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Hier verloren die Eintracht-Frauen: Das letzte Spiel gegen Wolfsburg am 23. Mai. Foto: Imago Images
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Hier verloren die Eintracht-Frauen: Das letzte Spiel gegen Wolfsburg am 23. Mai.

DFB-Pokalfinale

Niko Arnautis über Eintracht-Frauen: „Wir wollen die Tradition fortsetzen“

  • VonKatja Sturm
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Warum Trainer Niko Arnautis vor dem DFB-Pokalfinale der Eintracht-Frauen den Vergleich mit den Männern bemüht.

Herr Arnautis, wie haben Sie 2018 den bislang letzten DFB- Pokalsieg der Männer von Eintracht Frankfurt gegen Rekordmeister Bayern München erlebt?

Ich war selbst in Berlin im Stadion. Der ganze Tag war schön. Ich meine mich zu erinnern, dass sogar das Wetter damals herausragend war. Das Spiel im Stadion war unbeschreiblich, die ganze Atmosphäre, die Emotionen, der Sieg, das war unvergesslich. Gerade jetzt denke ich noch öfter daran als sonst.

Waren Sie dort als Fan und ehemaliger Junioren-Co-Trainer der SGE oder hatten Sie damals als Chefcoach des Frauenfußballvereins 1. FFC Frankfurt schon im Blick, dass dieser mit der Eintracht fusionieren könnte?

Ich war schon als Kind Feuer und Flamme, wenn es irgendwo um die Eintracht, aber auch um Pokale ging. Bei Turnieren habe ich mir als kleiner Junge erst mal angeguckt, was es für Trophäen zu gewinnen gab. Es war schon mein Kindheitstraum, den DFB-Pokal gewinnen zu können. Jetzt spielen wir um diesen Titel. Wir wollen alles dafür tun, diese Geschichte der Männer zu wiederholen.

Niko Arnautis, 41, ist seit 2017 Trainer der Frankfurter Fußballerinnen.

Als Pokal-Beobachter wissen Sie sicher genau, was eine Mannschaft ausmacht, die gegen den siebenmaligen Cup-Gewinner VfL Wolfsburg für eine Überraschung sorgen kann.

Wenn man nicht als Favorit in so eine Partie geht, muss man einen Tag erwischen, an dem alles zusammenpasst. Die Mannschaft muss auf ihrem absoluten Topniveau und sehr konzentriert spielen. Sie muss versuchen, das Spiel sehr lange offen zu halten, dem Gegner in jeder Aktion zeigen, dass sie diesen Titel unbedingt will. Aber sie muss auch daran glauben, und das tun wir. Die zweite Halbzeit im letzten Spiel ebenfalls gegen Wolfsburg (2:3) hat uns Mut gemacht.

Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft auf den Sonntag vor?

Es ist zwar ein besonderes Spiel, aber man muss nichts Besonderes machen. Es ist immer noch ein Fußballspiel, und die Freude darauf muss überwiegen. Wir können den Titel gewinnen, aber Wolfsburg kann ihn verlieren. Und der letzte Sieger vor Wolfsburg war 2014 Frankfurt.

Vor zwei Jahren haben Sie sich beim 1. FFC Frankfurt vor einem Viertelfinale den Film „Die Rückkehr des Pokals“ über den Triumph der Eintracht-Männer angesehen.

Die Mannschaft brennt. Wir müssen sehen, dass wir ihr ein gutes Gefühl geben. Dazu gehören die Motivationsvideos mit den guten Wünschen der Männer, die nach dem Spiel am vergangenen Sonntag auf dem großen Würfel im Stadion zu sehen waren. Wir verbringen das ganze Wochenende zusammen, schwören uns in Köln auf die Partie ein.

Was hat Sie darin bestärkt, dass die Reise nach Köln möglich werden könnte?

Manchmal hat man so ein Gefühl. Ich habe sehr früh daran geglaubt, und wir haben das dann mutig so kommuniziert. Der Pokal ist gerade im Frauenfußball ein reizvoller Wettbewerb, weil das Endspiel unter normalen Umständen eines der großen Spiele mit richtig vielen Zuschauern ist. Leider dürfen diesmal wegen der Pandemie keine dabei sein.

Welche Rolle spielt die Pokalgeschichte der Männer?

Wir haben insgesamt in Frankfurt eine Riesentradition im Pokal. Auch als 1. FFC mit neun Siegen. Das gibt Selbstbewusstsein, und wir wollen diese Tradition fortsetzen. Die Verantwortlichen im Verein sind schon jetzt sehr glücklich mit dem, was wir in den vergangenen Wochen abgeliefert haben. Aber das wäre das i-Tüpfelchen.

Ihre erfolgreichste Torjägerin Laura Freigang sprach davon, es passe sehr gut zur Eintracht, nach einer mittelmäßigen Saison im Pokalfinale zu stehen. Wie lautet Ihre Bilanz?

Wir hatten Aufs und Abs. Aber wenn man die Leistung nimmt, war die häufig gut. Zwei, drei Spiele mehr hätten wir gewinnen können und müssen, das werfen wir uns selbst vor. Wir haben uns als Mannschaft und individuell gut entwickelt, haben Spielerinnen, die in der Nationalmannschaft erfolgreich sind, haben in Camilla Küver eine 17-Jährige im Bundesligateam integriert und sind aus schwierigen Phasen immer wieder gut herausgekommen. Wir haben in der Rückrunde mehr Punkte geholt, die Formkurve zeigt nach oben. Wir haben mit plus 18 ein überragendes Torverhältnis; letztes Jahr hatten wir minus drei. Deshalb wäre es nicht gerecht zu sagen, dass es eine mittelmäßige oder enttäuschende Bundesligasaison war.

Wolfburgs Trainer Stephan Lerch über die Eintracht

Der VfL Wolfsburg ist Dauergast im DFB-Pokalfinale der Frauen, das nun gegen Eintracht Frankfurt (Sonntag 16 Uhr/ARD) in Köln steigt. Seit 2015 haben die Niedersächsinnen sechsmal in Folge gewonnen. Immer war Stephan Lerch als Co-Trainer oder Cheftrainer daran beteiligt. Er sagt: „Die Rollen sind klar verteilt. Wir gehen als Favorit in dieses Spiel.“

Der 36-Jährige scheidet nun am Saisonende auf eigenen Wunsch aus, um im männlichen Nachwuchs der TSG Hoffenheim zu arbeiten. Lerch möchte sich mit einem Titel verabschieden, und da ist der Pokal im Grunde auch die einzige Option. Dem FC Bayern genügt am kommenden Sonntag (6.Juni) gegen die Eintracht ein Remis zur Meisterschaft. „Wir haben die Messlatte in den letzten Jahren enorm hoch gelegt“, sagt Lerch, der trotzdem von einer guten Saison spricht: „Jetzt geht es darum, uns dafür zu belohnen,.“ Nicht nur auf der Trainerbank kündigt sich ein Umbruch an - Tommy Stroot übernimmt, als neue Co-Trainerin kommt Kim Kulig von Eintracht Frankfurt II - sondern auch bei den Spielerinnen: Zsanett Jakabfi, Lena Goeßling und Fridolina Rolfö werden den Werksklub verlassen.

Auf absehbare Zeit sieht Lerch auch Eintracht Frankfurt als echten Konkurrenten für den VfL Wolfsburg. „Sie konnten die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Ich hätte sie im Kampf um Platz drei und weiter oben erwartet.“ Das Problem bei Frankfurt sei die mangelnde Konstanz gewesen. Lerch hat dafür einen interessanten Vergleich aus der Automobilbranche: „Sie sind mal Trabant, mal Porsche.“ Grundsätzlich habe das Team bereits jetzt enormes Potenzial, „da wurde eine interessante Mischung zusammengestellt.“ hel

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Mannschaft? Theresa Panfil und Laura Störzel verlassen die Eintracht, die deutsche Nationalstürmerin Nicole Anyomi und die junge Torhüterin Hannah Johann werden kommen.

Wir bleiben weiter im Kern zusammen. Das ist ein Riesenvorteil. Wir haben vor einigen Jahren die Mannschaft zusammengestellt und aufgebaut. Wir haben klar formuliert, dass wir ihr die Zeit zum Reifen geben. Die Aufwärtstendenz gilt es, in die nächste Spielzeit mitzunehmen. Dann bin ich überzeugt davon, dass wir den nächsten Schritt gehen und in der nächsten Saison für Furore sorgen werden. Wichtig ist, dass wir unsere attraktive Spielweise beibehalten, die nach Frankfurt passt.

Wie weit sehen Sie die Eintracht von den drei ersten Plätzen entfernt, für die es in die Champions League weitergeht?

Perspektivisch ist es das Ziel, um diese attraktiven Plätze mitzuspielen. Aber dieses Ziel haben auch andere Vereine wie Bayer Leverkusen, Turbine Potsdam, Hoffenheim. Die TSG hat den Vorteil, dass sie das, was wir jetzt machen, schon vor zwei, drei Jahren gemacht hat. Damals war sie Siebter. Es gibt gar nicht so viele Unterschiede zwischen den Teams vor uns und uns selbst.

Zur Person

Niko Arnautis, 41, ist seit September 2017 Cheftrainer der Frankfurter Bundesliga-Fußballerinnen. Mit diesen, die seit dem vergangenen Sommer unter dem Dach der Eintracht spielen, steht er am Sonntag (16 Uhr) in Köln im DFB-Pokalfinale gegen Titelverteidiger VfL Wolfsburg. Vom eigenen Vater, der in seiner Heimat Griechenland Zweitligaspieler war, mit dem Fußball-Virus angesteckt, lief der zweisprachig aufgewachsene Arnautis früher selbst unter anderem für Rot-Weiß Frankfurt und den FSV auf. Sein Herz schlug aber auch immer für die Eintracht, bei der er zwischen 2014 und 2016 Co-Trainer der U17-Junioren war. Neben seinem Job bei den Adlerträgerinnen arbeitet der A-Lizenz-Inhaber als Lehrer-Trainer an der Carl-von-Weinberg-Schule und kann damit frühzeitig Talente fördern, die es mit Blick auf eine Karriere am Ball auf die Frankfurter Eliteschule des Sports zieht. (kat)

Wird es im Verein unruhig, wenn es mal nicht so läuft?

Als die Männer nach ihrer tollen Europapokal-Saison nur Neunter wurden, ist auch keiner an die Decke gesprungen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass man im Verein in aller Ruhe tolle Arbeit geleistet hat. Das wird bei den Frauen in den nächsten Jahren auch so sein. Wir genießen wie die Männer ein tolles Ansehen. Es macht riesige Freude, als Eintracht gemeinsam aufzulaufen. Von den zusätzlichen Fans im Rücken versprechen wir uns einen weiteren Schub. Da werden wir sicher noch einiges Schöne erleben, denn die Eintracht-Fans mit ihrer Leidenschaft sind die besten, die es in Deutschland gibt. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie viele tausend Fans mit nach Köln gekommen wären, wenn das möglich gewesen wäre. Irgendwann vor Fans in der Arena zu spielen, wäre für mich als Eintracht-Junge ein Traum.

Inwiefern spüren Sie mehr Aufmerksamkeit seit der Fusion?

Wir werden anders und mehr wahrgenommen. Eintracht Frankfurt macht dafür eine Menge, viel mehr als andere Vereine. Darüber sind wir sehr glücklich, dass Frauenfußball dort so gelebt wird. Aber damit das weiter wächst, ist in erster Linie der Verband gefragt. Beispielsweise was die Vermarktung der Fernsehrechte angeht. England macht das vor. Da müssen wir in Deutschland in den nächsten Jahren nachziehen. Dass man jedes Spiel live sehen kann. Dass es eine Art Sportschau für Frauen gibt. Eine größere Präsenz im Fernsehen würde zu einer höheren Wahrnehmung führen. Bei der Eintracht sind wir auf einem guten Weg. Aber wir sind erst im ersten Jahr, und wie in vielen anderen Bereichen haben wir auch da noch Weiterentwicklungsbedarf.

Interview: Katja Sturm

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