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Nach drittem Sieg in Folge: Quo vadis, Eintracht?

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Von: Ingo Durstewitz

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Den Krieg stoppen: Zwei junge Eintracht-Fans mit einer wichtigen Botschaft.
Den Krieg stoppen: Zwei junge Eintracht-Fans mit einer wichtigen Botschaft. © IMAGO/osnapix

Der Frankfurter Bundesligist hat rechtzeitig die Kurve bekommen – aber was ist noch drin in dieser Saison?

Frankfurt - Nun, da Eintracht Frankfurt mit einigem Anlauf doch noch ins Rollen gekommen ist, ploppt zwangsläufig die Frage nach den Ambitionen des hessischen Fußball-Bundesligisten und dem noch immer sehr amtlichen Abstand zu den internationalen Startplätzen auf. Muss ja ganz schon ärgerlich sein, dass man willfährig Punkte hergeschenkt hat, gegen Dortmund etwa (2:3 nach 2:0). Oder Bielefeld (0:2) oder Wolfsburg (0:2) oder Köln (0:1). Alles Spiele, die Eintracht Frankfurt nicht hätte verlieren müssen, aber verloren hat. Alles Zähler, die jetzt fehlen.

Oliver Glasner aber, der verantwortliche Cheftrainer, moderiert solche Fragen locker weg, blockt sie mit einem Lächeln ab. „Mir ist nicht nach Ärgern zumute, sondern nach Freude, weil wir drei Spiele am Stück gewonnen haben“, sagt er und zählt noch ein paar Wohlfühlfaktoren auf: „Wir haben ein super Spiel vor der Tür, das Wetter ist jeden Tag schön, nachdem zwei Monate nur Dauernebel war. Mir geht es richtig gut. Ich habe keine Lust und keine Zeit, mich über irgendetwas zu ärgern.“ Sportlich gesehen, gesellschaftspolitisch schon. Selbstredend.

Eintracht Frankfurt: Glasner zieht Lehren aus Vergangenheit

Und er hat ja Recht, der Oliver Glasner, der Blick zurück hilft vielleicht, um Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und etwas zu verändern, was nicht so lief, wie es hätte laufen sollen. Aber neu schreiben lässt sich das Zurückliegende nun mal nicht. Also bringt es nichts, darüber zu lamentieren. Eintracht Frankfurt muss sich mit dem Status quo arrangieren, der ist ja fürwahr nicht so schlecht. Nach dem bretthart erkämpften 2:1-Arbeitssieg gegen den VfL Bochum stehen zwei Bundesligaerfolge hintereinander zu Buche, dazu kommt der 2:1-Auswärtscoup in der Europa League bei Betis Sevilla. Es läuft also, nicht wie geschmiert und nicht von alleine, aber die Eintracht hat den Trend umgekehrt und in die Spur zurückgefunden.

Trotzdem kann es sein, dass die Frankfurter etwas zu spät zu ihrer Form gefunden haben. Sie liegen aktuell sieben Punkte hinter einem Europapokal-Startplatz. Das ist ein Haufen Holz. Zumal die vorne liegenden Teams, wie Sportvorstand Markus Krösche zurecht festgestellt hat, „sehr stabil“ sind. „Wir müssen schauen, dass wir dranbleiben“, befindet der Manager und mahnt an, den Fokus ausschließlich auf das eigene Tun zu richten. „Das andere können wir sowieso nicht beeinflussen.“ Realistisch betrachtet wäre für die Eintracht zurzeit nur die Conference League drin, dazu würde Rang sieben reichen – aber nur dann, wenn ein internationaler Starter auch den DFB-Pokal gewinnen würde. Das könnten RB Leipzig oder der SC Freiburg sein, beide stehen im Halbfinale.

Andererseits geht es im Fußball ja verdammt schnell, die Eintracht selbst kann ein Lied davon singen und weiß, was passieren kann, wenn Unruhe aufkommt oder die Nerven flattern – oder beides zugleich einsetzt. In der vergangenen Saison verspielten die Hessen in den letzten sechs Spielen die Teilnahme an der Champions League, auf Borussia Dortmund büßten sie in dieser Zeit sage und schreibe elf Punkte ein. Aber das liegt gefühlt eine halbe Ewigkeit zurück.

Aktuell freut sich der Trainer lieber an der Entwicklung seines Teams, einerlei, was am Ende dabei herauskommen wird. „Wir haben nicht die Köpfe in den Sand gesteckt, als wir verloren haben“, sagt Glasner. Und auch Markus Krösche sieht sich bestätigt. Wer dranbleibt, weiter hart arbeitet und den Glauben nicht verliert, wird irgendwann auch etwas zurückbekommen. „Wir belohnen uns jetzt auch für das, was wir liegengelassen haben.“

Eintracht Frankfurt: Kein Grund zum Abheben

Der Aufschwung hat nicht nur, aber auch mit der mentalen Beschaffenheit zu tun, mit weichen Faktoren. „Jeder Sieg tut gut, jeder Sieg ist gut fürs Selbstvertrauen, gibt eine gewisse Selbstverständlichkeit“, erklärt der Fußballlehrer. „Unsere Leistungen haben uns Aufschwung gegeben. Das sind kleine Puzzleteile, die uns helfen, konstanter zu werden.“ Konstanz ist vielleicht das Zauberwort, der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Denn dieser Mannschaft, und das macht eine belastbare Prognose so schwierig, ist eine Siegesserie genauso zuzutrauen wie eine kleine Reihe an Misserfolgen – genau das ist der Grund, weshalb die Eintracht in der Mitte des Tableaus steht: Rang neun, zehn Siege, neun Niederlagen, 39 Tore geschossen, 38 kassiert.

Der aktuelle Trend freilich stimmt, die Spieler, auch das ein wichtiger Grund für den Zwischenspurt, sind in einer besseren Verfassung als noch vor einigen Wochen. Daichi Kamada, der Spielleiter, nähert sich seiner Bestform, genauso wie Powerbündel Filip Kostic, der nach seinen Erkrankungen körperlich wieder voll auf der Höhe und somit eine Bedrohung für jeden Gegner ist. „Es ist immer gefährlich, wenn Filip da ist“, sagt Manager Krösche. Und auch Martin Hinteregger kommt – mit Abstrichen – besser auf Touren. Der Österreicher, zeitweise zurecht stark in der Kritik, hat seinen Fokus wieder justiert, den Fußball ins Zentrum geschoben und dadurch eine erhöhte Leistungsfähigkeit erreicht.

Eintracht Frankfurt: „Die Kurve zeigt bei den Spielern nach oben“

„Die Kurve zeigt bei den Spielern nach oben“, bemerkt auch Sportboss Krösche. Die Rechnung ist ja recht simpel: Je mehr Leistungsträger ihre Leistung auch auf den Platz bringen, desto stärker wird das ganze Gefüge, die gesamte Gruppe – zumal sie auch die Spieler mit nach oben ziehen, die auf Führung angewiesen sind, die jemanden zum Anlehnen brauchen, jemanden, an dessen Seite sie selbst wachsen können. „Jetzt ist wichtig, da zu sein“, betont Coach Glasner. „Große Spieler entscheiden große Spiele. Und jetzt kommen große Spiele auf uns zu.“

Das erste am Donnerstag (21 Uhr /RTL) zu Hause gegen Betis Sevilla, wenn die Eintracht den Einzug ins Viertelfinale klarmachen will. Es wäre ein wichtiger Schritt, würde Kraft und Belebung geben – vielleicht sogar für eine Aufholjagd in der Liga. „Wir wollen den Schwung und das Selbstvertrauen mitnehmen und unsere Leistungen bestätigen“, kündigt Glasner an. „Aber dennoch bescheiden bleiben.“ Zum Abheben besteht auch wirklich kein Grund. (Ingo Durstewitz)

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