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Nach Union ist vor Tottenham - „Keine Zeit für Schulterklopfen“

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Von: Daniel Schmitt

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Beeindruckte mit seinen Sololäufen, flog später aber vom Platz: Randal Kolo Muani.
Beeindruckte mit seinen Sololäufen, flog später aber vom Platz: Randal Kolo Muani. © Daniel Roland/afp

Eintracht Frankfurt zeigt beim 2:0-Sieg gegen Union Berlin eine „Top-Leistung“ und fühlt sich gut gerüstet für den Champions-League-Kracher gegen die Tottenham Hotspur.

Frankfurt – Der einstige Lehramtsstudent Oliver Glasner, Fächer Sport und Geografie, der mittlerweile hauptberuflich seinen wissbegierigen Schülern den erfolgreichen Fußball in Frankfurt erklärt, hat zeit seiner Jugend offenbar auch im Latein-Unterricht gut aufgepasst. „Quod erat demonstrandum“, so der 48-Jährige, also: Was zu beweisen war.

Oliver Glasner, Fußballtrainer, zuständig für Eintracht Frankfurt, wollte den zweiten Sieg im fünften Bundesligaheimspiel der Saison dann wirklich nicht zu hoch hängen, das 2:0 (2:0) gegen den Tabellenführer 1. FC Union Berlin war zwar beeindruckend souverän herausgespielt, ob damit aber das vorherige Defizit im eigenen Stadion tatsächlich schon gänzlich überwunden wurde von seiner Mannschaft? Lieber noch mal einen Moment abwarten und nachlegen. Die nächste Chance kommt sogleich: Dienstagabend, 21 Uhr, Champions League, Tottenham Hotspur.

Gegen Union zeigte die Eintracht eine ihrer besten Leistungen der Runde, vielleicht sogar die beste. Bereits das berauschende 4:0 gegen RB Leipzig im eigenen Stadion hatte Fans, Medien wie Beteiligte verzückt, war es vor allem errungen mit viel Verve, Laufbereitschaft, dem Willen, den Gegner in den Zweikämpfen aufzufressen, diesmal aber kam noch eine weitere Komponente im hessischen Spiel dazu. Eine, die gerade in den anstehenden kräftezehrenden Englischen Wochen für die Eintracht von enormer Bedeutung sein könnte: fußballerische Reife.

Eintracht Frankfurt: Sololäufe von Randal Kolo Muani und Jesper Lindström

Die Frankfurter hatten den Gegner total im Griff. Sie bestimmten das Tempo, sie machten das Spiel schnell, wenn sie es wollten und nahmen Schwung heraus, wenn es ihnen passte. Lange Zeit, bis zum Platzverweis von Randal Kolo Muani (68.), war der Auftritt sogar einigermaßen kräfteschonend. „Die Eintracht war schärfer“, sagte der Berliner Trainer Urs Fischer, ein fairer Verlierer, der schlichtweg anerkannte, dass sein Team trotz aller Mühen an diesem Tage die schwächere Mannschaft war.

„Es war ein toller Auftritt von uns“, stimmte Oliver Glasner der Einordnung seines Gegenübers zu: „Wir haben eine Top-Leistung in vielen Bereichen gezeigt. Das gibt uns Selbstvertrauen.“ Der Plan des Frankfurter Trainerteams, den sonst so defensivstarken, weil hinten bestens organisierten Gegner aus Berlin, zu locken, ihn seine Angriffschance wittern zu lassen und dann im schnellen Umkehrspiel eiskalt zuzuschlagen, ging auf. Immer wieder wurden die schnellen Eintracht-Angreifer Randal Kolo Muani und Jesper Lindström von den Mitspielern, allen voran von Mario Götze und Daichi Kamada, mit langen Bällen gefüttert. „Wir waren ruhig im Ballbesitz und haben dann die Tempowechsel forciert“, sagte Glasner.

Eintracht Frankfurt bestimmte gegen Union Berlin das Spiel

Gerade Kolo Muani war irgendwann gar nicht mehr zu halten. Der Franzose, mit frischem Selbstvertrauen von der Nationalmannschaft zurückgekehrt, trumpfte in Hälfte eins spektakulär auf. Reihenweise ließ er die Gegenspieler stehen, manchmal drei am Stück, allein die Sololäufe des 23-Jährigen sind an Tagen wie diesen das Eintrittsgeld wert. Zumal sie von Ertrag waren. In der zwölften Minute bediente Kolo Muani den mit in den Sechzehner geeilten Mario Götze, der zum 1:0 einschoss. „Das Sahnehäubchen“, wie Eintracht-Torwart Kevin Trapp die gelungene Torvorarbeit von Kolo Muani nannte. Es war bereits dessen fünfte in der laufenden Bundesligasaison.

In der Folge bestimmte die Eintracht das Spiel, hatte hinten alles unter Kontrolle und vorne viele Möglichkeiten. Unter anderem traf der stark verbesserte Linksverteidiger Luca Pellegrini die Latte (36.), ehe Jesper Lindström den verdienten 2:0-Pausenstand erzielte (42.). Der Däne stibitzte erst dem Berliner Paul Jaeckel den Ball von den Füßen, beförderte dann diesen wie dessen Kollegen Timo Baumgartl mit einem flotten Dribbling auf den Hosenboden, um schließlich überlegt ins kurze Eck vorbei an Union-Keeper Frederik Rönnow einzuschieben. Ein hübsches Tor, das Lindströms Trainer ganz besonders freute: „Er hat sich belohnt“, sagte Oliver Glasner. Und ist vor dem Tor endlich einmal ruhig geblieben, war man geneigt anzufügen.

Eintracht Frankfurt: „Das gibt uns ein gutes Gefühl und Selbstvertrauen für Dienstag“

Mit dem 2:0 im Rücken hatten die Hessen auch nach dem Seitenwechsel vorerst alles im Griff - sie waren dem 3:0 näher, als Union einem Anschlusstreffer. Erst der Platzverweis für Kolo Muani, der im Drang, ein Tor zu erzielen, seinem Gegenspieler auf den Fuß stapfte, veränderte die Gegebenheiten. Die Gelb-Rote Karte war einen vertretbare Entscheidung, Kolo Muani hatte zweifelsohne gefoult, auch eine mündliche Verwarnung des Schiedsrichters für den Angreifer aber hätte wohl ausgereicht. Zuvor jedenfalls waren vergleichbare Fouls nicht immer mit Gelb geahndet worden. Kolo Muani wird kommenden Samstag in Bochum fehlen.

In der finalen Phase also waren die in Überzahl spielenden Gäste am Drücker, die Gastgeber aber konnten sich auf eine konzentriert verteidigende Abwehr und einen starken Torhüter Trapp verlassen. Der Sieg geriet kaum noch in Gefahr. „Das gibt uns ein gutes Gefühl und Selbstvertrauen für Dienstag“, sagte Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, der die Art und Weise des Erfolgs „richtig gut“ fand.

Oliver Glasner: „Keine Zeit, sich tagelang zufrieden auf die Schultern zu klopfen“

Trainer Oliver Glasner mahnte derweil. Es sei nun keine Zeit, sich tagelang zufrieden auf die Schultern zu klopfen, in der Königsklasse gegen Tottenham warte am Dienstag eine „unfassbare Qualität“ auf sein Team, ein Gegner der „europäischen Spitze“, wie Kevin Trapp findet. Doch der Eintracht ist nicht bange. Warum auch, zuckt Ansgar Knauff, der rechte Flügelläufer, mit den Schultern und rief aus: „Es wird Zeit für die nächste magische Nacht in Frankfurt.“

Die Mannschaft, so Knauff, fühle sich jedenfalls gut gerüstet für das Champions-League-Highlight, denn: „Wir haben unser Spiel gefunden“, was neben den drei Punkten auf Sicht wohl das wichtigste Überbleibsel des Erfolgs gegen Union sein dürfte. Die Automatismen im Eintracht-Spiel scheinen sich nach dem dritten Pflichtspielsieg in Serie mehr und mehr einzuschleifen. Oder wie Oliver Glasner sagt: „Quod erat demonstrandum“ - was zu beweisen war. Die nächste Chance kommt sogleich: Dienstagabend, 21 Uhr, Champions League, Tottenham Hotspur.

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