+
Gegen Gladbach wieder im Frankfurter Kader: Verteidiger Marco Russ.

Eintracht Frankfurt

Nachteulen und Zappelphilippe

  • schließen

Der hessische Bundesligist nimmt am Freitagabend gegen Gladbach einen neuen Anlauf, ein Heimspiel zu gewinnen - und setzt dabei auch auf eine beeindruckende Serie.

Wirklich überraschend war es nicht, dass Niko Kovac 24 Stunden vor dem fälligen Bundesligaspiel von Eintracht Frankfurt dem Gegner forsch die Favoritenrolle zuschob. Borussia Mönchengladbach habe „berechtigte Ambitionen in der Liga“, verfüge zudem über Erfahrung auf internationaler Bühne sowohl in Champions League als auch Europa League und überhaupt: Nie würde der Frankfurter Coach sein Team ohne Not unter Druck setzen, man müsse stets demütig sein.

Der zweite Platz winkt

Dabei braucht die Frankfurter Eintracht bislang ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, Fünfter gegen Siebter lautet die Partie heute Abend, ab 20.30 Uhr, 46 500 Karten sind bislang verkauft worden, und beide Teams können, mindestens für eine Nacht, Tabellenzweiter werden; den Gladbachern reicht bereits ein Remis, die Frankfurter müssten gewinnen.

Nun ist das mit dem Gewinnen in Heimspielen in Frankfurt so eine Sache, zweimal ist es den Hessen erst gelungen. Dabei „ist ein Heimsieg doch das Schönste“, findet Kovac, dem im Grunde egal ist, wo die erforderlichen Zähler geholt werden. Erklären kann der Fußballlehrer diese miese Bilanz nicht, andererseits habe man immerhin neun Punkte geholt, „es geht auch schlechter“. Das Problem ist auch: „Auf Knopfdruck wirst du nicht zur Heimmacht.“ Kovac möchte an die guten Leistungen der letzten Spiele anknüpfen, „wir wollen den Auswärtssieg in Wolfsburg zu Hause vergolden“, sagt er. Immerhin kann er auf eine Mut machende Statistik zurückblicken: Die vergangenen zehn Flutlichtspiele hat die Eintracht nicht verloren. Abendspiele liegen den Hessen, „da knistert es anders“, sagt Kovac: „Fußballer sind Nachteulen. Ich glaube, dass sie abends bessere Leistungen bringen als nachmittags um halb vier.“

Immerhin treffen die Frankfurter im Stadtwald auf einen Gegner, der sich mutmaßlich nicht „einbetonieren“ wird, sondern mitspielen will. Das mögen die Frankfurter, die sich gegen tief stehende Konkurrenz schwer tun. „Ich glaube, das wird ein offenen Spiel“, glaubt Kovac, der vor den Kontern der Gladbacher warnt, vor ihrer Spielstärke und ihrem Tempo. „Sie kommen aus ganz anderen Tabellenregionen.“

Was Niko Kovac aber zuversichtlich stimmt, ist, dass die Eintracht durch die Rückkehr des Rekonvaleszenten Omar Mascarell spielerisch große Fortschritt gemacht hat. Der Spanier sei einer, der Tempo und Rhythmus des Spiels bestimme, der stets „ein, zwei Schritte voraus denkt“, der über eine große Ballsicherheit verfüge. Und dadurch bekomme jeder Einzelne mehr Sicherheit am Ball. „Wenn sie lauter Zappelphilippe in der Mannschaft haben, wird es schwer.“ Mittlerweile stehen bei den Hessen wieder mehr Fußballer auf dem Platz, die „nicht im Streit mit dem Ball liegen“ (Kovac). Kevin-Prince Boateng ist so ein Fußballer, der allerdings Anfang dieser Woche eher mit gesellschaftlichen Verpflichtungen aufwartete. Am Sonntag war er zur Eröffnung einer Sushi-Bar des ehemaligen Hertha-Profis Askhan Dejagah in Berlin, am Montag weilte er bei der Vorprämiere des Films „Nur Gott kann mich richten“ mit Moritz Bleibtreu in Frankfurt.

Heute Abend dürfte es auch ein bisschen auf ihn ankommen, zuletzt präsentiere sich Boateng in prima Form. Die Eintracht wird, nach Lage der Dinge, mit der gleichen Mannschaft beginnen, die in Wolfsburg gesiegt hat. „An diese Leistung müssen wir anknüpfen“, fordert Kovac. Marco Russ, der Verteidiger, rückt wieder in den Kader, in den es Marco Fabian noch nicht schafft. „Im konditionellen Bereich muss er noch zulegen“, sagte der gestrenge Coach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare