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Nächstes Endspiel für Eintracht Frankfurt in Lissabon

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Von: Ingo Durstewitz

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Wollen auch in Lissabon jubeln: Eintracht Frankfurt. Foto: AFP
Wollen auch in Lissabon jubeln: Eintracht Frankfurt. © dpa

Eintracht Frankfurt will bei Sporting Lissabon erneut Geschichte schreiben und ihre gute Champions-League-Saison mit dem Einzug ins Achtelfinale krönen.

Frankfurt – So ein bisschen hadert der Frankfurter Vordenker Axel Hellmann mit der Ansetzung des großen Showdowns in Lissabon, Dienstagabend schon, 21 Uhr, Estadio José Alvalade. Klar, ändern kann es der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt sowieso nicht, und er sorgt sich auch weniger darum, dass die Mannschaft aufgrund des knüppelharten Programms in den vergangenen Wochen ausgepowert sein könnte. Sie hat ja schon oft genug das Gegenteil bewiesen.

Aber so ein klein wenig mehr Vorlauf hätte sich der 51-Jährige sehr wohl gewünscht, um gemeinsam mit allen Mitstreitern diese spezielle Eintracht-Magie zu erzeugen, diese besonderen Vibrationen, die sich immer dann über den Klub, die Stadt und die Region legen, wenn etwas Großes bevorsteht. Es ist dieses Elektrisierende und Pulsierende, das Energie erzeugt, die wiederum Unmögliches möglich werden lässt. Es sei an dieser Stelle, nur nebenbei und aus alter Gewohnheit, an den Europa-League-Triumph erinnert, 18. Mai, Sevilla, die Nacht für die Ewigkeit.

Eintracht Frankfurt: Besondere Konzentration auf ein besonderes Ereignis

„Ich liebe dieses tolle Fluidum“, sagt Hellmann und hätte sich ein paar Tage des Hinfieberns auf den nächsten Showdown erhofft. „Dann wäre der Topf wieder schön am Köcheln gewesen.“

Aber auch so spürt der Vorstand wieder eine besondere Konzentration auf dieses besondere Ereignis, die einmalige Chance, ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. „Wir werden wieder diesen Geist beschwören“, sagt er. Zum Weiterkommen braucht es nicht mehr und nicht weniger als einen Sieg bei Sporting Lissabon am Dienstagabend (21 Uhr/Dazn). Dann wäre den Frankfurtern das Überwintern in der Königsklasse nicht zu nehmen. „Hop oder top“, sagt Hellmann. „Das ist es, was wir lieben, wir lieben diese Endspiele.“ Ein Einzug in die Runde der letzten 16 wäre ein erneuter Quantensprung. „Es wäre für uns das erste Mal, es wäre historisch“, sagt Axel Hellmann, der ein Weiterkommen als „nächsten Entwicklungsschritt unseres Klubs“ ansehen würde. „Wir arbeiten immer wieder daran, unsere Grenzen zu verschieben. Auch dieses Mal wieder.“

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche fiebert Entscheidungsduell entgegen

Zumal eine Stange Geld auf dem Spiel steht, allein für das Erreichen des Achtelfinales sprudelt eine Prämie in Höhe 9,6 Millionen, für den Sieg in Portugal 2,8 Millionen. Alles in allem geht es um 15 Millionen Euro, mindestens. „Auch wirtschaftlich wäre das für uns ein Meilenstein“, befindet Hellmann. Doch, merke: Der Konjunktiv ist halt auch immer noch stark im Spiel. Lässt sich nicht vermeiden.

Sportvorstand Markus Krösche ist naturgemäß eher auf das fixiert, was sich auf dem Gras abspielt, er kann es kaum erwarten, bis das Entscheidungsduell angepfiffen wird. „Man sollte in solch ein Spiel nie mit Angst gehen oder es als Risiko sehen, sondern immer als Chance und Herausforderung betrachten“, bekundet der 42-Jährige und schiebt schmunzelnd nach: „Getreu meinem Motto: Der Optimist hat nicht häufiger Recht als der Pessimist – aber er hat mehr Spaß dabei.“

Champions-League-Partie für Eintracht Frankfurt „extrem wichtig“

Für Eintracht Frankfurt sei die Partie „extrem wichtig“, wie der Manager betont. „Wir wollen am Dienstag das i-Tüpfelchen auf unsere bisherige Champions-League-Saison setzen, das wäre ein Riesenerfolg. Auch weil uns das nicht alle zugetraut haben. Es gab ja schon Stimmen, die meinten: ,Das reicht nicht für die Champions League.’ Von daher wäre es eine Super-Geschichte – auch was unsere Wahrnehmung in Europa angeht.“ Die Eintracht auf dem Weg zum Big Player?

Sportchef Krösche kann schon jetzt einen gewissen Stolz nicht verhehlen, es in der „ausgeglichenen Gruppe“ so weit gebracht zu haben. „Es ist ein schönes Spiel, weil wir uns diese Konstellation erarbeitet haben.“ Die Eintracht auf Rang drei in Lauerstellung, punktgleich mit Sporting, einen Zähler vor Olympique Marseille und einen hinter Tottenham Hotspur. Es ist alles drin am letzten Spieltag – für jeden der vier Vereine. Ein abschließender Erfolg in der portugiesischen Kapitale wird schwer genug zu erringen sein, im Hinspiel hat die Eintracht reichlich Lehrgeld gezahlt und ist innerhalb einer halben Stunde quasi abgeschossen worden, 0:3. Es herrschte auf einen Schlag große Ernüchterung.

Knifflige Aufgabe für Eintracht Frankfurt gegen Lissabon in der Champions League

Doch Eintracht Frankfurt von heute ist reifer als die Eintracht von vor zwei Monaten, sie hat ihr Niveau kontinuierlich nach oben geschraubt und dominiert mittlerweile selbst Mannschaften wie Borussia Dortmund fast nach Belieben, selbst wenn es am Samstag eine unsagbar ärgerliche, weil unverdiente und unnötige 1:2-Niederlage setzte. Knifflig wird‘s dennoch gegen Lissabon. „Das Spiel wird ähnlich wie das gegen Marseille, Sporting hat eine Super-Mannschaft, es wird ein Duell auf Augenhöhe“, analysiert Markus Krösche und fordert: „Da muss man konsequent verteidigen, vorne eiskalt sein und seine Chancen nutzen. Jeder muss 100 Prozent bringen. Dann werden wir unsere Chancen bekommen.“

Die Verwertung der Möglichkeiten war gegen Dortmund das große Problem, doch da einen Trend abzuleiten, verbietet sich eigentlich. Bisher bestachen die Frankfurter in vielen Spielen durch erstaunliche Effizienz. Gerade in der Offensive.

Kreativ- und Angriffsabteilung trägt Eintracht Frankfurt durch diese Saison

Die Kreativ- und Angriffsabteilung trägt Eintracht Frankfurt durch diese Saison, was Vorstand Hellmann durchaus bemerkenswert findet. Das Managen der jährlichen Fluktuation sei eine Herkulesaufgabe und daher aller Ehren wert. „Erst die Büffel weg, dann Silva weg, dann Kostic weg“, zählt er plakativ auf. Doch einen Einbruch habe es nie gegeben, ganz im Gegenteil. Eine beeindruckende Gesamtleistung. „Wenn wir das krönen könnten, wäre das ein Pfund für die Zukunft“, glaubt der Jurist. Die Bewältigung des ständigen Umbruchs „ist die eigentliche Leistung“, das sei nur möglich durch „die Grundstabilität des Klubs, sie ist unser Pfeiler“. Anderen ist es anders ergangen. „Andere Klubs, die eine ähnliche Häutung durchmachten, haben ganz empfindliche Abstürze hinnehmen müssen.“ Die Eintracht scheint indes in jedem Umwälzungsprozess gewachsen zu sein, ganz sicher auch, weil die Verantwortlichen auf allen Ebenen, von Aufsichtsrat über Vorstand bis hin zum Management und Trainerteam, sehr viele wegweisende, richtige (personelle) Entscheidungen getroffen haben.

Ganz zum Schluss ist Axel Hellmann gefragt worden, ob denn ein dritter Rang in der Königsklassen-Gruppe und also ein Platz in der Europa League im neuen Jahr eine Enttäuschung für den Titelverteidiger Eintracht wäre. „Wäre es ganz sicher nicht“, antwortete er und erteilte sich ein kurzfristiges Redeverbot. „Aber davon spreche ich jetzt ganz sicher nicht.“ Es liegt noch etwas vor dem Klub, etwas Großes, Dienstag, 21 Uhr, Estadio José Alvalade, Lissabon. Achtelfinale oder nicht. (Ingo Durstewitz)

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