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Bruno Hübner.
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Bruno Hübner.

Eintracht Frankfurt

Die neue Philosophie

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Klügere Vertragsgestaltungen, längere Laufzeiten, keine Leihspieler und eine England-Klausel: Die Eintracht geht andere Wege und folgt einer veränderten Personalpolitik. Ein Beispiel für den Paradigmenwechsel ist Kevin Trapp.

Sportdirektor Bruno Hübner, das ist längst kein Geheimnis mehr, wird seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt verlängern. Im Gespräch ist eine weitere Zusammenarbeit bis ins Jahr 2018, vielleicht sogar darüber hinaus. Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit der Arbeit des 54-Jährigen, der seit 2011 die Frankfurter Personalpolitik mitbestimmt und gerade in den letzten beiden Transferperioden einen guten Job gemacht hat.

Vor der vergangenen Spielzeit schaffte er es, den Umbruch so moderat zu gestalten, dass die Eintracht auf einem respektablen neunten Platz landete. Das war den Hessen kaum zugetraut worden. Wenn alles reibungslos gelaufen und die Zusammenarbeit auf sportlicher Ebene harmonischer abgegangen wäre, wäre mit Sicherheit ein internationaler Startplatz drin gewesen. Hübner hat in Makoto Hasebe und Haris Seferovic zwei gute Coups gelandet. Gerade Seferovic ist ein Volltreffer, die Eintracht hätte ihn vor dieser Spielzeit für einen zweistelligen Millionenbetrag abgeben können. Sie verzichtete darauf. Der Schweizer ist viel zu wertvoll für die Mannschaft.

Wohl keine Ausstiegsklausel bei Seferovic

Das hat er im ersten Saisonspiel in Wolfsburgunter Beweis gestellt, da war er einer der besten Spieler auf dem Platz. „Haris“, sagt Bastian Oczipka, „kannst du immer anspielen. Er hält auch die schweren Bälle.“ Für die Eintracht war es nie eine Option, den Mittelstürmer ziehen zu lassen. Auch nicht für viel Geld. Und das liegt nicht nur daran, dass Alexander Meier ja noch einige Zeit fehlen wird.

Die Eintracht wird sogar versuchen, den Vertrag mit Seferovic zu verlängern. Der 23-Jährige ist bis 2017 gebunden – und hat, wie zu vernehmen ist, tatsächlich keine Ausstiegsklausel. Eine andere Option wäre, den Angreifer im kommenden Jahr, zwölf Monate vor Vertragsende, zu verkaufen. Seferovic liebäugelt mit einem Engagement in England, „das ist mein Traumziel.“

In seinem Vertrag hat der Schweizer Nationalspieler allerdings noch keine England-Klausel, die wird bei vielen Bundesligisten jetzt aber verankert. Auch bei Eintracht Frankfurt. In diesem Passus ist die Höhe der Ablösesumme für einen Wechsel auf die Insel geregelt – sie ist höher als die bei einem Transfer ins Inland oder übrige Ausland. Bei Kevin Trapp, der seinen Kontrakt bei der Eintracht im Februar verlängert hatte, war eine solche Option im Arbeitspapier enthalten. Doch sie griff logischerweise nicht, weil der Torhüter nicht nach London oder zu einem anderen potenten Klub auf der Insel, sondern nach Paris zu Saint-Germain wechselte.

Kevin Trapp ist aber ein ganz gutes Beispiel für den Paradigmenwechsel, den Eintracht Frankfurt eingeleitet hat. Der Keeper ist bei seiner Vertragsverlängerung mit einem üppigen Salär ausgestattet worden, das den Kapitän zum Bestverdiener machte. Sonst hätte die Eintracht den Schlussmann gar nicht halten können. Und hätte nun, im Umkehrschluss, auch kein exzellentes Geschäft machen können. Trapp wurde, Bonuszahlungen eingerechnet, für mehr als zehn Millionen Euro nach Paris verkauft.

Diesen Weg will die Eintracht weiter verfolgen: Spieler mit langfristigen Verträgen ausstatten, die einem die Chance geben, sie auch in Wert zu setzen, also teuer abzugeben. Das könnte bei Seferovic klappen, vielleicht auch bei Carlos Zambrano, der einen Kontrakt bis 2020 unterschrieben hat. Doch es gibt einige, die daran zweifeln, dass es für den Peruaner tatsächlich einen Markt in diesen Dimensionen gibt.

Schon jetzt gab es für den Abwehrspielern kaum Anfragen. Zambrano hat allerdings auch eine denkbar schlechte Saison hinter sich und bei der Copa America seine guten Leistungen mit einem dämlichen Tritt in den Rücken des Gegenspielers und anschließender Roter Karte zunichte gemacht. Ob Zambrano für andere Klubs interessant wird, hängt auch davon ab, wie sich der Innenverteidiger in dieser Saison präsentiert. In Wolfsburg zeigte er zumindest, dass er gewillt ist, zu lernen. Er verrichtete seinen Job hart und unnachgiebig, aber nicht unsauber.

Kein Leihspieler im Eintracht-Kader

Die Frankfurter versuchen, ihre Mannschaft perspektivisch aufzubauen. Erst vor wenigen Tagen sagte Armin Veh, dass die Zeiten der schnellen Deals und die Tage der Flickschusterei vorbei seien. Man werde keine gestandenen Spieler mehr holen, die vielleicht einen Tick besser sind als die eigenen Talente – doch diesen die Zukunft verbauen. „Wir denken mittelfristig, nicht mehr kurzfristig.“ Die Verträge mit den jungen Spielern sollen nach Möglichkeit noch weiter ausgedehnt werden.

Früher, und das ist noch nicht allzu lange her, gehorchten viele Personalentscheidungen der blanken Not oder, besser gesagt, der reinen Notwendigkeit. Im ersten Jahr nach dem Abstieg habe man die Mannschaft so aufbauen müssen, dass sie sofort aufsteigt. Nach der Bundesligarückkehr musste rasch ein Team geformt werden, das in der Liga bestehen kann. Das gelang eindrucksvoll. Die Eintracht wurde Sechster, verpasste es dann aber, die richtigen Verstärkungen zu holen. Und im vergangenen Jahr musste Bruno Hübner schauen, den Abgang einiger Leistungsträger zu kompensieren.

Jetzt folgt die Eintracht ihrer ausgearbeiteten Konzeption, richtet sich nach ihrer neuen Philosophie: Da geht es um klügere Vertragsgestaltungen, die Laufzeiten und der generellen Idee dahinter. Erstmals steht kein einziger Leihspieler im Kader. Das ist kein Zufall. Der Altersschnitt wurde überdies gesenkt, auf 24,7 Jahre im Schnitt, nur fünf Klubs unterhalten eine jüngere Mannschaft.

Natürlich wurde das Team so verstärkt, dass es besser wird und womöglich an den Europa-League-Plätzen schnuppern kann. Es sind keine spektakulären Neuverpflichtungen, aber solche, die mit Verstand und nach einem Schema getätigt wurden. Stefan Reinartz, David Abraham, Luc Castaignos und Torwart Lukas Hradecky scheinen, so weit man das zu diesem frühen Zeitpunkt beurteilen kann, sinnvolle Verstärkungen zu sein.

Und dann ist da ja noch Linksaußen Mijat Gacinovic. Der 1,5 Millionen Euro teure Serbe ist frischgebackener U20-Weltmeister und ein „Riesentalent“ (Veh). Er soll behutsam aufgebaut werden. Er könnte einer werden, der den Sprung zu einem Topklub schaffen und viel Geld in die Kasse spülen könnte. Wenn nicht, war das Risiko relativ gering.

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