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Für die Eintracht-Frauen im Einsatz: Nationaltorhüterin Merle Frohms.

Start der Frauen-Bundesliga

Neue Ära unter dem Eintracht-Dach

Nach der Fusion geben sich die Frauen von Eintracht Frankfurt in der neuen Bundesliga-Saison bewusst demütig. Siegfried Dietrich hält sich mit Kampfansagen zurück.

Wenn die Frauenfußball-Bundesliga an diesem Wochenende in die neue Saison startet, wird ein bewährter Name in der Tabelle fehlen. Der 1. FFC Frankfurt, langjährige Führungskraft in der Elite, wurde in der vergangenen Woche genau 22 Jahre nach seiner Gründung aufgelöst. Sämtliche Mannschaften der Hessinnen sind unter das Dach des Männer-Erstligisten Eintracht Frankfurt geschlüpft.

Längerfristig ist damit ein Angriff auf die Spitze verbunden, aus der sich die viermaligen Champions-League-Siegerinnen in jüngerer Vergangenheit verabschieden mussten, weil man als reiner Frauenfußballverein vor allem auch in finanzieller Hinsicht nicht mit den von großen Vereinen wie dem VfL Wolfsburg oder Bayern München getragenen Teams mithalten konnte. Doch vor dem Anpfiff des ersten Duells im neuen Adler-Trikot am Sonntag (14 Uhr) im Stadion am Brentanobad gegen Aufsteiger Werder Bremen geben sich Cheftrainer Niko Arnautis und Siegfried Dietrich, der als Sportdirektor und Generalbevollmächtigter der Eintracht Frankfurt Fußball AG abseits des Platzes weiter die Geschicke der Fußballerinnen lenkt, bescheiden.

„Natürlich ist viel Aufmerksamkeit da“, sagt der Coach. Aber man müsse unter den neuen Gegebenheiten erst mal gut ins Spiel kommen und dann sehen, wo man im Winter steht. Die junge Mannschaft wurde „punktuell“ mit den Wunschspielerinnen des 40-Jährigen verstärkt: Neben der aus Freiburg gewechselten Nationaltorhüterin Merle Frohms gehören deren dortige Teamkollegin Virginia Kirchberger aus Österreich, die zuvor bei Turbine Potsdam spielende Torjägerin Lara Prašnikar und die aus der zweiten Mannschaft von Bayern München geholte Leonie Köster dem Kader an. Frohms, Kirchberger und Prašnikar könnten auf Anhieb zu echten Stützen aufsteigen, heißt es teamintern.

Weitere Einkäufe, noch bis Oktober möglich, sind laut Arnautis kein Muss, „aber wir beobachten den Markt“. Ziel sei es natürlich, den sechsten Platz aus der vergangenen Spielzeit zu verbessern. „Aber wir sind in der ersten Saison gut beraten, demütig zu sein“, sagt Dietrich.

Rang drei, der nach entsprechender Aufstockung der zur Verfügung stehenden Plätze diesmal zur Teilnahme an der Qualifikation zur europäischen Königsklasse berechtigen würde, sieht er „umkämpfter denn je“. Der Dritte TSG Hoffenheim hat kaum Veränderungen vorgenommen, der direkt dahinter rangierende Frankfurter Erzrivale Potsdam kooperiert mit den Männern von Hertha BSC. „Den dritten Platz zu erreichen, das ist schon eine sehr ordentliche Hürde“, sagt Dietrich. „Da muss vieles stimmen.“

Erste Voraussetzungen für eine positive Entwicklung wurden auch außerhalb des Feldes bereits geschaffen. Das Betreuerteam wurde deutlich aufgestockt: Arnautis, der seinen Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängerte, arbeitet nun mit zwei Co-Trainern, darunter sein Bruder Christos Arnautis, sowie hauptamtlichen Verantwortlichen für das Torwarttraining und den Athletikbereich zusammen. Der Fußballlehrer hat seine Tätigkeit als Lehrertrainer an der Carl-von-Weinberg-Schule stark reduziert. Nur noch einmal in der Woche steht er in der Frankfurter Eliteschule des Sports selbst auf dem Platz, bleibt aber für das Talente fördernde Gesamtprojekt, von dem auch sein Klub profitiert, als Koordinator zuständig.

Spielen werden die Frankfurterinnen weiterhin im Stadion am Brentanobad, das Training findet auf der Sportanlage am Rebstock statt. Dort wurde der Kabinentrakt modernisiert, es gibt nun ein Trainerbüro und ständige Funktionsräume für die Eintracht-Spielerinnen, darunter ein Zimmer für Physiotherapie.

Berührungspunkte mit den Männern sollen dennoch nicht fehlen. Schließlich will man „in der Eintracht-Familie zusammenwachsen“, wie Dietrich es formuliert. Erste gemeinsame Aktionen wie einen Fototermin gab es schon, am Freitag ist zu einer Pressekonferenz in der Arena geladen. Zudem absolvierten die Frauen ihren Trainingsauftakt im Stadtwald auf dem Eintracht-Terrain. „Durch die Corona-Regeln ist die Welt in allen Bereichen schwieriger geworden“, sagt Dietrich. Man könne aktuell noch nicht so zusammenrücken, wie man es gerne hätte. „Aber die Hochzeit ist ja noch jung.“

Das Virus wirkt sich auch auf die Organisation des Spielbetriebs aus. Nachdem die vergangene Saison ohne Publikum zu Ende gebracht werden musste, sind nach aktuellem Stand beim Wiederbeginn bis zu 250 Zuschauer zugelassen. Diese müssen ausgewählt und ein entsprechendes Hygienekonzept umgesetzt werden. Auch ohne diese zusätzliche Bürde gibt es hinter den Kulissen mehr als genug zu tun. „Wir müssen unser Knowhow erst mal in die Eintracht-Welt transferieren“, sagt Dietrich. Und sich selbst dort orientieren und verknüpfen. Das mache derzeit sehr viel Arbeit, werde diese aber später vereinfachen.

Mitgebracht hat der Neuzugang auch einige seiner Unterstützer, darunter Trikotsponsor Lotto Hessen. Der Etat, der in den vergangenen drei Jahren jeweils zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro lag, wird sich erhöhen. Über Zahlen, betont Dietrich, könne man jedoch noch nicht sprechen. Die Pandemie habe auch bei der Eintracht für weniger Einnahmen gesorgt, und alle Bereiche seien gefragt, sich darauf einzustellen. „Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass unsere Fusion gefährdet war“, betont der frühere FFC-Manager. Er möchte unter dem Eintracht-Dach auch unternehmerisch etwas aufbauen, „es muss unser Ziel sein, in drei, vier, fünf Jahren mit den Frauen auch Geld zu verdienen.“

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