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Zwei, die sich verstehen: Trainer Armin Veh (links) und Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing.
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Zwei, die sich verstehen: Trainer Armin Veh (links) und Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing.

Eintracht-Vorstand

Neue Führungs-Konstellation für die Eintracht

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Eintracht-Aufsichtsrat beschließt mehrere wegweisende Personalentscheidungen. Eintracht Frankfurt will sich in der neuen Führungs-Konstellation für die Zukunft rüsten.

Vor fast drei Monaten ist der Frankfurter Börsenguru Wolfgang Steubing zum neuen Chef des Aufsichtsrates der Eintracht Frankfurt Fußball-AG gewählt worden, und der 65-Jährige machte sofort nach seiner Inthronisierung klar, dass die Uhren in Frankfurt nun vielleicht doch ein bisschen anders ticken werden. „Steubing geht gleich in die Vollen“, titelte die FR über seine Antrittsrede. Der Wertpapierhändler hatte klare Vorstellung, warf einen Fünf-Punkte-Plan an die Wand, versprach Verbesserungen in vielen Bereichen, er wolle gemeinsam mit den übrigen Räten die Weichen stellen, damit Eintracht Frankfurt aufs richtige Gleis gesetzt werden kann und für die Zukunft gewappnet ist.

Und der erfahrene Geschäftsmann bereitete sich selbst den Boden, auf dem er ein bisschen Stoff zum Träumen ließ. „Porto und Bordeaux – das war schon toll. Das würde ich gerne noch mal erleben.“ Die internationalen Spaßreisen mit einzigartigem Fluidum fallen allerdings nicht vom Himmel, sie kommen vielleicht einmal, wie vor zwei Jahren, als Geschenk daher, aber um einen gewisse Wiederholungschance im halbwegs regelmäßigem Rhythmus zu haben, muss man hinter den Kulissen sehr viele wichtige und richtige Entscheidungen treffen.

Nun hat Wolfgang Steubing zumindest gezeigt, dass es ihm ernst ist, dass er sich an seinen Worten messen lassen und sich an die Umsetzung der vielen Projekte begeben wird. Am Dienstag beschloss der Aufsichtsrat gleich mehrere wegweisende Personalentscheidungen, hier mal im Kurzsteno zusammengefasst: Sportdirektor Bruno Hübner erhält einen Vertrag bis 2019. Axel Hellmann wird ab kommenden Dienstag im Vorstand mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet. Oliver Frankenbach rückt ebenfalls in den Vorstand als Finanzchef auf. Vorstandschef Heribert Bruchhagen bleibt für die sportlichen Belange zuständig, muss aber die Felder Kommunikation/Medien und Marketing an Hellmann abtreten. Das hat er eher zähneknirschend gemacht, da waren viele Gespräche notwendig, um den 66-Jährigen in seinem letzten Amtsjahr davon zu überzeugen, dass diese Veränderungen sinnvoll sind.

Steubing hat diese Personalien geräuschlos auf den Weg gebracht, er hat zuvor auf einer Klausurtagung und in Gesprächen mit den Aktionären für diese Umwälzungen geworben. „Wir haben das wunderbar in aller Ruhe durchgezogen“, sagte er.

Viel Lob für Frankenbach

Durch die Personalrochaden ist Oliver Frankenbach nach oben gespült worden. Der bisherige Prokurist gilt im Finanzsektor als absolute Kapazität, der auch von anderen Organen und Verbänden umworben wurde. Steubing ist voll des Lobes: „Bei ihm kann ich gut schlafen. Er ist der Herr der Zahlen. Wir nennen ihn den ZDF-Mann: Zahlen, Daten, Fakten.“ Der 47-Jährige, bis 2020 vertraglich gebunden, habe ja einen höchst verantwortungsvollen Job. „Jeder Transfer landet bei ihm. Und der Junge löst alles phantastisch, mit Ruhe und Gelassenheit. Bei ihm ist nie etwas Komisches drin“, sagt Steubing. Im Gegenteil. „Er baut eher noch einen Airbag ein.“

Der neue starke Mann der Eintracht wird aber sicherlich der bisherige Finanzvorstand Axel Hellmann, der nach dem Ausscheiden Bruchhagens im Juni des kommenden Jahres wohl als Vorstandssprecher des dreiköpfigen Führungsgremiums fungieren wird. Steubing hält sich mit solchen Begrifflichkeiten nicht auf und verweist auf die Themen, die der 44-Jährige in Zukunft zu bearbeiten habe: Stadionvertrag, Vermarktervertrag, Geschäftsstellenumzug, Digitalisierung, Internationalisierung. „Das sind ganz schwierige Themen, die er ans Bein gebunden bekommt. Er übernimmt eine ganz schwere Aufgabe, da wird er die Unterstützung von uns allen benötigen“, betont Steubing. Und da sei es sonnenklar, dass diese Person „nicht schwach sein“ könne. „Wer solche Themen zu bearbeiten hat, hat auch viel zu sagen.“

Steubing ist der festen Überzeugung, dass sich die Eintracht mit „diesem personellen Konzept“ sicherer in der Bundesliga behaupten werde. „Und ich schiele lieber mit einem Auge nach oben als mit zwei Augen nach unten.“ Auch deshalb sei es wichtig, Projekte wie das ausgearbeitete Genussscheinmodell auf den Weg zu bringen, das mindestens zehn Millionen Euro Eigenkapital bringen soll. „Wir brauchen mal einen Puffer, um flexibler zu sein.“

Axel Hellmann ist der Überzeugung, dass die Eintracht „an einigen Stellschrauben drehen und dicken Bretter bohren muss“, um sich in der ersten Tabellenhälfte zu etablieren. „Aber wir wollen diese Bretter bohren“, sagt er. Der Jurist glaubt, dass ein Verein wie Eintracht Frankfurt seine Hausaufgabe machen muss und keine Entwicklung verschlafen darf, um im Wettbewerb eine Chance zu haben. Dass nicht alles zementiert sei, sehe man auch nun am FC Augsburg, die es mit guter Arbeit binnen drei Jahren geschafft haben, „uns im Etat zu überholen“. Augsburg, so Hellmann, „wird das neue Gladbach, Augsburg kann Champions League spielen.“ Der Vorstand glaubt, dass auch die Eintracht ein Verein sein könne, „der nach oben geht“. Diese Tendenz sei in den vergangenen Jahren nach dem Wiederaufstieg klar erkennbar. „Es gibt bestimmte Parameter, die man gestalten kann.“

Wer wird Sportvorstand?

Doch dazu müsse sich die Eintracht an heikle Themen heranwagen. Die größten und wichtigsten Felder sind der Stadionvertrag und der Vermarktervertrag, deren jetzige Inhalte der Eintracht einen Wettbewerbsnachteil verschaffen. Nun wird der Klub in vielen Gesprächen im Hintergrund versuchen, die Richtung für die Zukunft abzustecken. Beide Verträge laufen noch bis 2020. Mit dem neuen Kontrakt will die Eintracht stärker partizipieren oder sich womöglich selbst vermarkten. Jährliche Mehreinnahmen von sechs, sieben, acht Millionen Euro, hört man, seien nicht illusorisch. Die Eintracht hat klare Vorstellungen, wie das in Zukunft geregelt sein könnte.

Und die Frage wird natürlich sein, wer der neue Sportvorstand sein wird und wie das Profil aussehen soll. Für Steubing steht fest, dass der neue Mann „gut mit Bruno Hübner“ zusammenarbeiten muss. „Das geht nicht anders.“ Hübner ist durch seinen bis 2019 laufenden Vertrag gestärkt. Der Sportvorstand soll einer sein, der sich gekonnt in der Stadtgesellschaft und auf dem Bundesligaparkett bewegen kann, eine Art Galionsfigur. Mit Eile wird die Suche aber nicht vorangetrieben. Die wichtigen Entscheidungen sind jetzt schon mal getroffen.

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