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Bei ihm wissen die Verantwortlichen, dass die Mannschaft funktioniert: Armin Veh.

Eintracht Frankfurt holt Armin Veh zurück

Neuanfang mit dem Ex

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Paukenschlag bei Eintracht Frankfurt: Nachfolger von Thomas Schaaf wird dessen Vorgänger. Armin Veh kehrt als Trainer zur Eintracht zurück. Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben. Doch eine grundsätzliche Einigkeit ist erzielt.

Als Armin Veh das letzte Mal als Gegner nach Frankfurt kam, ist er mit vielen Freunden zusammengetroffen. Am Ende des langen Abends in trauter Runde, nach ein paar Flaschen edlen Rotweins, lagen sich alle in den Armen, und es flossen die Tränen. Es war eine höchst emotionale Nacht bei Luigi, einem Nobel-Italiener in Neu-Isenburg vor den Toren Frankfurts. Veh war damals noch Trainer des VfB Stuttgart, hatte in einem wahnwitzigen Spiel „seine Eintracht“ mit 5:4 in die Knie gezwungen, doch schon da fühlte er sich mehr der Eintracht als dem VfB verbunden. Seinerzeit, im Oktober, habe Veh gespürt, wo er hingehört und die Nestwärme gespürt, die er braucht, um glücklich zu sein. „Er wäre am liebsten nicht mehr nach Stuttgart zurückgefahren“, erzählte einer, der dabei war.

Ein dreiviertel Jahr später wird Armin Veh in den Schoß der Eintracht zurückkehren und seinen vor zweieinhalb Wochen zurückgetretenen Nachfolger Thomas Schaaf beerben. Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, das Gesamtpaket ist noch nicht festgezurrt. Doch eine grundsätzliche Einigkeit ist erzielt, beide Parteien haben sich auf eine nochmalige Zusammenarbeit verständigen können. In den kommenden beiden Tagen sollen alle Eckpunkte final fixiert werden, der Deal wird weder am Gehalt noch an der Vertragslaufzeit scheitern.

Veh ist finanziell unabhängig, des Geldes wegen, hat er stets betont, müsse er den Job nicht mehr machen. Die Übereinkunft gilt nur für den Trainerposten, über eine Anstellung als Sportvorstand, die auch im Raum stand, ist in den Verhandlungen nicht explizit gesprochen worden. Es ist sicher nicht auszuschließen, dass Veh irgendwann den Sportchef geben wird.

Aber zurzeit ist nur das Engagement als Trainer ausverhandelt. Veh, der am Montag vorgestellt werden soll, sieht sich momentan noch viel zu sehr als Trainer und weniger auf der administrativen Ebene. In der Vergangenheit hat er auch als Trainer zusammen mit Sportdirektor Bruno Hübner schon die Personalpolitik bestimmt.

Veh brauchte Bedenkzeit

Die endgültige Entscheidung für den 54-Jährigen fiel in den letzten Tagen. Veh war die ganze Zeit über ein Thema, doch die Eintracht wollte erst einmal andere Kandidaten abklopfen. Und der erfahrene Fußballlehrer selbst brauchte Bedenkzeit, ob er ein Comeback geben sollte. Die Frankfurter Verantwortlichen hatten bei den Aspiranten Sascha Lewandowski, André Breitenreiter oder auch Tayfun Korkut nicht das 100-prozentige Gefühl, dass sie der Mannschaft die nötige Stabilität und Sicherheit geben können. Da waren ein paar Vorbehalte zu viel im Raum. Die gab es bei Veh nicht.

Der Augsburger brennt förmlich auf die neue Aufgabe, er soll tatendurstig und dynamisch wie am ersten Tag sein. Er muss in den Gesprächen, unter anderem in der vergangenen Woche in Kronberg, den totalen Enthusiasmus und die absolute Leidenschaft an den Tag gelegt haben. Und: Bei Veh wissen die Verantwortlichen, dass die Mannschaft funktioniert. Schon seit einiger Zeit wünschen sich wichtige Führungsspieler den Ex zurück, weil sie ihm blind gefolgt seien. Das war bekanntlich unter Vehs Nachfolger Schaaf nicht der Fall.

Der Stuttgarter Meistertrainer soll die Mannschaft wieder vereinen und zusammenschweißen. Das wird Veh, dem Menschenfänger, gelingen. Diese Mannschaft ist in weiten Teilen noch sein Team. Und er soll auch schon ganz konkrete Pläne haben, wie er den Kader modellieren und verändern will. Rückholaktionen verdienter und guter Spieler dürften nun forciert werden. Veh ist schon seit Wochen über jeden Schritt bei der Eintracht genau informiert. Sehr wahrscheinlich ist, dass er seinen langjährigen Assistenten Reiner Geyer mitbringen wird, womöglich wird auch U19-Coach Alexander Schur ins Trainerteam integriert. Zudem kann sich Manfred „Moppes“ Petz Hoffnung auf eine neuerliche Anstellung als Torwarttrainer machen.

Löw: "Ein hervorragender Trainer"

Am Freitag war die bevorstehende Rückkehr von Armin Veh sogar im portugiesischen Faro bei der Nationalmannschaft ein Thema. Bundestrainer Joachim Löw gratulierte den Hessen aus der Ferne: „Für Eintracht Frankfurt ist das eine gute Entscheidung“, sagte Löw, der gleichwohl überrascht war, weil er davon ausging, dass Veh zukünftig eher als Sportchef wirken wolle. Von den Fähigkeiten des Trainerkollegen ist Löw überzeugt: „Er ist ein hervorragender Trainer mit viel Ruhe. Er steht für technisch guten und offensiven Fußball.“ Das ist korrekt: Unter Veh spielte die Eintracht gerade in ihrem ersten Bundesligajahr mitreißenden, spektakulären Angriffsfußball, der sie als Aufsteiger bis in die Europa League führte. „Wo Eintracht draufsteht, soll auch Eintracht drin stehen“, hatte Veh stets betont.

Veh, der mit dem neuen Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing gut befreundet ist, wird in Frankfurt von den meisten mit offenen Armen empfangen, weil er mit der Eintracht eine kurze Epoche prägte, weil er ihr ihr Selbstwertgefühl und ihren Stolz zurückgab. Zumindest für kurze Zeit. Doch der Trainer wird auch bei manchen kritisch beäugt, weil er bei seinem Abgang vor gut einem Jahr die fehlenden Perspektiven ins Feld führte. „Ich möchte dem Trainer des Gegners nicht mehr so oft die Hand schütteln und zum Sieg gratulieren müssen“, sagte er damals.

Es war ein Satz wie ein Peitschenhieb. Veh weiß, dass das nicht klug war. Auch sein Wechsel nach Stuttgart nicht. Als er mit dem VfB als Tabellenfünfzehnter zum Spiel in den Stadtwald kam, sagte er vorher der FR: „Die Leute in Frankfurt denken, der Veh ist total bescheuert, der hat einen Kopfschuss.“

Veh sah damals sein Werk in Gefahr, hatte das Gefühl, nur noch verlieren zu können. Nun, so hört man, würde er voll hinter dem Projekt stehen, glaubt an die Chancen. Eine Herzensangelegenheit ist es sowieso. Einer seiner Kernsätze war ja immer, dass man einen internationalen Startplatz nicht als Ziel ausgeben sollte, aber man zumindest die Chance haben müsse, etwas zu erreichen. Diese Möglichkeit sieht er.
Eines wird sich für Veh ändern, er muss sich eine neue Bleibe suchen: In seiner Villa in Oberursel wohnt seit einem Jahr Eintracht-Stürmer Haris Seferovic.

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