemeinsames Essen, Blutabnahme. Da kommt ja einiges zusammen.
Das lange Training ist kein Problem, auf dem Platz merkt man gar nicht, wie lange man drauf ist. Und es zahlt sich ja aus, wir können bis zum Schluss Gas geben. Klar ist es eine Umstellung, dass man zum Essen zusammenkommt. Aber daran hat man sich nach einem Monat gewöhnt. Ich würde lieber zu Hause frühstücken, aber man kann es sich ja nicht aussuchen.

Es wird ja oft gesagt, die Mannschaft war nicht austrainiert in der vergangenen Saison. War dem so?
Ach, das ist mir viel zu einfach. Es ist auch nicht fair dem alten Trainer und den alten Konditionstrainern gegenüber. Sie haben auch alles dafür getan, dass wir fit sind. Und zu sagen, es lag alles an der Fitness, ist Schwachsinn. Jeder Profi ist auch ein Stück weit für sich selbst verantwortlich, wenn er merkt, er ist nicht fit. Ein halbes Jahr später kann man leicht sagen, dies und jenes lief schlecht. Aber damals habe ich niemanden gehört, der das artikuliert hätte. Das jetzt anzubringen, das gehört sich nicht.

Aber man muss doch feststellen, dass die Mannschaft jetzt in der Lage ist, bis zur 95. Minute volle Pulle zu gehen. Es sind einige Spiele zum Schluss entschieden worden. Ist das der guten Kondition oder dem Spielglück geschuldet?
Beides. Wenn man nicht bis zum Ende powern kann, kann man das Glück auch nicht erzwingen. Und wir hatten auch einen Lauf, das kommt noch hinzu. Es ist ein Vorteil, wenn du hinten raus noch Gas geben kannst.

Sie haben eben den Abstieg 2011 angesprochen. Damals ist die Mannschaft in der Rückrunde förmlich auseinandergefallen. Können Sie sich in diesem Jahr einen ähnlichen Einbruch vorstellen?
Sag‘ niemals nie. Aber das passiert, glaube ich, nicht. Dazu ist die Mannschaft zu gefestigt.

Sind Sie mit Ihrer Saison bisher zufrieden?
Vier Tore, eine Vorlage, stimmt das?

Ja, und zwei verschossene Elfmeter.
Ach ja, richtig, ein Field Goal war ja auch noch dabei (lacht). Ernsthaft: Die Quote geht noch, ich hatte ein-, zweimal noch Pech bei Chancen. Wie gesagt: Es ist okay, nicht überragend, aber auch nicht schlecht.

Hat es auch mit der Spielweise zu tun, die sich geändert hat?
Bestimmt. Deshalb fällt es mir auch schwer, mich selbst zu bewerten. Wir Stürmer müssen ja sehr viel arbeiten, viel Defensivarbeit verrichten. Dafür wird man ja auch gelobt. Schön und gut, aber als Stürmer interessiert es einen nicht so sehr, ob du gut nach hinten arbeitest, da willst du Tore schießen. Aber wenn es der Mannschaft hilft, mache ich das natürlich. Das steht außer Frage. Und es ist bei mir so, dass ich lieber das Spiel gewinne und kein Tor schieße als umgekehrt.

Stimmt die Formel: Mehr Arbeit, weniger Torgefahr?
Das ist doch logisch. Wenn du immer hin und herlaufen musst, dann fehlt vor dem Tor vielleicht ein bisschen die Kraft, dann lässt die Konzentration etwas nach. Das ist doch ganz normal. Aber wenn alle mitmachen, dann passt das. Und wenn jeder die Aufgaben übernimmt, die für das Team am wichtigsten sind, dann passt das.

Was geht jetzt noch in den verbleibenden 18 Spielen?
Da wird man abwarten müssen, wie wir reinkommen. Die Gegner werden sich besser auf uns einstellen, haben wieder mehr Respekt vor uns. Sie haben gemerkt, dass es nicht ganz so einfach ist, gegen uns zu spielen. Die Gegner werden uns ernster nehmen.

Und mit Leipzig wartet  ein ganz schönes Kaliber zum Start.
Klar. Aber es weiß ja keiner, wo er steht nach der Vorbereitung. Sie haben viel Geld, aber man muss  trotzdem erst mal so eine Leistung bringen. Sie haben keine Superstars gekauft, sondern junge Spieler geholt. Die sind natürlich auch super, sicher mit die Toptalente auf der Welt. Davor kann man nur Respekt haben.

Können die Leipziger den Bayern gefährlich werden?
Nein, nein. Die Bayern werden in der Rückrunde besser als in der Hinrunde sein, damals kamen alle Spieler von der EM.

Zum Abschluss noch mal zu Ihnen persönlich: Wie lange wollen Sie noch Fußballspielen?
Ich höre auf, wenn ich mich nur noch quäle und es keinen Sinn mehr macht. Oder wenn ich keine Lust mehr habe.

Aber Sie können sich vorstellen, länger als bis 2018 zu spielen?
Wenn ich fit bin, so wie jetzt, sehe ich keinen Grund, dann aufzuhören. Natürlich werden im Alter die Einsatzzeiten wahrscheinlich weniger, aber das ist halt so. Und selbst wenn die Eintracht sagen würde, wir bauen nicht mehr auf dich, gäbe es sicher noch die Möglichkeit, woanders weiterzuspielen.

Und dann könnten Sie zurückkommen, dann würde hier in Frankfurt Ihr Anschlussvertrag in Kraft treten?
So ist es.

Was würden Sie gerne machen, nachdem Sie aufgehört haben?
Am Schreibtisch sitzen, das ist nicht so mein Ding. Ich wäre gerne direkt auf dem Platz oder am Platz, etwas Aktives halt.

Wird Frankfurt Ihre Heimat bleiben oder zieht es Sie irgendwann zurück nach Hamburg?
In Deutschland gibt es nur zwei Städte, in denen ich leben möchte: Frankfurt und Hamburg. Wenn ich sage, ich fahre nach Hause, dann meine ich Frankfurt. In Hamburg bin ich aufgewachsen. Mal sehen, wohin es mich irgendwann mal verschlägt.

Interview: Ingo Durstewitz

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