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Neue Männer für OM

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Von: Thomas Kilchenstein

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Steht auf offensiven Fußball: OM-Coach Igor Tudor.
Steht auf offensiven Fußball: OM-Coach Igor Tudor. © AFP

Olympique Marseille tauscht fast seine komplette Mannschaft um - dem Erfolg tut das beim PSG-Jäger aber keinen Abbruch

Das ist mal ein Umbruch: Olympique Marseille, im vergangenen Jahr Vizemeister in Frankreich und morgen Gegner von Eintracht Frankfurt in der Champions League, hat trotz dieses unbestreitbaren Erfolgs praktisch seine komplette Mannschaft weggeschickt - und für 75 Millionen Euro neue Spieler geholt, 15, um genau zu sein. Darunter ist auch der Trainer neu, Igor Tudor, ein bärtiger Kroate, 44 Jahre alt.

Dass der Champions-League-Sieger von 1993 - damals mit Rudi Völler - gleichzeitig fast 20 Profis weggeschickt hat, dafür aber lediglich 17,6 Millionen eingenommen hatte, stört den Besitzer, den US-Unternehmer Frank McCourt, nicht besonders. Erneut versuchen sie in diesem Jahr, an der Vormachtstellung von Paris Saint-Germain zu rütteln. Trotz der hohen personelle Fluktuation in dieser Runde hat die Spielstärke von OM nicht darunter gelitten.

Diese Marseiller Mannschaft hat nichts mehr gemein mit jener, die 2018 zweimal gegen Eintracht Frankfurt verloren hat. Es sind andere Zeiten, bei der Eintracht sind noch Kevin Trapp, Timmy Chandler und Makoto Hasebe dabei, von Olympique lediglich noch Dimitri Payet, französischer Vizeweltmeister, der seit 2017 in Marseille spielt, aktuell aber nur noch sporadisch zum Einsatz kommt. OM, neunmal französischer Meister, zehnmal Pokalsieger, ist, das muss man so sagen, eine bessere, eine stärkere Mannschaft als 2018, aktuell hinter dem Giganten Paris Saint-Germain nach sieben Spielen und 19 Zählern punktgleich auf Tabellenplatz zwei. Allerdings sind sie auf die ganz harten Brocken Monaco, Lyon oder PSG noch nicht getroffen. Die letzten fünf Ligaspiele haben die Südfranzosen allesamt gewonnen. Als Zweiter hinter PSG hatten sich die Südfranzosen auch für diese Champions League qualifiziert, dennoch wurden sie aus Topf vier, in dem eigentlich die schwächeren Vereine vertreten sind, in die Gruppe D gelost. Aber was heißt das schon.

16 Nationalspieler

Trainer Tudor ist kein Unbekannter, der Ex-Profi war 55-facher kroatischer Nationalspieler und gehörte zum Kader jener Elf um Davor Suker, die bei der WM 1998 in Frankreich Dritter wurden und die DFB-Auswahl mit 3:0 besiegt hatte. Tudor, der zuvor Hajduk Split, Galatasaray, Hellas Verona coachte und Co-Trainer bei Juventus Turin war, lässt offensiven Fußball spielen. Und dass französische Teams mit dem Ball umgehen können, ist bekannt, wie vermutlich alle Champions-League-Klubs spielerisch auf dem obersten Level agieren.

In seinem aktuellen Team, gespickt mit 16 Nationalspielern, stehen gleich fünf Aktive, die schon in der Bundesliga am Ball waren, Sead Kolasinac zum Beispiel, der in Schalke, Hoffenheim und Stuttgart spielte. Oder Amine Harit, jener marokkanische Auswahlspieler aus Schalke, Matteo Guendouzi, der sich Meriten bei Hertha Berlin verdiente. In der Abwehr hat der Argentinier Leonardo Balerdi ein Jahr in Dortmund verteidigt, Jonathan Clauss, ein französischer Auswahlspieler, machte in 65 Spielen für Arminia Bielefeld Betrieb auf dem Flügel

Altstar Dimitri Payet, inzwischen 35, spielt in der Offensive kaum noch eine Rolle. Im Sturm kann Tudor auf lateinamerikanische Qualität setzen. Luis Suarez aus Kolumbien ist ein wendiger, flinker Angreifer, Alexis Sanchez, Rekordtorschütze und -spieler Chiles, ist unverzichtbar und mit vier Treffern aktuell bester Schütze der Südfranzosen. Erst an diesem Samstag markierte er gegen Lille einen Treffer zum 2:1-Erfolg, beide Tore übrigens meisterhaft vom türkischen Tempodribbler Cengiz Ünder vorbereitet. In diesem Spiel drehte Amine Harit überragend am Schwungrad, war Dreh- und Angelpunkt.

Prunkstück ist aber die Abwehr, die in sieben Spielen nur vier Gegentore zugelassen hat, so wenige wie PSG. Und ganz hinten bauen die Franzosen wieder auf einen spanischen Ballfänger, im Tor steht Pau Lopez. Auch Sporting Lissabon hatte auf einen Torwart aus Spanien vertraut - er hielt die Null in Frankfurt.

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