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Muss nicht mit einer Strafe rechnen: Yanni Regäsel kommt nach seiner Kritik an Niko Kovac ungeschoren davon. 	heiko rhode
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Muss nicht mit einer Strafe rechnen: Yanni Regäsel kommt nach seiner Kritik an Niko Kovac ungeschoren davon. heiko rhode

Auswärtsspiel

Niko Kovac gibt den Dompteur

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Trainer lässt nichts unversucht, die Eintracht auf Kurs zu bringen.

Eigentlich, sagt Niko Kovac, sei der Pressespiegel für ihn nicht besonders relevant, Zeitungsartikel lese er nicht so häufig, sondern „sehr wenig“. Und deshalb könne er, der Eintracht-Trainer, auch nicht wirklich ergründen, ob denn tatsächlich irgendjemand, wie von einem Medienschaffenden unterstellt, im Hinblick auf die Rückrunde des Frankfurter Bundesligisten die Apokalypse ausgerufen habe. „Untergangsstimmung kann ich nicht erkennen und auch nicht nachvollziehen“, sagte der 45-Jährige. „Das müsste mir auch einer erklären.“

Platz 18 und zwölf Punkte in der Rückrundentabelle, zehn geschossene Tore (deutlich weniger als jeder andere Klub), in 13 Begegnungen nur einen Sieg geholt, in neun von diesen Partien ohne eigenes Tor geblieben – das sind vielleicht keine Apokalypse-Parameter, aber diese Fakten sind nun mal nicht wegzudiskutieren und ganz bestimmt kein Ruhmesblatt für eine Mannschaft, die nach 20 Spieltagen noch auf Rang drei parkte – vor Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim. Und dann kam der Absturz.

Trainer Kovac lässt sich von den Zahlen des Schreckens nicht aus der Ruhe bringen. „Ich weiß, wie viel Geld wir ausgegeben haben. Und ich weiß, dass wir eine ruhige Saison spielen wollten.“ Das habe man geschafft. Natürlich wisse er, dass die Hinrunde sehr viel besser als die Rückrunde gelaufen sei, was ja auch nicht wirklich schwer zu erkennen ist, aber so sei nun mal die Bundesliga. Für einen Verein wie Eintracht Frankfurt sei nicht so viel mehr drin, wenn nicht alles optimal laufe und eben nicht „alle Mann an Bord“ (Kovac) sind.

In der Breite des Kaders sind die Hessen nicht so aufgestellt, um die vielen, vielen Ausfälle zu kompensieren. Das ist Fakt. Leistungsträger wie Alex Meier, Makoto Hasebe, Jesus Vallejo, Omar Mascarell und David Abraham fallen oder fielen lange oder immer wieder mal aus, Szabolcs Huszti wurde sträflicherweise verkauft. Ein Aderlass, den die Frankfurter nicht auffangen konnten. Verletzungen und Unpässlichkeiten dieser Art haben fast alle Bundesligisten zu verkraften, die Eintracht kann diese Schlüsselspieler jedoch nicht adäquat ersetzen.

Das ist – neben Formschwachen (Hrgota, Seferovic, Hector, Gacinovic) und merkwürdigen Positionsbesetzungen (Chandler, Gacinovic auf der „Sechs“) – für die Frankfurter einfach zu viel, dafür haben sie zu wenig Substanz.

Auch deshalb behauptet Coach Kovac steif und fest, und davon rückt er auch kein Jota ab: „Es ist eine gute Saison, und es kann eine sehr gute werden.“ Dann nämlich, wenn die Eintracht am 27. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund gewinnen sollte. Um daran zu glauben, muss man schon ein unverbesserlicher Daueroptimist sein. Doch andererseits ist in einem Spiel, so belanglos es sich anhören mag, alles möglich, da kann man gerade aus der Underdog-Rolle über sich hinauswachsen. Und in Dortmund, obzwar mit anderer Qualität gesegnet und also turmhoher Favorit, herrscht nun auch nicht gerade eitel Sonnenschein.

Die Bundesligasaison, die so verheißungsvoll begonnen und so viel Lust auf mehr gemacht hatte, wird für die Eintracht indes nur noch schwerlich zu retten sein, vielleicht mit einem Sieg heute beim Auswärtsspiel in Mainz (15.30 Uhr) oder in einer Woche gegen den Aufstiegs-Königsklassen-Teilnehmer RB Leipzig. Die Hessen haben nun mal das Problem, eine hundsmiserable Rückrunde hingelegt zu haben, und dieser letzte Eindruck verwässert nun mal den guten des ersten Halbjahres. Das liegt in der Natur der Sache.

Kovac bleibt seiner Linie eisern treu, kämpft gegen die seiner Ansicht nach überzogene Erwartungshaltung trotzig an: „Ich fühle mich bestätigt, wir sind noch nicht so weit.“ Die Wahrscheinlichkeit, in der neuen Spielzeit so weit zu sein, ist leider eher gering. Zu groß wird wohl der Umbruch wieder sein.

Der Fußballlehrer, und das ist auch richtig so, kämpft dafür, dass seine Mannschaft alles versuchen wird, um die Saison zu einem guten Ende zu bringen. Das ist gar nicht so leicht. Die Angst vor Verletzungen, gestand der Trainer, sei bei seinen Spielern im Hinblick auf das große Finale gegen Dortmund nicht von der Hand zu weisen. „Ja, das spielt im Hinterkopf eine Rolle, das sage ich klipp und klar.“ Er habe in den täglichen Einheiten dagegen gearbeitet. „Ich habe immer wieder gesagt: Wenn ihr in einen Zweikampf nur mit 50 Prozent geht, verletzt ihr euch erst recht.“ Es bleibt dabei: In Frankfurt wird alles vom Endspiel überlagert. Diese Gemengelage muss Kovac managen.

Der Coach versuchte es in dieser Woche mit der Peitsche, und auch verbal lässt er nichts unversucht, seine Mannen auf Kurs zu bringen. „Ich sehe nicht ein, dass hier einige Spieler denken, sie sind Stammspieler, und es kommt zu wenig Druck von hinten. Alle sollten genau wissen, wie spät es ist.“ Er kündigte an, seinen Worten Taten folgen zu lassen, alldieweil: „Androhen und nichts machen – das zieht nicht.“

Einer hat sich aus dem Personalrondell ohnehin verabschiedet: Shani Tarashaj fällt mit einem Meniskusriss im Knie aus, er wird wohl nicht mehr für die Eintracht auflaufen. Dafür sollen Alex Meier und sogar Jesus Vallejo im Laufe der kommenden Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Das ist – zumindest beim Spanier – eine Überraschung. Auch Yanni Regäsel, der mit Kovac-Kritik auffällig geworden war, bleibt an Bord: „Er hat es nicht so gemeint. Das ist kein Problem. Der eine drückt sich halt besser aus als der andere. Das ist abgehakt und vergessen.“ Na dann.

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