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Die nächste Blamage für die Eintracht

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Zumindest die Sprache hat es Niko Kovac noch nicht verschlagen.
Zumindest die Sprache hat es Niko Kovac noch nicht verschlagen. © dpa

Eine abermals völlig enttäuschende Frankfurter Eintracht verspielt in Mainz eine 2:0-Führung, geht mit 2:4 unter und taumelt wie ein angeschlagener Boxer dem Pokalfinale entgegen.

Irgendwann bremste sich Niko Kovac selbst. Der Eintracht-Trainer hatte Schiedsrichter Marco Fritz in seiner Nachbetrachtung bereits mehrfach angezählt, weil dieser eine Abseitsstellung von Jhon Cordoba übersehen habe und der Kolumbianer dadurch den FSV Mainz 05 mit dem 1:2-Anschlusstreffer zurück ins Spiel gebracht hatte, doch dann hielt der 45-Jährige inne und sagte nur noch einen Satz, der unwidersprochen verhallte: „Ich suche nicht nach Entschuldigungen.“ War dann auch besser so.

Eintracht Frankfurt befindet sich nach dem 2:4 (1:0) in Mainz weiter im freien Fall, und es scheint niemand in Sicht, der den Absturz bremsen oder zumindest abfedern könnte. Das einzig Gute: Tabellarisch kann es nicht mehr sehr viel weiter nach unten gehen, schlimmstenfalls noch auf Rang zwölf. Doch das spielt auch keine Rolle mehr.

Die Rückrunde ist völlig verkorkst, zwölf Punkte aus 16 Partien, ein Sieg in den vergangenen 14 Begegnungen - hätten die Hessen nicht eine solch herausragende Hinrunde gespielt, wären sie jetzt ein sicherer Absteiger. Vieles erinnert mittlerweile an die Rückrunde der Schande von 2011. Absteigen können die Frankfurter indes nicht mehr.

Genauso wenig wie Mainz 05 übrigens, der FSV hat sich durch den Sieg am vorletzten Spieltag gerettet. Während die Rheinhessen völlig ausgelassen mit ihren Fans feierten, liefen die Eintracht-Spieler im Zuckeltrab aus – wie die begossenen Pudel.

In Mainz hat die Eintracht ihre Negativserie in der Rückrunde 2017 um eine weitere Episode bereichert, in nahezu grotesker Art und Weise verspielten die Hessen einen 2:0-Vorsprung und mussten sich dem Lokalrivalen vom Rhein mit 2:4 geschlagen geben. Es war insgesamt eine peinliche Vorstellung, die in einer waschechten Blamage endete. Bei Torwart Lukas Hradecky lagen nach der gleichsam unnötigen wie unerklärlichen Niederlage die Nerven einigermaßen blank.

Beim Gang in die Kabine traktierte er die Tür mit einem Faustschlag, und später, als der Finne wieder etwas runtergekühlt war, analysierte er zwar ruhig, aber doch völlig ratlos: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir spielen einfach eine schlechte Rückrunde.“ Wieso, weshalb, warum? Hradecky zuckte mit den Achseln. „Wir müssen jetzt alle Kräfte fürs Pokalfinale bündeln.“ Der Keeper sah dabei so aus, als wisse er selbst nicht, wie das funktionieren solle in Berlin am 27. Mai. Dann hat Eintracht Frankfurt, in der derzeitigen Verfassung, wohl nur eine Chance, die Dortmunder zu schlagen, wenn jeder Borusse eine Bleiweste umgeschnallt bekommt. Das wird eher nicht passieren.

Dabei sahen die Hessen am Samstagnachmittag wie der sichere Sieger aus, Branimir Hrgota (42.) und Haris Seferovic (50.) hatten sie in Führung geschossen. Wie es dazu kam, ist jedoch auch nicht unbedingt zu ergründen. „Zufällig“ seien die Tore gefallen, wie Torwart Hradecky zutreffend anmerkte. Es war ein niveauarmes Bundesligaspiel zweier schlechter Mannschaften.

Mainz kommt zurück ins Spiel

Und dann kamen die Mainzer durch den umstrittenen Treffer von Cordoba zurück ins Spiel (60.), zwei Minuten später machte der frühere Frankfurter Stefan Bell per Kopf den Ausgleich – und schließlich nahm das Unheil seinen Lauf. Yoshinori Muto (76.) und Pablo de Blasis per Strafstoß (90.) machten den Deckel drauf auf eine merkwürdige Bundesligapartie. Schlussmann Hradecky konnte nicht fassen, wie man sich das Spiel noch aus der Hand nehmen lassen konnte. „Vier Tore in einer halben Stunde – das ist unmöglich“, schimpfte er und wirkte desillusioniert. „Wir können den Ball nicht annehmen, wir fabrizieren Freistöße, obwohl klar angesprochen wurde, dass wir das vermeiden sollen.“ Und so kam das eine zum anderen.

Sportdirektor Bruno Hübner schob auch Schiedsrichter Fritz den Schwarzen Peter zu, immerhin fügte er hinzu: „Wir haben zu wenig gemacht, wollten nur noch verwalten. Wir haben nach 60 Minuten aufgehört, Fußball zu spielen. Vier Tore in 30 Minuten, das geht einfach nicht. Da müssen wir uns anders aufstellen und anders wehren.“

Indes ist die Mannschaft nicht mehr in der Lage dazu, sie geht auf dem Zahnfleisch, wirkt körperlich und mental total ausgelaugt. Jegliche spielerische Linie ist ihr obendrein abhandengekommen, auch in Mainz wurde nur quer oder zurück oder lang gespielt. Keeper Hradecky verzeichnete 65 Ballkontakte – mehr als jeder andere Eintracht-Spieler. Das sagt auch viel aus.

Die Eintracht ist in diesem Zustand auf diesem Niveau nicht mehr wirklich konkurrenzfähig, zu viele Spiele sind gänzlich außer Form (Gacinovic, Fabian, Barkok, Chandler) oder sie können es einfach nicht besser (Tawatha, Besuschkow). Wie die Eintracht noch mal die Kurve kriegen soll, weiß derzeit niemand. Ob er sich Sorgen mache wegen des Endspiels in zwei Wochen, ist Kovac gefragt worden. „Nein, Sorgen mache ich mir nicht“, antwortete er. „Ein Pokalspiel ist anders, da geht das Flutlicht an, das ist eine andere Atmosphäre“. Wenn das die einzige Hoffnung ist, dann sollte man sich allerdings sehr wohl ein paar Sorgen machen um Eintracht Frankfurt.

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