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Wird geschont: Omar Mascarell, hier gegen Oscar Wendt (r.).

Nach dem Halbfinale

Nur noch Berlin im Kopf

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Eintracht Frankfurt will in der Liga zwar nichts abschenken, plant aber nicht mehr den Sturm gen Europa.

Das Vertrauen von Karl-Heinz Rummenigge  in Eintracht Frankfurt hält sich in ganz engen Grenzen. Besonders viel traut der mächtige Boss der gestrauchelten und böse abgestürzten Münchner Bayern dem Bundesligisten vom Main nicht zu, weshalb er nach dem verlorenen Halbfinale gegen den BVB (2:3) noch gleich einen persönlichen Tipp fürs Endspiel am 27. Mai in Berlin abgab. „Jetzt werden die Dortmunder wahrscheinlich DFB-Pokalsieger werden.“ Das ist keine exklusive Sicht der Dinge, sie spiegelt ja nur die gängige Meinung wider, doch der eine oder andere im Eintracht-Zirkel war dann doch etwas irritiert, dass sich Rummenigge in aller Öffentlichkeit so weit aus dem Fenster lehnt.

Für Bruno Hübner indessen sind derlei Aussagen nicht relevant, sie interessieren ihn eher peripher. Für den Frankfurter Sportdirektor spielt es nicht einmal eine große Rolle, dass nun der Finalgegner ermittelt ist und eben Borussia Dortmund heißt. „Bayern und der BVB spielen fast auf einem Niveau“, sagt der 56-Jährige. „Das sind Nuancen.“ Wie stark Dortmund aufspielen könne, habe man erst am Mittwochabend eindrucksvoll bewundern können. „Da gibt es qualitativ kaum Unterschiede zu den Bayern.“ Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Borussia Dortmund scheint, bei aller Vorsicht, die vielleicht etwas machbarere Aufgabe für die Eintracht zu sein. Auswärts kriegen die Frankfurter bei den Westfalen zwar regelmäßig das Fell über die Ohren gezogen, doch zu Hause sieht das ganz anders aus. Die letzten drei Partien in der heimischen Arena im Stadtwald gingen allesamt an die Eintracht, 2:1, 1:0, 2:0. Das Finale wird zwar nicht in Frankfurt, aber immerhin an einem neutralen Ort ausgetragen.

Gegen die Bayern hingegen hat die Eintracht in den vergangenen zehn Jahren von 20 Partien nur zwei gewonnen, die letzte vor sieben Jahren. Seitdem gab es in zwölf Versuchen neun Niederlagen und drei Remis. Man kann also mit Fug und Recht folgern, dass die Dortmunder zwar immer noch der turmhohe Favorit, aber für die Eintracht vielleicht ein etwas leichteres Schwergewicht als die Bayern sind.

Bruno Hübner glaubt nicht so sehr an diese Theorie. „Wir haben in der Hinrunde auch gegen die Bayern unentschieden gespielt“, befindet er.

Ungeachtet der von ihm propagierten BVB-Stärke glaubt er eisern an seine Mannschaft. „Wir sehen unsere Chance“, sagt er. „In so einem Spiel ist alles möglich, da ist auch eine Überraschung drin.“ Natürlich müssten einige Faktoren zusammenkommen. „Wir müssen an der Leistungsgrenze spielen, und wir brauchen die Unterstützung unserer Fans.“ Die machen schon mobil, suchen auf allen Kanälen nach Karten, die Eintracht hätte die 74 000 Plätze auch alle mit ihren Anhängern besetzen können – doch das ist nicht erlaubt.

Sportlich muss die Eintracht langsam, aber sicher zur Tagesordnung übergehen und das alles überlagernde Pokalfinale, für die Frankfurter das Spiel der Spiele, wieder etwas in den Hintergrund schieben, schließlich sind es noch vier Wochen bis zum Endspiel, vier Bundesligapartien stehen bis dahin noch an. „Wir wollen in der Liga ordentliche Ergebnisse holen und den Schwung dann mit ins Endspiel nehmen“, betont der Manager. Das sei man auch den Kontrahenten schuldig, die mit beiden Beinen im Abstiegskampf stehen, die Frankfurter müssen ja auch noch gegen die Kellerkinder Wolfsburg und Mainz antreten.

Hübner stellt klar, dass die Mannschaft „nichts abschenken“ werde, doch den Sturm auf die Europapokalplätze ruft der Sportdirektor nicht aus, er dämpft die Erwartungen. „Darauf liegt nicht unser Fokus“, sagt er. Und auch Platz sieben, der bei einer Pokalniederlage der Eintracht fürs internationale Geschäft reichen würde, halten sie im Eintracht-Lager aufgrund der angespannten Personallage für eher nicht sonderlich realistisch. Wehren würden sie sich dagegen natürlich nicht.

Die Eintracht geht am Stock, für die Partie in Hoffenheim am Sonntag (17.30 Uhr) droht der Ausfall des kompletten defensiven Mittelfelds. Hinter dem Einsatz von Mijat Gacinovic (Oberschenkelzerrung) steht ein Fragezeichen, Omar Mascarell fällt mit einer Achillessehnenentzündung definitiv aus. „Ihn nehmen wir jetzt raus und hoffen, ihn bis zum Pokalfinale wieder einsatzfähig zu bekommen“, berichtet Hübner. Auch da wird klar, dass der Fokus ganz klar auf dem Klassenerhalt lag und jetzt auf dem Endspiel liegt. Zuvor schleppte sich Mascarell mit Spritzen durch die Spiele. „Das war schon auf Kante, was wir mit ihm gemacht haben“, gab Sportvorstand Fredi Bobic zu.

Und bei Marius Wolf ist nicht klar, ob er sich einer Schulteroperation unterziehen wird oder nicht – und wenn ja, ob vor oder nach dem 27. Mai. Hintergrund ist, dass das Band bei der Luxation auch leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde und daher die Gefahr besteht, dass er anfälliger wird und sich die Schulter häufiger ausrenkt. „Was er macht, muss der Spieler letztlich entscheiden“, sagt Hübner. Bei der Entscheidungsfindung könnte das große Spiel in Berlin auch eine Rolle spielen.

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