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Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

Kaderplanung

Die neue Eintracht

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    Ingo Durstewitz
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Auf Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic warten weiterhin sehr viele Aufgaben, die er zu lösen hat.

Fredi Bobic ist einer, der nie zufrieden ist. Hat er früher als Stürmer ein Tor geschossen, war er sauer, weil es nicht zwei waren. Mit dem elften Platz von Eintracht Frankfurt im vergangenen Jahr ist er unzufrieden, weil es besser gegangen wäre. Und über das Pokalfinale von vor vier Wochen braucht man gar nicht erst reden, bekanntlich wurde es verloren: Wie kann der Mann da zufrieden sein? „Das ist in meiner Natur so drin“, sagte der 45-Jährige jetzt zum Auftakt der sehr umfangreichen Vorbereitungszeit auf die neue Saison, die für die Profis heute mit diversen Leistungs- und Gesundheitstests beginnt.

Fredi Bobic, seit einem Jahr der Sportvorstand des hessischen Bundesligisten, will immer mehr, er ist rastlos dabei, den Klub umzubauen, neue Impulse zu setzen, ihn zu modernisieren und fit zu machen für „den brutalen Verdrängungswettbewerb“, der die Bundesliga nun mal geworden ist. Und der in diesem Jahr vielleicht noch eine Spur härter ist als im vergangenen, weil der VfB Stuttgart und Hannover 96 zurück sind, im Grunde gestandene Bundesligisten.

Probleme in der Innenverteidigung

Wenn morgen die Saison angepfiffen würde, wäre Eintracht Frankfurt „noch nicht bereit“, sagte Bobic. „Keiner ist jetzt schon bereit.“ Bis zum Saisonstart am dritten August-Wochenende ist noch viel Zeit, „wir müssen noch an Feinheiten arbeiten.“ Und an vielem mehr.

Denn es ist wahrlich noch nicht so, dass der Kader schon fix steht: In der Innenverteidigung müsse man „nachlegen“, weil Neuzugang Carlos Salcedo nach seiner Schulteroperation wochenlang ausfällt. „Das war ein Schock für uns“, sagte Bobic. Darüber hinaus hat der Sportvorstand Marco Russ ins Gebet genommen. „Er weiß, was wir von ihm verlangen.“ Der 31-Jährige habe seine Krebserkrankung überwunden, und „er weiß, dass jetzt von ihm was kommen muss. Wir brauchen eine fitten Marco Russ“. Ansonsten steht nur noch Andersson Ordonez zur Verfügung, von dem aber nicht sicher ist, ob er gut genug für die Liga ist.

Im Mittelfeld werde man noch „was tun“. Sebastian Rode freilich steht nicht auf der Liste. Der ehemalige Frankfurter soll bei Borussia Dortmund keine Zukunft mehr haben. Von Rückholaktionen ehemaliger Spieler hält Fredi Bobic jedoch nicht so viel, „ich bin kein Fan davon“. Da sei ihm der romantische Aspekt, eine verklärte Sicht der Dinge zu groß. Auch Stefan Aigner, der bei 1860 München gerade Schiffbruch erlitten hatte, ist kein Thema in Frankfurt.

Bisher stehen 32 Profis im Kader, inklusive Luca Jovic (Benfica Lissabon II), der für zwei Jahre (plus Kaufoption) ausgeliehen wurde, und Daichi Kamada (Sagan Tosu), der in „ein, zwei Tagen“ zum Medizincheck kommt und anschließend einen Vierjahresvertrag unterzeichnen wird. „Ein junger Bursche, ein richtig guter Fußballer, technisch anspruchsvoll, mit gutem Tempo“ - so umschreibt Fredi Bobic den neuen Japaner, der hinter den Spitzen spielen und Ideen liefern soll. Mit 32 Spielern wird Eintracht Frankfurt nicht in die Saison gehen, den einen oder anderen werde man noch abgeben.

Makoto Hasebe und Omar Mascarell gehören dazu definitiv nicht. Der Japaner wird in den nächsten ein, zwei Wochen wieder auf dem Platz stehen, beim Spanier indes wird mehr Geduld vonnöten sein, auch wenn die Achillessehne keine großen Probleme mehr bereite. „Er hat sehr hart trainiert, und wird jetzt erst mal eine paar Tage freimachen.“

Was wird mit Hradecky?

Offen ist weiterhin die Zukunft von Lukas Hradecky. „Wir werden uns mit ihm unterhalten. Wir wollen mit ihm verlängern, wenn das nicht klappt, müssen wir überlegen, wie es weitergeht oder eben nicht weitergeht“, sagte Bobic. Vor drei Wochen hatte der finnische Nationaltorwart das „letzte Angebot“ der Eintracht abgelehnt. Sein Vertrag läuft noch ein weiteres Jahr, und um den Keeper zu einer Verlängerung zu bewegen, hat die Eintracht ihm zunächst sogar mit der Verbannung auf die Tribüne gedroht. Diese harte Linie kann sie nicht beibehalten, sie sitzt am kürzeren Hebel. Ein Angebot eines anderen Vereins gibt es laut Bobic nicht. Auch mit Linksverteidiger Bastian Oczipka, ebenfalls bis 2018 gebunden, hat es erste Gespräche gegeben, sogar „angenehme“, wie Bobic sagte.

Und obwohl Eintracht Frankfurt sich für diese Runde besser vorbereitet wähnt als für die vergangene („Da war es ein Kaltstart“), gebe es kaum eine Alternative, als Spieler an Land zu ziehen, die bislang weitgehend unter dem Radar der Konkurrenz geflogen seien. „Einen Jesus Vallejo hat vor einem Jahr niemand gekannt, jetzt kennt ihn ganz Europa“, entgegnete Bobic all jenen, die eine zu große personelle Fluktuation in den Frankfurter Reihen kritisieren. Es soll aber deutlich weniger Leihspieler geben. „Wir werden dadurch das Risiko minimieren können. Wir wollen auch Werte entwickeln.“

Die Sportliche Leitung hat die freie Zeit dazu genutzt, die Saison aufzuarbeiten. „Wir sind bei der Analyse tief reingegangen“, betonte Bobic. „Wir haben gefühlt einiges verschenkt, haben hinten raus nicht die Leistung gebracht. Das war dünn.“

Den Spielern wurde reiner Wein eingeschenkt

Die Mannschaft habe Probleme bekommen, die sie auf Dauer nicht kompensieren konnte. „Wir hatten gar keine Effizienz mehr.“ Trainer Niko Kovac sprach Bobic von jeder Schuld frei. „Es wurde nichts vercoacht, es wurde nicht schlecht trainiert.“ Dessen ungeachtet kann es sich Eintracht Frankfurt angesichts einer stärker werden Konkurrenz in der Liga nicht leisten, noch einmal derart einzubrechen wie in diesem Jahr.

Ein sportliches Ziel hat Bobic noch nicht ausgegeben. „So weit sind wir noch nicht.“ Eines allerdings ist klar: „Wir versuchen, die Mannschaft zu verschweißen“, zudem warten viele Trainingseinheiten und große Umfänge auf die Profis.

Es gab zudem, und zwar unmittelbar nach dem Pokalfinale, bereits eine Vielzahl von Einzelgesprächen mit den Profis, in denen die Sportliche Leitung mit ihnen offen und ehrlich über Erwartungen und Perspektiven gesprochen hatte. Diese Unterredungen kamen „bei dem einen besser, bei den anderen schlechter an“. Das liegt wohl in der Natur der Sache.

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