+
Muskelspiele in Salzburg: Doppeltorschütze André Silva (links) jubelt mit Filip Kostic (Mitte) und Daichi Kamada.

Eintracht Frankfurt

Nächster Halt Basel

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Die Eintracht holt durch zwei Tore von André Silva ein 2:2 in Salzburg, zieht ins Achtelfinale der Europa League ein und trifft dort auf den Schweizer Vertreter - „ein gutes Los“, findet Sebastian Rode.

Die tief im Juli 2019 gestartete Reise quer durch Europa geht auch im Winter 2020 weiter. Nach einem konfusen Beginn, einem kleinen Zwischenspurt und einem souveränen Ende hat Eintracht Frankfurt als letztes Team der Europa League das Ticket fürs Achtelfinale gelöst – dank einer kämpferisch ansprechenden Leistung und Stürmer André Silva, der gleich zwei blitzsaubere Tore machte beim 2:2 (1:1) in Salzburg. Durch das 4:1 im Hinspiel in Frankfurt darf sich der Klub aus dem Herzen von Europa weiterhin international präsentieren, am 12. März geht es zunächst zu Hause gegen den FC Basel, ehe es eine Woche später zum Rückspiel in der Schweiz kommt. Eine lösbare Aufgabe.

Auch wenn Sportvorstand Fredi Bobic pflichtgemäß warnte: „Basel ist ein starker Gegner und hat jahrelang in der Champions League gespielt.“ Auch Trainer Adi Hütter, drei Jahre in der Schweiz tätig, fand mahnende Worte: „Das ist ein toller Verein, wir brauchen zwei sehr gute Tage, um weiterzukommen.“

Ehe die nächste Runde erreicht war, musste die Eintracht Schwerstarbeit verrichten. „Es war ein rasantes Match“, urteilte Bobic. „Die Jungs haben es gut gemacht, das Ergebnis ist okay, wir sind verdient weiter gekommen. Das war gegen eine starke Mannschaft wie Salzburg, die aus der Champions League kommt, nicht unbedingt erwartbar.“

Hinter der Frankfurter Entourage liegen aufregende Tage, das ursprünglich für Donnerstag angesetzte Spiel an der Salzach fiel ja dem dann gar nicht so stürmischen Orkan „Bianca“ zum Opfer und wurde am Freitag nachgeholt. In der Zwischenzeit wurde auch noch der nächste Europapokalgegner ausgelost, jener FC Basel, und mal eben die für Sonntag angesetzte Bundesligapartie in Bremen auf unbestimmte Zeit verschoben. Turbulenzen, die eine nicht so gefestigte Mannschaft etwas tangieren und durchrütteln können, auch wenn die Sportliche Leitung alles versuchte, die Spieler abzuschirmen und den Fokus auf das wichtige Spiel am frühen Abend zu legen. „Das alles hat natürlich schon etwas Unruhe gebracht“, sagte Hütter.

Trotz des 4:1-Erfolges im Hinspiel ging so ein bisschen die Furcht um, die Eintracht könne die fast perfekte Ausgangsposition noch herschenken und das sicher geglaubte Weiterkommen vergeigen. Zu wankelmütig und anfällig zeigten sich die Hessen zuletzt.

Diese Sorge schien anfangs nicht einmal unbegründet, das erneut auf fünf Positionen veränderte Team kam nicht so recht in die Partie hinein, während die Österreicher einen wütenden Angriff nach dem nächsten fuhren. Besonders lange mussten die Salzburger Fans, die sich stilvoll mit einer selbst initiierten Schweigeminute für die dämlichen Zwischenrufe während der Gedenkminute vor acht Tagen entschuldigten („Wir schweigen für Hanau“), nicht warten, ehe ihr Team in Führung ging. Daichi Kamada ging zu halbherzig in einen Zweikampf, und Andreas Ulmer hämmerte die Kugel unter die Latte (10.). „Kamada ist zu zaghaft, und der Ball geht im kurzen Eck rein. Es gibt auch Tage, da hält Kevin Trapp den“, sagte Sportchef Bobic.

Die Eintracht torkelte in den Folgeminuten von einer Verlegenheit in die nächste, Sekou Koita zwang Torwart Kevin Trapp zu einer Glanztat (12.), dann flipperte der Ball mal durch den Eintracht-Strafraum, ehe eine Ecke auf die nächste folgte und Enock Mwepu knapp scheiterte (13.). „Es gab da den einen oder anderen Moment, da dachte ich, es könnte sehr, sehr unangenehm werden, wenn wir das zweite Tor kassieren“, sagte Hütter. Die Salzburger trugen ihre Angriffe stets über links nach vorne, wo der matte Almamy Touré um Orientierung bemüht war, sie aber lange Zeit nicht fand.

Nur ganz allmählich befreiten sich die Gäste aus der Umklammerung. Daichi Kamada kam erstmals vielversprechend nach vorne, wurde aber von Keeper Cican Stankovic gestoppt (18.). Die Eintracht brachte die Partie besser unter Kontrolle, spielerisch blieb sie Vieles schuldig, was bei insgesamt acht defensiv eingestellten Spielern auch nicht verwunderte, aber sie schaffte es jetzt, immer wieder mal Nadelstiche zu setzen und die risikoreich spielenden Österreicher mit schnellen Attacken zu überrumpeln. Das war der Plan von Coach Adi Hütter, und dass es Raum geben würde, war nur allzu logisch.

Es war alles andere als Zufall, dass die drei offensivstarken und fußballerisch guten Akteure auch für den Ausgleich verantwortlich zeichneten. Nach einem Ballgewinn von Djibril Sow schaltete Kamada schnell um, brachte Filip Kostic ins Spiel, und dessen präzise Hereingabe drückte der starke André Silva per Kopf ins Tor (30.). Das beruhigende 1:1, „das hat ihnen den Stecker gezogen“, fand Hütter und lobte den Torschützen: „Er geht auf die ersten Stange, das Tor hat er sensationell gemacht. André hat ein tolles Spiel gemacht.“ Vorstand Bobic erwähnte eigens Vorbereiter Kostic: „Die Flanke war Weltklasse. Aber auch stark von André, er will unbedingt das Tor machen.“

Die Frankfurter gingen im zweiten Abschnitt aber mit ihren vielen Konterchancen fahrlässig um, Filip Kostic war gleich mehrfach durchgebrochen, passte aber entweder zu steil auf Silva (66.) oder schoss zu unpräzise aufs Tor (70.). „Wir hätten in Führung gehen, die Konter besser zu Ende spielen müssen“, haderte Hütter. Das sollte sich tatsächlich rächen, nach einer Ecke übersprang Jerome Onguene Martin Hinteregger und köpfte zum 2:1 ein (72.). Ging da noch was für den österreichischen Abo-Meister?

Coach Hütter antwortete mit einer unter ihm in Frankfurt nie gesehenen Ultra-Defensivtaktik, er brachte Danny da Costa für Kamada und stellte Stefan Ilsanker hinten hinein in die Viererkette. Das ergab einen Fünferabwehrriegel plus Viererkette davor. Ein für Hütter ungewöhnliches, aber zweckorientiertes Vorgehen. Und eines, das sich auszahlen sollte: André Silva war es, der mit einem leicht abgefälschten Schlenzer zum 2:2 den Deckel draufmachte (83.) und die Eintracht in die nächste Runde zum FC Basel schoss. „Ein gutes Los“, urteilte Mittelfeldspieler Sebastian Rode und freute sich auf das nächste Highlight, das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen am Mittwoch: „Das wird ein geiler Abend.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare