Ist Niko Kovac als Eintracht-Trainer noch tragbar? Da gehen die Meinungen auseinander.
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Ist Niko Kovac als Eintracht-Trainer noch tragbar? Da gehen die Meinungen auseinander.

Pro & Contra

Ist Niko Kovac noch tragbar?

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Neue Unruhe oder neuer Impuls? Sollte die Eintracht die Saison mit Niko Kovac beenden oder nicht?

Ist Niko Kovac als Eintracht-Trainer noch tragbar? Da gehen die Meinungen auseinander. Unsere Autoren diskutieren die Frage: Sollte die Eintracht die Saison mit Niko Kovac beenden oder nicht? Ingo Durstewitz findet, die SGE sollte die Saison mit Kovac abschließen. Thomas Kilchenstein widerspricht: Der Trainer sollte sofort von seinen Aufgaben befreit werden.

Pro: Neue Unruhe

Wer sich nach diesem seltsam blutleeren Auftritt der Eintracht gegen die aufgepeppte Jugendelf des FC Bayern auf Plattformen wie dem FR-Blog (Blog-G) zur Eintracht tummelte, der hätte denken können, Niko Kovac sei so in etwa der größte Scharlatan, der jemals den Adler auf der Brust tragen durfte. Mit dem tief sitzenden Stachel der Enttäuschung im Herzen war die ultimative Forderung fast aller Fans: Kovac muss weg, und zwar besser gestern als heute. Aber ist es wirklich so einfach?

Mit etwas Abstand und kühlem Kopf kann man auch zu einem anderen Schluss kommen. Es wäre ein Fehler, jetzt in Aktionismus zu verfallen, sich irgendwelchen Panikaktionen oder Kurzschlussreaktionen hinzugeben. Kovac hat an Glaubwürdigkeit verloren, der geräuschvolle Wechsel mit allen Nebenschauplätzen und Scheinheiligkeiten hat seinem Image tiefe Schramme zugefügt, als Ehrenmann, als untadliger Sportsmann geht er nicht mehr durch. Das hat er sich selbst zuzuschreiben.

Und doch, das sollte bei allem Ärger nicht vergessen werden, hat sich der Kroate Verdienste um die Eintracht erworben, er hat den Verein zweimal an den Rand des europäischen Wettbewerbs und zweimal ins Pokalfinale geführt und einmal vor dem Abstieg gerettet. Das ist in 26 Monaten nicht so schlecht. So einen schmeißt man nicht schnöde raus. Das ist eine Frage des Stils.

Es ist durchaus erstrebenswert, einen sauberen Schnitt zu machen und die Amtsgeschäfte im Sommer geordnet zu übergeben. Die Politik der ruhigen Hand, fernab der Aufgeregtheiten, hat einem Verein selten geschadet. Eine kurzfristige Neubesetzung an exponierter Stelle würde nur noch mehr Unruhe und Theater bringen, und noch mehr Tohuwabohu kann die verunsicherte Mannschaft nicht wirklich gebrauchen. Und sich für zweieinhalb Wochen noch mal auf einen anderen Fußballlehrer einstellen, der am Ende noch mit neuen Ideen und Konzepten aufwartet – das ist schwieriger als gedacht. Die Vorstellung, dass ein Trainer in so kurzer Zeit einen neuen Impuls bringt und neue Kräfte freisetzt, mag vordergründig plausibel klingen, ist aber doch eher illusorisch.

Zudem drängt sich eine Frage auf: Wer sollte Niko Kovac für nicht mal mehr drei Wochen ersetzen? Die Co-Trainer sind zu eng mit ihm verbandelt, im Jugendleistungszentrum ist diese Aufgabe nach der Entlassung von Alexander Schur höchstens noch Nachwuchschef Marco Pezzaiuoli zuzutrauen. Doch er ist nun auch nicht gerade der Typ Einpeitscher und Aufrüttler.

Und man muss ja auch der Überzeugung sein, dass es mit einer Interimslösung besser würde.

Auch die Idee, den neuen Coach, so er überhaupt verfügbar wäre, schon jetzt zu installieren, wäre keine gute, sondern ein viel zu großes Risiko. Er könnte, wenn er die Ziele verfehlt, in Rekordzeit verbrannt sein. Muss ja auch nicht sein. Ingo Durstewitz

Contra: Neuer Impuls

Niko Kovac ist, ob er es will oder nicht, eine lame duck geworden. Seit dem eiskalt verkündeten Seitenwechsel nach München hat sich der Status des Trainers bei Eintracht Frankfurt verändert, er ist nun einer, dessen Amtszeit absehbar ist. Das macht die Führung einer heterogenen Gruppe ohnehin schwierig. Dazu kommt, dass ganz offensichtlich das Zusammenspiel zwischen ihm und der Mannschaft nicht funktioniert, er erreicht das Team nicht mehr so wie früher. Im so sensiblen Innenleben dieser Mannschaft ist einiges kaputt gegangen. Die Sportliche Leitung des Klubs sollte reagieren und Niko Kovac für den Rest der Saison von seinen Aufgaben als Cheftrainer entbinden.

Niko Kovac hat in Frankfurt durch seine schwammigen Aussagen an Autorität zwangsläufig eingebüßt. Wer zwei Jahre unentwegt Wasser predigt, selbst aber in den entscheidenden Wochen Wein trinkt, hat ein Problem. Die Mannschaft nimmt ihn nicht mehr ernst, folgt ihm nicht mehr bedingungslos. Wie soll das auch gehen? Mehr als zwei Jahre hat der Kroate der Mannschaft eingebimst, sich zu fokussieren, alles dem Wohl dem Klub unterzuordnen, akribisch auf ein Ziel hin zu arbeiten, während er selbst am Ende vorrangig an seiner eigenen Zukunft gearbeitet hat. Das hat das Arbeitsverhältnis enorm belastet.

Die jüngsten Ergebnisse aus den letzten drei Bundesligaspielen sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Das, was diese Eintracht ausgemacht hat, diese Symbiose zwischen Trainer und Spielern zum gegenseitigen Nutzen, ist zerrüttet. Diese Mannschaft liegt derzeit am Boden, Kovac kann sie nicht mehr aufrichten.

 

Eine Trennung und damit ein neuer Impuls ist auch deswegen erforderlich, weil ja in der Tat das Erreichen des internationalen Geschäftes zwar um ein Vielfaches schwieriger geworden, aber immer noch nicht ganz unmöglich ist. In den beiden ausstehenden Spielen kann der große Wurf ja noch gelingen; dazu freilich bedarf es Hilfe von außen, und da ist selbst eine Interimslösung besser als der momentane Status quo. Es wäre fahrlässig, nicht alles zu versuchen, diese Saison noch irgendwie zu retten. Und den Vorwurf, nicht alles Menschenmögliche unternommen zu haben, kann und will sich Eintracht Frankfurt nicht gefallen lassen.

Das mag für Niko Kovac bitter sein, er hat sich ganz sicher seine Meriten erworben um den Klub. Dass Eintracht Frankfurt überhaupt wieder so gut dasteht, ist auch sein Verdienst, keine Frage. Doch die letzten 14 Tage werfen lange Schatten auf sein Wirken.

Eintracht Frankfurt droht, durch den Egoismus des Cheftrainers um die Früchte eines dreiviertel Jahres harter Arbeit gebracht zu werden. Dass es mit dem 46 Jahre alten Niko Kovac noch ein Happyend geben kann, ist im höchsten Maße unwahrscheinlich. Und in Berlin im Finale, dann gegen die echten Bayern, schon mal gar nicht. Thomas Kilchenstein

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