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Nabil Fekir – Sevillas tänzelnder Rebell

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Von: Daniel Schmitt

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Betis Sevilla setzt gegen Eintracht Frankfurt in der Europa League auf Nabil Fekir, den Techniker mit Tendenz zum Durchdrehen.

Frankfurt – Nabil Fekir ist Weltmeister 2018 mit Frankreich, Chapeau dafür. Und sonstige Titel? Keine. Dabei hätte er sich längst auch Champions-League-Sieger nennen können. Also eigentlich. Damals, 2019, hätte er nun wahrlich wunderbar in die Mannschaft von Jürgen Klopp gepasst, dieser Mann mit dem feinen Füßchen und dem geschulten Auge für die startenden Raketen, für die Manés, Salahs, Firminos der Fußballwelt. Ja, der Schluss liegt nahe: Auch mit Fekir wäre der FC Liverpool auf den Thron der Königsklasse gestiegen. Bloß: Er spielte und spielt nicht in Liverpool.

Dabei war der Deal längst ausgehandelt und 60 Millionen Euro an Ablöse teuer, selbst Fanschals mit Fekirs Namen befanden sich bereits im Umlauf, als Jean-Michel Aulas, Präsident bei Olympique Lyon, seine sentimentale Seite entdeckte und sagte: „Nabil ist unser Lionel Messi.“ Eine Huldigung des Technikers, der im Banlieue von Lyon aufgewachsen war und sich mit 14 dem Klub angeschlossen hatte, die gleichzeitig bedeutete: kein Deal, kein Wechsel, ein trauriger Nabil Fekir. Die große Chance auf eine ganz große Karriere blieb ihm verwehrt, auch weil die Liverpooler nicht noch ein paar Milliönchen draufpacken wollten ob Fekirs Vorgeschichte mit diversen Knieblessuren. Sie sollten ja auch Recht behalten, holten den Henkelpott ohne ihn.

Eintracht Frankfurt: Djibril Sow schwärmt von Nabil Fekir von Betis Sevilla

Bis heute trägt Fekir den gescheiterten Wechsel vom Sommer 2018 mit sich herum, jenen, den er als „schwarzen Moment“ seiner Karriere bezeichnet. Vier Jahre später spielt er für Real Betis Balompié, einen Klub zweiter Klasse – in Europa sowieso, auch in Spanien, selbst in Sevilla. Stadtrivale FC ist älter, erfolgreicher, präsenter als der kleine Bruder Betis. Doch Fekir trägt das grün-weiße Trikot der Sevillanos, die an diesem Donnerstag (17.03.2022, Anstoß 21 Uhr/live im TV und Live-Stream) zum Achtelfinalrückspiel der Europa League bei Eintracht Frankfurt antreten, mit Stolz. „Der FC Sevilla wollte mich, aber Betis war schneller. Ich halte mein Wort“, sagte Fekir bei seiner Vorstellung im Sommer 2019, also ein Jahr nach dem gescheiterten Liverpool-Transfer. Es gehe ihm jetzt wieder besser. „Betis ist ein Klub mit großer Tradition.“

Nabil Fekir von Betis Sevilla
Nabil Fekir in der Europa League-Partie gegen Zenit St. Petersburg. © Antonio Pozo/PRESSINPHOTO/Imago Images

Vor acht Tagen, im Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt, ragte der Mann mit algerischen Wurzeln wie so oft heraus - obwohl er mit seinem Team das Spiel 1:2 verlor, war doch eines offensichtlich: die größten fußballerischen Fähigkeiten auf dem Rasen besitzt Nabil Fekir. Früh im Spiel ließ er mit einer Körpertäuschung das komplette Frankfurter Mittelfeld ins Leere laufen, später schlenzte er den zwischenzeitlichen Ausgleich gekonnt ins lange Eck. Frankfurts Djibril Sow, direkter Gegenspieler des Franzosen, geriet hinterher ins Schwärmen. Durch den tiefen Körperschwerpunkt sei Fekir „unglaublich schwer“ vom Ball zu trennen. Und weiter: „In der Bundesliga gibt es nicht viele Spieler von solchem Format.“

Eintracht Frankfurt in der Europa League: Nabil Fekir kann auch treten

Doch Nabil Fekir kann nicht nur kicken, sondern auch treten. An manchen Tagen verkommt er binnen Sekunden vom Techniker zum Raubein. Am Sonntag beim 1:0-Erfolg gegen Bilbao etwa ließ er erst den Ball aufreizend lässig auf seinem Spann durch die Luft tänzeln, ehe er kurz darauf, vom wütenden Gegenspieler am Bart gezogen, selbst austeilte. Übles Nachtreten, Rote Karte, Sicherungen durchgebrannt - nicht zum ersten Mal in Fekirs Karriere.

Einmal zertrümmerte er aus Wut über einen Platzverweis den VAR-Bildschirm per Fausthieb, ein anderes Mal rangelte er sich mit dem Leverkusener Kerem Demirbay zum gemeinsamen Platzverweis. „Nabil war schon immer ein Rebell“, sagt Gerard Bonneau, sein ehemaliger Jugendtrainer in Lyon, der Zeitung El Pais.

Bei Real Betis steht er noch bis 2026 unter Vertrag, ein Abgang im Sommer ist nicht unwahrscheinlich. Der FC Barcelona soll ernsthaftes Interesse an einer Verpflichtung haben. Die Hürde: Betis will 100 Millionen Euro. Ebenso viel, wie ein Lionel Messi nun mal kostet. Selbst dann, wenn es sich nur um die französische Kopie handelt. (Daniel Schmitt)

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