Beim Stangentanz: Neuzugang Amin Younes trainiert erstmals mit der Eintracht.
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Beim Stangentanz: Neuzugang Amin Younes trainiert erstmals mit der Eintracht.

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Amin Younes mit großen Zielen bei Eintracht Frankfurt

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Amin Younes will seiner etwas ins Stocken geratenen Karriere in Frankfurt einen mächtigen Schub geben.

Frankfurt - Der erste Kontakt mit den neuen Kollegen war gleich ein recht schmerzhafter: Amin Younes, auf den letzten Drücker geholter Neuzugang, bekam am Dienstag im Training mit den verbliebenen zwölf Feldspielern von Eintracht Frankfurt eins auf die Nase, er musste kurz behandelt werden. „Nicht so schlimm“, sagte er später, als er, frisch geduscht und zwischen zwei Trainingseinheiten, erstmals vor die Presse trat. Und der kleine Zwischenfall hat schon mal gar nicht seine Freude darüber trüben können, wieder den Ball am Fuß führen, endlich wieder trainieren und bald spielen zu können: „Ich bin sehr gerne auf dem Platz.“

Eintracht Frankfurt: Younes hatte es schwer in Neapel

Das kann man verstehen. Zuletzt trug er das Dress des SSC Neapel, wo er noch bis 2023 unter Vertrag steht, eher selten. Sein letzter Einsatz in der Serie A datiert vom 22. Juli, fünf Minuten, davor acht, sechs und 13 Minuten - Younes, der 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft noch den Confed-Cup in Russland gewonnen hatte, ist in diesem Jahr auf ganze vier Mini-Einsätze gekommen. In der aktuellen Saison hat es der 27-Jährige kein einziges Mal in den Kader geschafft, ohnehin hatte er in den beiden Jahren in Neapel 21 Spiele in der Serie A bestritten, die wenigsten über volle 90 Minuten. „Neapel ist kein einfaches Pflaster“, hat er auf Eintracht-TV eingeräumt. „Top-Spieler“ stünden in den Reihen des Traditionsklubs, der vom früheren Raubein Gennaro Gattuso trainiert wird, „da ist es nicht einfach, rein zu kommen“, sagt Younes ehrlich.

Verloren würde er diese zwei Jahre in der italienischen Liga dennoch nicht nennen, das erste Jahr, als Carlo Ancelotti noch das Sagen hatte, hatte er sich besser gefühlt. Er sei in Italien als Spieler und Mensch „erwachsener“ geworden, die negativen Begleitumstände habe er als wertvolle Erfahrung mitgenommen. „Das habe ich reflektiert.“

Es ist in den vergangenen Jahren ein bisschen ruhiger geworden um den gebürtigen Düsseldorfer, dessen Vater aus dem Libanon stammt. In den Zeitungen stand auch schon die Story über „den vergessenen Nationalspieler“. Insofern nimmt der Offensivspieler, dessen Marktwert das Portal transfermarkt.de mit fünf Millionen Euro angibt, in Frankfurt einen neuen Anlauf, er will seiner ins Stocken geratenen Karriere einen neuen Schub geben.

Eintracht Frankfurt: Younes hängen mehrere Geschichten nach

Seine Laufbahn hat ja auch ein paar Dellen: In Neapel ist er nicht richtig zum Zug gekommen, bei Ajax Amsterdam hat er sich einmal geweigert, in der Nachspielzeit eingewechselt zu werden, was er längst zutiefst bedauert, vor seinem Wechsel nach Amsterdam soll er bereits einen Kontrakt beim VfL Wolfsburg unterzeichnet haben. Geschichten also, die ihm nachhängen und Spuren hinterlassen haben. Andererseits engagiert sich der eher ruhige, zurückhaltende 27-Jährige für soziale Zwecke, unterstützt etwa Alphabetisierungs-Projekte.

„Er ist hungrig, will noch was zeigen. Er bringt Tempo mit, macht unser Spiel variabler und ist klar in der Birne“, sagte Sport-Vorstand Fredi Bobic, dem besonders imponierte, dass der Spieler für sein auf zwei Jahre angelegtes Engagement in Frankfurt auf Geld verzichtet hat. Wie lange er benötige, um die erforderliche Spielfitness für die Bundesliga zu bekommen, vermag Younes nach der ersten Trainingseinheit nicht zu sagen. „Ich beeile mich aber, die schnell zu bekommen.“

Eintracht Frankfurt: Younes hat große Ziele

Das mit der Eintracht habe gleich gepasst, sagt Younes, der fußballerisch bei Borussia Mönchengladbach groß geworden ist, dort spielte er seit seinem siebten Lebensjahr, ehe er über den 1. FC Kaiserslautern zu Ajax Amsterdam wechselte (69 Spiele/12 Tore). Die Gespräche mit Trainer Adi Hütter, den er als „sehr besonnen“ empfunden hatte, seien sehr angenehm verlaufen. Dazu hatte er als Außenstehender immer ein gutes Gefühl beim Blick auf die Eintracht: „Das sah aus, als sei das ein verschworener Haufen, als spielten da Jungs, die Bock auf Fußball haben, sehr sympathisch.“ Das habe ihm im übrigens auch Nationalmannschaftskollege Torwart Kevin Trapp bestätigt, den er vor seinem Wechsel in den Stadtwald kontaktiert hatte. „Die Art und Weise, wie die Eintracht spielt, hat auch im Ausland für Aufsehen gesorgt“, sagt er. Er erwartet von sich, „dass ich die Mannschaft besser mache“. Sein Ehrgeiz ist ungebrochen. „Ich strebe immer nach mehr.“

Amin Younes ist aber auch ein Spieler, der das Vertrauen des Trainers braucht, wenn auch nicht ständig „Streicheleinheiten“. Und er findet es gut, wenn klare Anweisungen gegeben werden, wenn er wisse, woran er sei. Horst Hrubesch, inzwischen wieder beim HSV, hat Younes als U21-Coach enorm imponiert. „Er hat auf mich gebaut“, selbst als er zeitweise in der Zweiten Liga beim 1. FC Kaiserslautern gespielt habe. Und Lucien Favre, sein erster Proficoach in Gladbach, habe ihn mit seiner Detailversessenheit beeindruckt.

Ein Amin Younes in Form würde Eintracht Frankfurt in der Tat gut tun, denn er bringt ein Element mit, das bisher im fehlt. Er ist ein Dribbler, einer, der Eins-gegen-Eins-Situationen liebt, er ist ein kreativer Kopf, hat Ideen. Bei Ajax hat der fünfmalige Nationalspieler das Pressing von der Pike auf gelernt, das frühe Anlaufen und Attackieren. In der Offensive ist er vielseitig einsetzbar. In Amsterdam kam er über die Außen, in Neapel dann häufiger als Zehner. „Ich sehe mich als Allrounder.“ Jetzt muss er nur noch fit werden.

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