+
Spielte nur kurz, aber stark bei der EM – die Eintracht will ihn dennoch verkaufen: Vaclav Kadlec.

Eintracht Frankfurt

Neues Projekt auf alten Pfeilern

  • schließen

Trainer Armin Veh will mit Eintracht Frankfurt kontrollierten Offensiv-Fußball spielen lassen. Mit Disziplinlosigkeiten soll Schluss sein.

Der Kurzurlaub in den Bergen Österreichs ist schon wieder beendet, in den zurückliegenden Tagen hat der Frankfurter Trainer Armin Veh auf der Geschäftsstelle im Stadtwald nach dem Rechten geschaut und die Planungen für die neue Spielzeit vorangetrieben – so gut es in dieser präsaisonalen Phase eben geht. Nebenbei hat er sich im Frankfurter Umland auch auf die Suche nach einer geeigneten Bleibe gemacht, das ist mit einem an Auslauf gewöhnten Vierbeiner wie Vehs Prachthund Jerry gar nicht so einfach. Der Trainer ist ja außerdem ein Mensch, der schon einen gewissen Anspruch hat, der seine eigenen vier Wände als Rückzugsort braucht, um sich fallen zu lassen und seine Gedanken zu ordnen. „Ich will ja lange hier bleiben, deshalb muss ich mich wohlfühlen.“

Veh hat sich, seit er sich für die Eintracht entschied, das ist jetzt fast zwei Wochen her, einige Gedanken über die Ausrichtung und die Zusammensetzung seiner Mannschaft gemacht. Für den 54- Jährigen steht ganz klar fest, dass die Eintracht neue Leute braucht, um die Qualität des Kaders anzuheben. Mit diesem Ziel geht jeder sportlich Verantwortliche in die Planung einer Saison, alles andere wäre ja nahezu absurd.

Doch Veh glaubt überdies, dass das Team eine Blutauffrischung benötigt. „Ein paar neue Gesichter sollten es schon sein“, sagt er. Natürlich sei es von Vorteil, dass man auf ein stabiles Gerüst bauen könne, doch solch ein Aufgebot lebt eben auch von der Vielschichtigkeit, von ein bisschen Reibung, von einer neuen Konkurrenzsituation, ja von mehr Bewegung und Wachsamkeit. Das Ganze soll ein neues Projekt mit alten Eckpfeilern werden. Veh ist diese Frische und Neugier ganz wichtig, zumal er als Trainer hier nicht neu ist, sondern die Mannschaft in weiten Teilen geformt und geprägt hat. Da soll nur kein alter Trott Einzug halten. Zumal zuletzt unter Vorgänger Thomas Schaaf fast immer sieben, acht Spieler auf dem Feld standen, die schon unter Veh aktiv waren.

Eine neue Ordnung muss her

Wer nun glaubt, dass mit dem alten Trainer automatisch alle unter Schaaf aufgerissenen Baustellen geschlossen sind, der irrt. Veh weiß das. Er muss diesem oftmals so unstrukturiert und auch unkonventionell Fußball spielenden Ensemble wieder eine Ordnung und ein System verpassen. Dass die Eintracht im Sommer 2015 einen ähnlich überfallartigen Fußball wie im ersten Bundesligajahr nach dem Wiederaufstieg spielen wird, ist nicht zu erwarten. Damals hatte die Eintracht das Überraschungsmoment als Neuling auf ihrer Seite, zudem das nötige Glück, kaum Verletzte und auch die Spieler, die voll und ganz hinter dieser Philosophie standen. In Sebastian Rode im Übrigen einen Akteur, der mit seiner Galligkeit (und Schnelligkeit) schon im defensiven Mittelfeld vieles im Keim erstickte und andererseits produktiv nach vorne einleitete. Rode war ein Schlüsselspieler, gemeinsam mit dem früheren Kapitän Pirmin Schwegler das Herzstück der Mannschaft.

Veh wird eine Mischung finden müssen aus dieser waghalsigen Variante und einer gewissen Spielkontrolle. Den Ballbesitzfußball, der zuletzt unter seiner Ägide in Frankfurt gespielt wurde, als sich vieles über Zwei-Meter-Pässchen nach links und rechts definierte, sollte es nicht mehr geben. Damals, dies zur Einordnung, war jedoch alles dem einzigen Ziel Klassenerhalt untergeordnet. Deshalb hatte sich Veh bewusst von seinen Idealen abgewendet.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Wie die zukünftige Ausrichtung aussehen wird, vermag der Coach noch nicht zu beantworten. Grundsätzlich steht er für offensiven Fußball. Das will er beibehalten. Die Frage ist nur, in welcher Form und in welchem Ausmaß. In jedem Fall steht zu erwarten, dass die Spieler sich wieder umorientieren müssen. Unter Veh sind lange Schläge von hinten heraus tabu, da soll der Ball flach und sicher gepasst werden. Dieser Hauruckfußball soll der Vergangenheit angehören. Der Fußball soll und muss wieder ein besserer werden, Kombinationen und Passfolgen wieder automatisiert werden. Die Spieler müssen genau wissen, was sie zu tun und zu lassen haben. Das wird schon bei den Außenverteidigern anfangen, die sicherlich wieder deutlich offensiver spielen und höher stehen sollen.

Zu viele Disziplinlosigkeiten

Und Veh wird das Disziplinproblem in den Griff bekommen müssen. Keine Mannschaft hat in der abgelaufenen Runde so viele Gelbe Karten gesammelt und so viele Sperren abbrummen müssen wie die Eintracht. Das ist auch ein Zeichen fehlender Schnelligkeit, fehlender Frische, von Hilflosigkeit und Frust. Auch außerhalb des Spielfelds wird der Trainer wieder für mehr Zucht und Ordnung sorgen müssen. Veh kennt all die Geschichten von den vielen nächtlichen (Zech-)Touren durch Frankfurter Clubs. Auch da wird er ansetzen, auch da wird er seiner Mannschaft ein anderes Verhalten ins Stammbuch schreiben und sie anhalten, sich professionell zu verhalten. In seiner ersten Amtszeit gab es auf diesem Sektor nie Probleme.

Vieles, was die Zusammenstellung des Kaders angeht, wird natürlich auf die aktuellen Entwicklungen auf dem Transfermarkt ankommen. Da hängt fast alles an dem geplanten Verkauf von Torwart und Kapitän Kevin Trapp. Paris Saint-Germain hatte ja intensiv um den fast 25-Jährigen gebuhlt, aber Trapp ist sicher nicht der einzige Torwart, den der potente Scheichverein auf dem Zettel hat. Petr Czech, auch ein Wunschkandidat, wird kein Pariser, er wechselt vom FC Chelsea zum FC Arsenal. Ist so der Weg frei für Trapp? Die Eintracht peilt einen zweistelligen Millionenbetrag an. Ob sie ihn erlösen wird oder ob der Schlussmann womöglich doch in Frankfurt bleibt? In jedem Fall wären die Trapp-Millionen ein Dominostein. Wenn der gefallen ist, könnte vieles ins Rutschen geraten. Sollte er nicht purzeln, würden die Transferbemühungen sicher weitaus bescheidener ausfallen.

Das wäre für die Hessen nicht optimal. Daran würde auch ein Verkauf von Vaclav Kadlec nichts ändern, der nicht nur nach Dänemark wechseln könnte, sondern dem angeblich auch Angebote vom PSV Eindhoven und sogar Ajax Amsterdam vorliegen sollen. Womöglich kann die Eintracht um die drei Millionen Euro erlösen für den Tschechen, der bei der U21-EM nur 30 Minuten spielen konnte, ehe ihn eine Knöchelverletzung stoppte und ihn vier Wochen auf Eis legen wird. Diese halbe Stunde hatte es freilich in sich, da zündete Kadlec ein wahres Feuerwerk. Die Eintracht würde den Stürmer dennoch gerne abgeben – wenn der Preis stimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare