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Was geht in ihm vor? Eintracht-Trainer Thomas Schaaf.
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Was geht in ihm vor? Eintracht-Trainer Thomas Schaaf.

Eintracht in der Krise

Nur noch Hoffen und Bangen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt hat sich in eine vertrackte Situation manövriert. Noch vor ein paar Wochen konnte man nach Plätzen schielen, die ins internationale Geschäft führen. Nun bleibt nur mehr Hoffen und Bangen. Und die Verantwortlichen tauchen ab.

Vielleicht ist das das Schlimmste: das Warten. Das Warten auf den nächsten Spieltag, das Warten auf eine Entscheidung, das Warten auf Klarheit. Was anderes als warten bleibt Eintracht Frankfurt ja nicht mehr. Der Klub, der noch vor ein paar Wochen durchaus ernsthaft nach Plätzen schielte, die ins internationale Geschäft führen werden, dieser Klub kann nur noch hoffen und bangen. Seriös rechnet niemand mehr damit, dass zu den bislang gesammelten 36 Zählern noch sonderlich viele dazu kommen werden, vielleicht einer, vielleicht zwei, vielleicht auch gar keiner.

In der momentanen prekären Lage bleibt nichts anderes als Daumen drücken. Und hoffen, dass die sechs unter der Eintracht stehenden Klubs nicht zu viele Spiele gewinnen. Es könnte sonst ein böses Erwachen geben, ihre Schäfchen haben die Frankfurter noch nicht im Trockenen. Momentan wirkt die Eintracht wie paralysiert, der Verein ist im Grunde handlungsunfähig. Was sollen die Verantwortlichen jetzt auch tun, drei Spieltage vor Schluss mit einer verzagten, verunsicherten, verlorenen Mannschaft? Einfach nur hoffen, dass der Kelch noch mal vorbeigeht.

In diese Situation platzt ein Bericht der „Bild“, die Trainer Thomas Schaaf quasi zum Abschuss freigibt. „Schaaf wird zum Problem für Eintracht!“, lautete die krachende Überschrift. Verwunderlich, da das Blatt neun Monate lang einen Kuschelkurs gefahren ist. Inhaltlich liegt der Bericht über die Probleme der Eintracht nicht daneben, ähnliches schreibt die FR schon seit einigen Monaten. Denn dass etwas nicht mehr stimmt im Staate Eintracht, das lässt sich leichterdings sehen, spüren und hören. Man muss es nur sehen, spüren und hören wollen. Die Frankfurter Verantwortlichen wollten und wollen es nicht.

Dass es atmosphärisch nicht passt, dass es nicht stimmt im Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Trainer, dass die sportliche Entwicklung dieses Teams kontinuierlich nach unten geht, ist nicht schwer zu erkennen. Es ist offenkundig. 13 Punkte aus 14 Spielen ist eine mehr als dürftige Bilanz. Und zu den grundsätzlich strukturellen Problemen gesellen sich so profane wie schwere Verletzungen von wichtigen Spielern, Alex Meier, Sonny Kittel, jetzt Bamba Anderson, Ausfälle, die die ohne ausgelaugte, abgewirtschaftete Mannschaft weiter schwächen. Immerhin hat Stefan Aigner gestern wieder trainiert, dafür hat sich Marc Stendera den Knöchel geprellt.

Kein Donnerwetter, kein Appell

Erstaunlicherweise hört man in dieser durchaus ungemütlichen Lage so gut wie nichts von den sportlich Verantwortlichen. Kein Donnerwetter, kein Appell an die Spieler. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat sich in einen Kurzurlaub verabschiedet, Sportdirektor Bruno Hübner ist mehr oder minder abgetaucht, und wenn er mal öffentlich auftritt, wie gestern, dann klingt er nach Durchhalteparolen. „Wir müssen alles zur Seite schieben, wir brauchen eine positive Stimmung,wir müssen mit breiter Brust auftreten.“ Die Mannschaft sei „gewillt“, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen. Zudem sei die Diskussion um den Trainer „nicht zielführend.“ Viel mehr sei „die Zusammenarbeit Trainer – Verein vorbildlich.“

Dennoch bedarf es gerade in einer solchen Situation eines starken Sportdirektors, der Brände austritt oder löscht, was er löschen kann. Einer, der Stärke oder Angriffslust zeigt, der sich die Spieler zur Brust nimmt – oder den Trainer, wenn er der Meinung ist, dass etwas im Argen liegt. Hübner aber, so ist der momentan Eindruck, versteckt sich hinter der Zugmaschine Schaaf. Allgemein gilt die Sprachregelung: Klassenerhalt ist sicher. Es hat den Eindruck, als steckten alle den Kopf in den Sand und warten, bis sich der Sturm legt.

Und wenn er sich nicht legt und die Eintracht hinwegbläst?

Nun mag Eintracht Frankfurt aus dieser verkorksten Saison irgendwie mit einem blauen Auge davon kommen. Wie geht es dann weiter? Was sind die Pläne für die kommende Saison? Welche Perspektiven kann Eintracht Frankfurt bieten? Neuen Spielern bieten? Es muss sich grundsätzlich etwas ändern, strukturell, konzeptionell. Vielleicht kann da der neue Aufsichtsrat, der am 8. Juni gewählt wird, mit Ideen, Knowhow und einer langfristigen, klugen Zukunftsorientierung ein wichtiger Faktor sein.

Ohnehin müsste an oberster Stelle eine kompromisslose, ehrliche Analyse dieser Saison stehen. Was war gut? Wo waren Defizite? Woher rührte dieser seltsame Einbruch in der Rückrunde, warum diese unerklärlichen Blackouts in Auswärtsspielen? Auch Thomas Schaaf wird sich fragen lassen müssen, ob er noch einen Draht zur Mannschaft besitzt, ob er in der Lage ist, das Team wieder aufs richtige Gleis zu setzen. Nach allem, was man hört, wird er sich bewegen müssen, er sollte kommunikativer werden und vielleicht auch mal ein schlüssiges Konzept gegen zu viele Gegentore entwickeln. Das Grundproblem ist: Das Verhältnis zur Mannschaft ist nicht intakt.

Ist Thomas Schaaf noch der richtige Mann?

Und man wird nüchtern fragen müssen, ob Thomas Schaaf noch der richtige Mann ist für die neue Saison. Traut man dem 54-Jährigen zu, die Eintracht erfolgreich in die neue Saison zu führen, sich zu öffnen und seinen Führungsstil anzupassen? Wenn Schaaf Trainer bleibt, muss die Mannschaft dringend personell aufgepeppt und aufgefrischt werden, dann muss neues Blut hinein. Denn in der derzeitigen Konstellation droht sonst sehr schnell wieder Ungemach.

Zumal die neue Saison nach Lage der Dinge deutlich schwerer wird als die gerade zu Ende gehende. Es müsste sich gerade beim spielenden Personal eine Menge ändern: Zu den ohnehin besser als jetzt zu besetzenden Planstellen (Rechtsverteidiger, Innenverteidiger, auf der Sechserposition, links vorne, Stürmer) kommt ja noch hinzu, dass die Hessen auch Ersatz für die sicherlich in der kompletten Hinrunde ausfallenden Meier, Kittel und Anderson benötigen. Da ist man schnell bei acht, neun Zugängen. Das wäre dann ein wirklicher Umbruch.

 Weil Eintracht Frankfurt immer noch nicht definitiv weiß, ob es für die Erstklassigkeit reicht, wird sich neues Personal so schnell nicht nach Frankfurt locken lassen. Einiges sei „ins Stocken geraten“, sagt Hübner zum Stand der Verhandlung. Warum gelingt es der Eintracht nicht, mal einen ähnlichen Deal wie Werder Bremen mit dem Kölner Anthony Ujah abzuschließen? Zudem: Der Absturz der Eintracht von Eintracht Frankfurt vom Tabellenplatz acht auf 13, 14 oder 15 kostet bares Geld, pro Tabellenplatz der TV-Tabelle werden etwas mehr als eine Million Euro an TV-Geld überwiesen.

Die Eintracht wird über das sogenannte Genussscheinmodell mehr als zehn Millionen Euro an frischem Geld akquirieren, mit dem aber in erster Linie die Vertragsverlängerungen mit den Leistungsträgern gegenfinanziert werden sollen. Der Etat wird auf 36 Millionen Euro steigen. Das ist ordentlich, doch damit lassen sich keine großen Sprünge machen. Da ist umso mehr eine kluge Personalpolitik gefragt – doch das hat zuletzt nach dem Aufstieg 2012 geklappt.

Und über allem schwebt die Frage nach der künftigen Ausrichtung des Vereins und   wie Heribert Bruchhagen in sein letztes Jahr als AG-Boss gehen wird. Die Frage ist, wie geschwächt seine Position schon sein wird, wie viel Einfluss er noch nimmt und wie viel Macht er schon abtreten muss. Die kommende Spielzeit ist eine mit vielen Unbekannten. Nur ein glückliches Händchen wird da nicht reichen.

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