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Wird sich auch in Stuttgart wieder voll reinhängen: Eintracht-Angreifer Ante Rebic (re.), hier gegen den Nürnberger Hanno Behrens.

VfB Stuttgart - Eintracht Frankfurt

Nächste Reifeprüfung für Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurt will in Stuttgart einen Schritt nach vorne machen.

Die Elogen wollen nicht enden, auch jetzt nicht, da die Frankfurter Ballermänner in Nürnberg so ein wenig aus dem Rhythmus gebracht wurden und im Frankenland nur ein kümmerliches Törchen zu Stande brachten, und das auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem Fußallspiele ohne Extrazeit eigentlich schon beendet sind. Verdammt wichtig war der Treffer zum 1:1-Endstand  von Sebastien Haller natürlich dennoch. Also ließ sich Matthias Sammer, der emotionale Heißsporn, der gleichwohl ganz kühl und messerscharf analysieren kann, bei Eurosport zu einer wahren Lobeshymne hinreißen: „Vor dem System Eintracht Frankfurt muss man sich fast verneigen.“ Da hat er aber laut gebrüllt, der TV-Experte.

Der entscheidende Faktor sei die Sportliche Leitung um Fredi Bobic, Bruno Hübner und Ben Manga. Diese Männer geben die Leitlinie vor und haben auch mit ihrer Transferpolitik dafür gesorgt, dass die Mannschaft nach dem Wegfall „der Achse an Führungsspielern und jungen Hungrigen“ dennoch in der Spur geblieben ist. „Das haben sie wieder exzellent geschafft“, findet Matthias Sammer. 

Heute Abend wartet die nächste Reifeprüfung auf den Bundesligisten, dann geht es beim schwer taumelnden VfB Stuttgart (20.30 Uhr) auch darum, den Anschluss nach oben zu halten. Keine leichte Aufgabe, die Schwaben strotzen zwar gewiss nicht vor Selbstvertrauen, sie sind Letzter des Tableaus, der Effekt des Trainerwechsels von Tayfun Korkut hin zu Markus Weinzierl ist kurzfristig erst einmal verpufft, der neue Mann hat sich mit zwei 0:4-Klatschen (gegen Dortmund und Hoffenheim) eingeführt – sehr viel schlechter geht es nicht. Nur ein gewisser Slobodan Cendic war noch bescheidener aus den Startlöchern gekommen, er legte beim FC 08 Homburg mit einem 0:3 und einem 0:6 los. Das liegt schon ein paar Tage zurück, mehr als drei Jahrzehnte.

VfB  Stuttgart wittert seine Chance

Und doch können genau solche Kontrahenten ja ganz gefährlich sein, so wie angeschlagene Boxer, die nichts mehr zu verlieren haben. Der VfB wittert seine Chance. „Ich erwarte ein heißes Spiel“, sagt daher Eintracht-Trainer Adi Hütter, „sie wollen ihre Serie reißen lassen.“ Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass auch die Serie der Eintracht reißt, die seit sechs Pflichtspielen nicht mehr verloren und fünf von diesen Begegnungen gewonnen hat. 

Das wollen die Hessen, man kann es sich denken, mit allen Mitteln verhindern. Auch wenn Coach Hütter die mit großen Ambitionen gestarteten Stuttgarter für einen Gegner hält, der sich irgendwie in diese unschönen Gefilde verirrt hat. „Sie haben Qualität, und diese Qualität stimmt nicht mit dem Tabellenplatz überein.“ Was zu beweisen wäre. 

Dennoch hat der 48-Jährige ein gutes Gefühl. Das liegt in erster Linie an der grundsätzlichen Beschaffenheit seiner Mannschaft, „der Mentalität“, aber auch an den Trainingseinheiten. Der Österreicher ist seiner Intuition gefolgt und hatte seinen Spielern am Dienstag einen freien Tag gegönnt, was in einer sehr kurzen Woche nach einem Sonntagsspiel und mit einem bevorstehenden Freitagsspiel eher ungewöhnlich ist, aber das erste Training am Mittwoch hat den Coach in seinen Bann gezogen: hohe Intensität, große Bereitschaft, eine Menge Galligkeit. „Ich habe ein sehr, sehr gutes Training von der Mannschaft bekommen.“ 

Der Fußballlehrer glaubt ohnehin, dass die paar Tage Pause seinem Team gut getan haben. Nach dem Europapokalspiel gegen Limassol hatten die Hessen lediglich 61,5 Stunden Zeit, um sich für die Auswärtspartie in Nürnberg zu präparieren. In der Aufarbeitung des glücklichen Remis‘ beim Club sein diese kurze Spanne ein Thema gewesen. „Wir haben mit den Spielern gesprochen, sie hatten nicht das Gefühl, diese Spritzigkeit zu haben.“

Frische, Aggressivität, Laufbereitschaft, Tempo – das braucht die Eintracht aber, wenn sie ihr Spiel durchbringen will. Hütter ist optimistisch, diese Stärken wieder auf den Platz bringen zu können. Seine Spieler sollen die Schwaben attackieren und nicht zur Ruhe kommen lassen. „Wir wollen selbst aktiv sein“, sagt er. „Wir wollen nicht zu weit hinten verteidigen, sondern eine Etage weiter vorne.“ Aber mit Sinn und Verstand, ins offene Messer laufen, nein, das ist keine Option. 

Haller und Rebic in vorderster Linie?

Die Frage wird sein, welche Sturmformation der Trainer aufbieten wird. Vieles spricht für Sebastien Haller und Ante Rebic in vorderster Linie. „Das ist eine gute Konstellation“, sagt Hütter. Aber alle anderen Varianten wären, selbstredend, auch gute Optionen. Mijat Gacinovic soll die Angreifer weiterhin mit Zuspielen beliefern, auch wenn das nicht immer so klappt wie erhofft. Hütter lobt den Serben für seinen Fleiß und sein Engagement, aber ihm sind die „leichten Abspielfehler“ nicht verborgen geblieben. Das habe man mit dem 23-Jährigen besprochen und ihm auch Videounterstützung zukommen lassen. „Er muss ruhiger am Ball werden, er ist ein guter Spieler, aber noch nicht fertig.“ 

Die Frankfurter orientieren sich im Klassement, egal in welcher personellen Besetzung, nach oben, und daher müssen sie Spiele wie das heutige eigentlich gewinnen. Das Anspruchsdenken hat Torwart Kevin Trapp nach dem 1:1 in Nürnberg dokumentiert. „Wir hatten die riesige Möglichkeit, uns oben festzusetzen, noch mal bis auf einen Punkt an die Champions-League-Plätze ranzukommen.“ Für TV-Experte Sammer ist der Keeper auch ein Schlüssel zum Erfolg: Trapp sei in Paris gereift, da sei eine neue Denke implantiert worden. „Er hat ein Gen erhalten, das er trägt, das ausfächert und das er spürt.“ 

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