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Mensch, ist das Stadion groß. Heinz Lindner.

Eintracht Frankfurt

Der nächste Schritt

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Der neue Frankfurter Torwart Heinz Lindner hat seine Karriere genau geplant. Sportdirektor Bruno Hübner nennt den Österreicher einen „ambitionierten und entwicklungsfähigen Torwart“.

Als Klein-Heinzi noch zur Schule ging, auf die Sporthauptschule im Linzer Stadtteil Kleinmünchen, hat es ein paar Momente gegeben, in denen er gezweifelt hatte: Fußballer oder Leichtathlet, das war seinerzeit die Frage. Denn Heinz Lindner war in jungen Jahren auch ein guter Leichtathlet, er war mal Nachwuchs-Bundesmeister im Vierkampf. Und zur gleichen Zeit schon ein prima Torwart, der bereits im zarten Alter von sechs Jahren zwischen den Pfosten beim LASK Linz stand. Heinz Lindner hat sich dann doch für die Karriere als Fußballer entschieden, vermutlich war das keine ganz falsche Entscheidung.

Rat von Weißenberger

Am Dienstag weilte er in Frankfurt, der Zweijahresvertrag bei der Eintracht war unterzeichnet, da blieb noch ein bisschen Zeit für ein wenig Sightseeing in der Stadt und ein erster Blick ins Stadion. Heinz Lindner, Mitte Juli wird er 25 Jahre alt, war beeindruckt. „Sehr, sehr schöne Stadt“, sagte er, er sei „positiv überrascht“. Noch besser freilich fand er die Arena im Stadtwald: „Ich habe noch nie in so einem großen Stadion gespielt“, staunte er. Bei der Austria in Wien, seinem Stammklub, fasst das Stadion ganze 13 400 Zuschauer. Ins größte Stadion in Österreich passen 47 000 Zuschauer, bei der Eintracht hat er alle 14 Tage oft mehr als 50 000. „Was hier abgeht, ist ein Traum“, sagt der gebürtige Linzer, „das eine oder andere Spiel“ wolle er schon in dieser Arena bestreiten.

Heinz Lindner, den Sportdirektor Bruno Hübner einen „ambitionierten und entwicklungsfähigen Torwart“ nennt, ist in Frankfurt als Nummer zwei geholt worden. Dreimal hat ihn der neue, alte Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz in Wien spielen gesehen. „Er ist ein junger Mann mit Potenzial, da kann man schon was rausholen“, sagt Petz über den neuen Ballfänger, der seine Stärken auf der Linie hat. Dazu sei er ehrgeizig. Den Wechsel in die deutsche Bundesliga hat Lindner als nächsten Karriereschritt geplant. Landsmann Markus Weißenberger, den Ex-Eintracht-Profi, hat er vorher um Rat gefragt. Schon vor langer Zeit habe er Austria Wien mitgeteilt, dass er seinen im Sommer auslaufenden Kontrakt nicht verlängern werde, „weil ich mich weiterentwickeln will“. Die Zeit sei reif „für einen Tapetenwechsel“, ohnehin sei es für jeden Fußballer Österreichs erstes Ziel, im Ausland zu spielen. Dazu sei Lindner, sagt Petz, „vom Typ her ein feiner Mensch, keiner, der groß auf den Putz haut“. Und selbstkritisch ist er auch: In einem Interview mit dem „Kurier“ in Österreich antwortete der 24-Jährige auf die Frage, ob er sich in den letzten zwei Jahren etwas vorzuwerfen habe, dies: „Meine Leistungen waren nicht immer das Gelbe vom Ei.“ Schwächen hat Lindner, der nach der Vertragsunterzeichnung mit der Freundin in den Urlaub geflogen ist, in der Strafraumbeherrschung und mit dem Ball am Fuß. „Am linken müssen wir noch arbeiten“, sagt Petz.

Durchbruch unter Stöger

Dessen ungeachtet verfügt Lindner über eine Menge Erfahrung. Er hat binnen acht Jahren 166 Liga-Spiele für Austria Wien auf dem Buckel, seinen Durchbruch schaffte er übrigens unter dem Trainer Peter Stöger, der jetzt den 1. FC Köln anleitet. Er wurde in der Saison 2012/2013 österreichischer Meister, zudem zum Torhüter der Saison gewählt. Sein früherer Torwarttrainer Franz Gruber sagte, er sei vor allem Lindners Verdienst gewesen, in der Champions League spielen zu können. Die Austria, die diese Saison als Siebter von zehn Klubs enttäuschend abschnitt, schied seinerzeit nach sechs Spielen in der Gruppenphase aus. Zudem ist er derzeit Torwart Nummer zwei in der österreichischen Nationalelf hinter Robert Almer, der – kurioserweise – jetzt von Hannover 96 kommend den bei der Austria verwaisten Platz unter der Latte einnimmt.

Trotz der Verpflichtung von Lindner will Eintracht Frankfurt, sollte Kevin Trapp tatsächlich das Millionen-Angebot von Paris Saint-Germain annehmen, einen weiteren Torhüter verpflichten. Auch der Name Roman Weidenfeller wird gespielt. Welche Rolle künftig in Frankfurt der Aserbaidschaner Emil Balajew spielt, den der ehemalige Trainer Thomas Schaaf erstaunlicherweise als Nummer zwei vorgesehen hat, ist offen. „Ich kenne ihn nicht“, sagt Petz. „Ich muss ihn mir anschauen.“ Balajew, der zuletzt noch mit der aserbaidschanischen Nationalelf im Einsatz war, wird beim Frankfurter Trainingsstart am 1. Juli noch fehlen.

Heinz Lindner aber beginnt sein Eintracht-Abenteuer mit zwei Heimspielen. Beide Trainingslager werden in Österreich aufgeschlagen, beim zweiten in Windischgarsten ist auch ein Spiel in seiner Heimatstadt Linz vorgesehen. „Da lade ich meine ganze Familie ein.“

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