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"Ich muss mich erst beweisen und mir den Respekt erarbeiten" - Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky.
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"Ich muss mich erst beweisen und mir den Respekt erarbeiten" - Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky.

Lukas Hradecky Eintracht Torhüter

"Natürlich habe ich große Träume"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der neue Eintracht-Schlussmann Lukas Hradecky äußert sich im FR-Interview über Manuel Neuer, das veränderte Torwartspiel und seine Liebe zur Bundesliga.

Herr Hradecky, hinter Ihnen liegt eine aufregende Zeit. Alles ist so unheimlich schnell gegangen in den zurückliegenden Tagen: Das letzte Spiel für Bröndby, der Wechsel nach Frankfurt, Ihre Vorstellung, die Kürung zur Nummer eins, das erste Bundesligaspiel in Wolfsburg: Haben Sie überhaupt Zeit gehabt, das alles zu verarbeiten?
Ich hatte eine Woche, um mich an alles zu gewöhnen. Das ist nicht besonders viel. Andererseits hatte ich ja keine andere Möglichkeit: Ich musste da direkt durch und meinen Mann stehen. Da hat man nicht viel Zeit, um zu überlegen, um sich Gedanken zu machen, was das alles bedeutet. Das hat natürlich den Vorteil, dass ich auch den Druck nicht so gespürt habe. Ich bin im Grunde ins kalte Wasser gesprungen. Ich denke, es lief ganz gut. Ich freue mich jetzt auf unser erstes Spiel zu Hause, ich muss auch schnell in den Spielrhythmus kommen. Das erste Spiel in Wolfsburg haben wir zwar verloren, aber ich persönlich war mit meiner Leistung ganz zufrieden. Obwohl ich ja nicht so viel halten musste. Das nächste Mal bringe ich dann auch meine Torwarthandschuhe mit, in Wolfsburg haben ja erst mal die Schuhe gereicht (lacht).

Haben Sie mittlerweile realisieren können, was dieser Wechsel bedeutet? Anderes Land, andere Stadt, anderer Klub, andere Liga.
Zunächst einmal muss ich sagen, dass mich jeder mit offenen Armen empfangen hat. Der Trainer, die Spieler, die Crew um die Mannschaft herum, die Leute auf der Geschäftsstelle. Das tut wirklich gut und hilft mir sehr. Ich habe bereits eine Wohnung gefunden, ich habe die Schlüssel schon, ich warte nur darauf, dass die Möbel aus Kopenhagen angeliefert werden. Das soll jetzt an diesem Wochenende der Fall sein. Meine Eltern werden mir dann helfen, die Wohnung einzurichten. Ich freue mich darauf. Wenn du ein Zuhause hast, eine Wohnung, dann fühlst du dich ja gleich ganz anders, heimisch eben. Das ist was anderes als im Hotel. Alles ist viel entspannter.

Kommen Ihre Eltern mit nach Frankfurt oder Ihre Freundin?
Ich bin allein, für eine Freundin reicht mein Charme nicht aus (lacht). Nein, meine Eltern kommen vorbei und auch viele Freunde, die die Bundesliga sehen wollen. Das ist schon etwas Besonderes.

Was ist Ihr erster Eindruck von der Stadt und dem Verein?

Frankfurt ist wunderschön. Es erinnert mich hier an Turku, meine Heimatstadt in Finnland, auch dort fließt ein Fluss mitten durch die Stadt. Das fühlt sich hier für mich sehr wohnlich, sehr gemütlich an. Ich fühle mich fast wie zu Hause. Und im Verein ist auch alles super. Die Jungs sind alle freundlich, ich fühle mich sehr wohl. Und auf dem Feld wird es von Zeit zu Zeit noch besser werden. Vielleicht kann ich dann auch irgendwann mal ein paar Paraden zeigen (lacht).

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie es sich hier in diesem Stadion anfühlen wird, wenn es am Samstag losgeht?
Ich kann es kaum abwarten. Mir wurde so viel über die Fans hier erzählt. Und ich hatte schon das Privileg, in Dänemark bei dem Verein mit den besten Anhänger zu spielen. Ich bin wirklich gespannt.

Ich war sechseinhalb Jahre in Dänemark, und ich hatte vorher schon mal überlegt, ob ich den nächsten Schritt machen sollte. Jetzt war es für mich einfach an der Zeit. Das ist für mich jetzt die richtige Entscheidung. Ich habe in Dänemark bei Bröndby gespielt, einem der größten Klubs dort. Ich habe mich also schon ein bisschen an den Druck gewöhnen können. Das hat mir geholfen, deshalb bin ich jetzt gut vorbereitet. Und als mich die Eintracht dann kontaktierte, da war mir klar: ,Okay, jetzt ist es Zeit, den nächsten Schritt zu machen.‘

Hatten Sie noch andere Optionen? Wir hörten hier immer wieder mal, dass Sie auch mit einem Engagement in England geliebäugelt haben.
Das waren nur Gerüchte. Für mich war klar, dass ich in die Bundesliga möchte. Ich denke, ich passe besser in die Bundesliga als in die Premier League. Von der ganzen Art zu spielen. In England wird sehr körperbetont gespielt und mit langen Bällen. Hier kann ich meine Art des Fußballs einbringen. Es ist eine meiner Stärken, mit den Füßen gut mitzuspielen. Und das ist auch, was Trainer Armin Veh möchte. Ich denke, ich passe hier sehr gut rein. Und das ist sehr wichtig für mich.

In Wolfsburg haben Sie angedeutet, dass Sie sehr gut mitspielen und das Spiel auch schnell machen können. War das schon immer Ihre Art?
Ja, das ist meine Philosophie. Ich versuche, wenn es geht, den Ball sehr schnell und präzise ins Spiel zu bringen. Normalerweise hilft das, Chancen herauszuspielen. Ich denke, auch in Wolfsburg haben wir ein paar halbe Chance dadurch kreieren können. Ich finde sowieso, dass wir ganz gut gespielt haben. Es ist eigentlich schade, dass wir nicht zumindest einen Punkt mitgenommen haben. Wolfsburg fand ich nicht so stark wie erwartet. Aber sie waren ungemein effektiv. Das zeichnet ein Topteam auch aus.

Bei Ihrer Vorstellung sagten Sie, Manuel Neuer sei Ihr Vorbild, weil er das Torwartspiel sehr offensiv interpretiere.
Ja, sehr offensiv und aggressiv. Das ist die Richtung, in die die Torhüter von heute gehen müssen, um sich zu zeigen. Torhüter müssen heutzutage gut mit dem Ball umgehen können. Schon in Bröndby habe ich oft mit den Feldspielern trainiert, um diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Früher fanden Sie ja auch den spanischen Nationaltorwart Iker Casillas gut. Aber er steht doch eher für den alten Stil.
Er ist halt noch ein Torwart im klassischen Sinne. Klar kann er auch mit dem Ball umgehen, aber er hat seine Stärken eher auf der Linie, er ist nicht so eine Art Libero wie Manuel Neuer. Das Torwartspiel hat sich aber in diese Richtung verändert. Fast jeder Trainer will, dass der Keeper auch mitspielt.

Welche Stärken haben Sie noch, wenn Sie das mal selbst einschätzen müssten?
Ich denke, ich habe gute Reflexe und bin auf der Linie gut. Vielleicht kann ich am Samstag ja mal zeigen, dass ich auch mit den Händen was kann (lacht).

Wie sind Sie zum Fußball gekommen? Sie haben ja auch Eishockey und Tennis gespielt. Ich habe jede nur erdenkliche Sportart ausprobiert. Ich habe noch zwei jüngere Brüder, und wir haben einfach alles gespielt, was es gibt. Eishockey ist halt eine sehr teure Sportart, die Ausrüstung und so – das kostet schon eine Menge. So bin ich beim Fußball gelandet, damals war ich vielleicht sechs, sieben Jahre alt. Und als ich zum Fußball kam, ging ich direkt ins Tor. Das hat sich für mich gut und richtig angefühlt. Und ich habe es nicht bereut, es war eine gute Entscheidung.

Und Volleyball sollen Sie auch noch gespielt haben.
Klar, ich bin ein Multitalent (lacht). Mein Vater war ja Volleyballer, da bot sich das an. Es gibt auch viele Parallelen zum Torwartspiel, du brauchst zum Beispiel auch eine gute Sprungkraft.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Haben Ihre Eltern oder Ihr Vater großen Einfluss auf Sie genommen?
Nein, sie haben mich unterstützt, aber sich eigentlich im Hintergrund gehalten. Sie haben nie Druck ausgeübt oder mich zu irgendwas gezwungen. Ich denke, das ist der richtige Weg, Kinder zu erziehen: ,Lass sie tun, was sie wollen, und unterstütze sie darin.

Sie sind in Bratislava, in der Slowakei, geboren und in Finnland aufgewachsen. Haben Sie noch Verbindungen in Ihr Geburtsland?
Ja, vor zwei Wochen erst war ich da und habe noch einige Dinge geholt, die ich benötigt habe. Da habe ich auch meine Oma besucht. Meine Familie, bis auf meine Eltern und meine Geschwister, leben noch in Bratislava.

Und die Muttersprache beherrschen Sie ebenfalls?
Ja, perfekt. Da muss ich meinen Eltern dankbar sein, weil sie als Kind Slowakisch mit mir gesprochen haben.

Welche Sprachen beherrschen Sie noch?
Finnisch, Englisch, Dänisch, Slowakisch. Deutsch kommt als nächstes. Ich bin halt ein Multitalent (lacht).

Mit welchen Zielen kommen Sie nach Deutschland?
Ich will mich als erster Torwart etablieren. Natürlich habe ich große Träume, aber ich bin gut damit gefahren, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Ich bin jetzt 25, und wenn ich noch zehn, 15 Jahre spielen kann, ist doch alles bestens.

Was, glauben Sie, kann die Eintracht erreichen?
Natürlich würden wir gerne einen internationalen Startplatz erreichen. Die Mannschaft ist gut, sie ist wirklich stark. Ich denke, das ist möglich.

Träumen Sie von einer Karriere in England irgendwann einmal?
Als ich 18 war, gab ich einer finnischen Zeitung ein Interview. Damals sagte ich: „Es wäre wirklich toll, wenn ich mal die Nummer eins in einem skandinavischen Klub sein könnte.“ Vor zwei Jahren sagte ich in einem Interview: „Es wäre toll, wenn ich es mal in die Bundesliga schaffen würde.“ Was soll ich also jetzt sagen? Dass ich in fünf Jahren in Barcelona sein möchte (lacht). Das ist vielleicht doch unrealistisch. Man weiß es nicht. Ich bin im Moment wirklich glücklich und zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und wo ich stehe.

Also war tatsächlich nur die Bundesliga Ihr Ziel?
Ja, wirklich. Das wollte ich immer. Vielleicht können Sie sich also vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als ich hörte, dass die Eintracht Interesse an mir hat. Ich habe meinem Berater gesagt: „Wir müssen das irgendwie möglich machen.“ Und ich bin auch beim Sportdirektor von Bröndby vorstellig geworden und haben ihm davon erzählt. Er sagte, es gebe noch andere Interessenten, aber ich sagte ihm: „Nein, nein. Vergiss das. Ich will nach Frankfurt. Ich will zur Eintracht.“

Aber es hat dann ja noch länger gedauert, bis der Deal unter Dach und Fach war. War für Sie dennoch immer klar, dass es klappt?
Nein, gar nicht. Es ging immer hoch und runter, es war wie in der Achterbahn. Mal hieß es, es klappt, dann eher nicht. Es war nicht einfach, es war schon eine stressige Zeit. Aber ich habe versucht, cool zu bleiben und mich auf das Sportliche zu konzentrieren. Letztlich ging alles gut. Und ich habe mich von Bröndby anständig verabschieden können, die Qualifikation für die Playoffs der Europa League war schon wichtig und schön. Schade, dass sie jetzt 0:5 in Saloniki verloren haben.

Das letzte Europapokalspiel für Bröndby, unmittelbar vor Ihrem Abschied, muss ein sehr spezielles Spiel gewesen sein.
Und ob. Da gab es noch eine Rote Karte für mich, totale Aufregung, Dramatik pur, es war schon ein Spiel, das man nicht vergessen wird. Und für mich war es sehr emotional. Die Fans waren wirklich fantastisch, haben für mich ein Plakat entworfen. Ich werde Bröndby in sehr guter Erinnerung behalten.

Und dann kommen Sie nach Frankfurt, trainieren kaum mit dem Team – und sind schon die Nummer eins. Das ist ja auch ein großer Vertrauensbeweis.
Absolut. In Deutschland kennt mich ja keiner. Ich muss mich erst beweisen und mir den Respekt erarbeiten, der mir in Dänemark zuteil wurde. Und nun muss ich zeigen, was in mir steckt. Ich möchte, dass die Menschen in Deutschland sagen: „Eintracht Frankfurt hat einen guten Torwart.“ Das ist mein Plan.‘

Interview: Ingo Durstewitz

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