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Nach 1:4-Pleite gegen Eintracht Frankfurt: Hertha BSC ist nah an der Selbstaufgabe

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Von: Daniel Schmitt

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Flüchtet sich in Durchhalteparolen: Hertha-Coach Tayfun Korkut, unter Druck.
Flüchtet sich in Durchhalteparolen: Hertha-Coach Tayfun Korkut, unter Druck. © dpa

Hertha BSC stellt das formschwächste Bundesligateam, zerfleischt sich gegenseitig und wacht dennoch nicht auf. Gegen Eintracht Frankfurt gleicht die Leistung einer Selbstaufgabe.

Frankfurt/Berlin – Als die TV-Kamera in der Schlussphase des aus Berliner Sicht so desaströsen Fußballspiels gegen Eintracht Frankfurt auf Fredi Bobic schwenkte, und dann sogar noch ein wenig ranzoomte an den Manager der Hertha, ließ es sich nicht mehr so richtig erkennen, was denn nun mehr qualmte in diesem Moment: der Kopf des offensichtlich zornigen 50-Jährigen oder doch die zur Beruhigung angesteckte Kippe.

Fredi Bobic, das ist klar, hatte sich das alles anders vorgestellt nach seinem Sommerwechsel von Frankfurt in die Hauptstadt, vor allem wesentlich leichter, als sich die Situation für die Hertha nun darstellt. Denn die könnte kaum komplizierter sein. Da ist eine Mannschaft, die nicht als Mannschaft auftritt, die im Heimspiel gegen eine keineswegs überragende Eintracht eine bedenkliche Nicht-Leistung zeigte und verdient 1:4 verlor, die nicht nur punktemäßig das schlechteste Bundesligateam des Jahres ist, sondern auch fußballerisch.

Hertha BSC: Tayfun Korkut schon wieder vor dem Aus – Wer soll Abstieg verhindern?

Da ist ein Trainer, Tayfun Korkut, der eben jene Kickerei qua seines Postens zu verantworten hat, der ja schon der zweite Hertha-Trainer dieser Runde ist, der in zwölf Spielen lediglich neun Punkte ergattern konnte, der sich nach der Frankfurt-Pleite laute „Korkut-raus-Rufe“ anhören musste und hinterher in stark nach Durchhalteparolen klingende Sätze verfiel. „Ich bin immer noch überzeugt, nicht nur von meiner Arbeit, sondern auch von der Mannschaft.“ Alles andere käme freilich einer Selbstaufgabe gleich.

Anzeichen dafür hat der am Saisonende scheidende Sportdirektor Arne Friedrich längst erkannt. „Wir müssen jetzt endlich mal den Arsch hochkriegen, das muss man ganz klar sagen.“ Wohlgemerkt: Das waren seine Worte zur Pause, als die Berliner gerade mal 0:1 zurücklagen. Es ist eine gefährliche Mischung aus mangelndem Zutrauen, Unvermögen, auch Ungläubigkeit, die sich derzeit bei der Hertha breitmacht, die trotz klarster Warnungen von Bossen wie Trainer nicht bei den Profis anzukommen scheint.

Ex-Frankfurter Marc-Oliver Kempf von Hertha BSC: „Mich kotzt das übertrieben an“

„Ich weiß nicht, ob manche nicht verstanden haben, dass wir im Abstiegskampf sind“, sagte der erst im Winter aus Stuttgart verpflichtete Marc-Oliver Kempf. Und der Ex-Frankfurter legte nach: „Jede Taktik der Welt ist scheißegal, wenn man nicht die Einstellung an den Tag legt, wenn man nicht läuft, wenn man nicht macht, wenn man nicht tut. Mich kotzt das übertrieben an.“

Fast noch schlimmer als solch ein astreiner Wutausbruch: ironische Gleichgültigkeit. So tönte es aus der Ostkurve des Olympiastadions, dort wo die treuen Hertha-Fans stehen: „Oh, wie ist das schön...“. Die Frankfurter Gäste stimmten fröhlich ein, und Fredi Bobic dampfte längst nicht mehr nur innerlich. Im Gegensatz zur Vorwoche, als er Korkut öffentlich eine Jobgarantie ausgesprochen hatte, ließ er den erneuten Rückschlag unkommentiert. Manchmal sagt ein Schweigen mehr als tausend Worte. (Daniel Schmitt)

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