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Eintracht fegt über Leipzig hinweg: Die SGE und der neue Maßstab

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Auftakt zum Fußballfest im Waldstadion: Dachi Kamada erzielt das 1:0 für die Eintracht.
Auftakt zum Fußballfest im Waldstadion: Dachi Kamada erzielt das 1:0 für die Eintracht. © Jan Huebner/Imago

Eintracht Frankfurt spielt sich beim famosen 4:0-Sieg über RB Leipzig in einen Rausch und sieht sich für die Champions League gerüstet.

Frankfurt – Markus Krösche ist eher der geerdete Typ, unaufgeregt, besonnen, von Emotionen lässt er sich nicht leiten, sein ganzes Sportler- und Funktionärsleben schon. Er sieht sich in dieser traditionell leicht überschnappenden Branche gerne als „Anker“, als Ruhepol. Aber auch der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt hat am Samstagabend seinen Gefühlen ein klein wenig zumindest Auslauf geben müssen, die formidable Gala der Hessen beim satten, spektakulären 4:0 (2:0)-Erfolg über Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig, nun wahrlich keine Laufkundschaft, hat dafür gesorgt. „An dieser Leistung werde ich künftig die Mannschaft messen. Das ist jetzt der Maßstab“, sagte der Mann voller Hochachtung nach einer über die Maßen guten Vorstellung eines herausragenden, wie ein Schweizer Uhrwerk funktionierenden Frankfurter Ensembles. Trainer Oliver Glasner indes brauchte für seine Bewertung der außergewöhnlichen 90 Minuten nur ein Wort: „Wow.“

Es war in der Tat ein grandioser, ja beinahe schon überwältigender Abend im Frankfurter Stadtwald. Die Eintracht lieferte ein Spiel ab, das lange nicht in Vergessenheit geraten wird, mit Sicherheit eines der besten der letzten Jahre, vor allem über die kompletten 90 Minuten. Die Hessen fegten förmlich über RB Leipzig hinweg, ließen nie Zweifel daran, dass sie diese Begegnung zu ihren Gunste entscheiden würden. Und spielten Fußball mit einer Eleganz und einem Esprit, den man lange nicht gesehen hat. Waren die Spiele zu Zeiten der Büffelherde noch geprägt von Wucht und physischer Stärke, sieht jetzt vieles spielerisch leicht aus, fast schwerelos, manchmal hatte man das Gefühl, Frankfurter Fußballer schwebten schier über den Platz. Spiel- und Kombinationslust waren förmlich mit Händen zu greifen, eine unbändige Freude am Spiel bis unters Tribünendach zu spüren.

Eintracht Frankfurt: Kolo Muani und Kamada an allen Ligatoren beteiligt

Das lag natürlich in allererster Linie an dem kongenialen Kreativ-Duo Mario Götze und Daichi Kamada, die das Team spieltechnisch auf ein anderes Level hievten (siehe Bericht auf Seite S2), aber auch daran, dass inzwischen jedes Rädchen ineinander greift, die gesamte Mannschaft harmoniert gemeinsam auf höchstem Niveau. „Wir wissen, dass wir viel können, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben“, sagte später der nahezu beschäftigungslose Torwart Kevin Trapp, vier Torschüsse ließ die auch erstaunlich sichere Hintermannschaft nur zu, keiner ging aufs Tor – und das gegen eine Leipziger Elf, die gespickt war mit im Grunde atemraubenden Offensivkräften. „Wir haben die richtige Mischung gefunden aus Spielern, die sich gut in den Räumen bewegen und solchen, die in die Tiefe gehen“, analysierte Trainer Oliver Glasner, natürlich meinte er damit in erster Linie sein brillantes Quartett mit Götze, Kamada, Randal Kolo Muani und Jesper Lindström, die die FR unlängst als „die vier Musketiere“ charakterisiert hatte.

Gerade Kolo Muani gibt den Frankfurtern dank seiner Robustheit, seiner Zielstrebigkeit und seiner Geschwindigkeit eine andere Qualität, insbesondere wenn er von Kamada in Szene gesetzt wird. Und es ist kein Zufall, dass diese beiden Profis an allen elf Frankfurter Toren in der Liga direkt beteiligt waren, entweder als Torschütze oder als Vorlagengeber, Kamada liegt bei fünf Scorerpunkte, Kolo Muani bei sechs. Aber auch die anderen, etwa Stratege Sebastian Rode bis zu seinem Ausscheiden (Zerrung im Oberschenkel), oder der solide Djibril Sow, der unverhofft zu seinem Debüt gekommene Eric Dina Ebimbe hielten das fußballerische Niveau beständig hoch. „Das war ein fantastisches Spiel“, fand Rode, der mit seinem Treffer zum 2:0 die Weichen endgültig auf Sieg gestellt hatte. Die Frankfurter agierten fast schon wie im Rausch.

Eintracht Frankfurt: Glasner freut sich auf „die beste Zeit des Jahres“

Was sich schon beim 4:3-Erfolg vor Wochenfrist bei Werder Bremen angedeutet hat: Glasner hat offensichtlich seine Formation gefunden, der Knoten ist geplatzt, die Balance zischen Offensive und Defensive, zwischen „Laden dicht und wilde Sau“ (Glasner) scheint gefunden. Exemplarisch lobte der Fußballlehrer trotz des Offensivspektakels, das den Leipzigern die höchste Niederlage ihrer kurzen Liga-Geschichte zugefügt hatte, die Defensive, speziell die jüngst gescholtenen Evan Ndicka und Tuta, „außergewöhnlich“, nannte der Österreicher die Vorstellung der Abwehr. „Im Kopf waren sie unglaublich schnell.“ Ein Zu-Null gegen RB Leipzig muss man erst einmal hinbekommen.

Dass hinterher RB-Trainer Domenico Tedesco seine Mannschaft öffentlich massivst in den Senkel stelle, von „grottenschlecht“ und „Katastrophe“ sprach und die Frage nach der richtigen Einstellung aufwarf, kann die Leistung der Hessen kaum schmälern. Eine Binsenweisheit ist: Man kann nur so gut spielen, wie es der Gegner zulässt, und die Eintracht hatte seltsam blutleeren Rasenballern kaum Luft zum Atmen gelassen. Seinem Team habe „Aggressivität, Zweikampfhärte und Mentalität“ gefehlt, monierte der RB-Coach. „Wenn du dreimal das System wechselst und nichts in den Griff bekommst, stimmt es bei den Grundtugenden, bei den Basics nicht.“

Gerade rechtzeitig vor der Champions-League-Premiere hat sich Eintracht Frankfurt hingegen in Topform gespielt. Sporting Lissabon kann am Mittwoch (7. September,18.45 Uhr) kommen. „Jetzt“, sagt Glasner, „kommt die beste Zeit des Jahres“. Und das, obwohl Markus Krösche die Latte hoch gelegt hat. (dani/kil)

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