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Schon wieder zu Null: Torwart Kevin Trapp hält sein Team in Düsseldorf auf Linie.

Eintracht - Inter

Mutig in die Höhle des Löwen

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    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt hakt den Pflichtsieg in Düsseldorf routinemäßig ab und richtet den Fokus total auf Inter Mailand.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und wenn das nächste Spiel das wichtigstes des Jahres ist, dann sind ungewöhnliche Maßnahmen nach dem Spiel eben angebracht. Also kletterten die Frankfurter Profis nach dem souverän eingefahrenen Arbeitssieg beim aufmüpfigen Aufsteiger Fortuna noch in der Düsseldorfer Arena auf Fahrräder. „Die sind hier sehr professionell aufgestellt“, fand Sebastian Rode, der Dauerläufer im Mittelfeld, neuerdings mit ausgesprochen feinem Fuß unterwegs, am Flatterband nach dem 3:0-Erfolg. Direkt nach dem Schlusspfiff begann für die Profis von Eintracht Frankfurt schon die Vorbereitung auf den Showdown in Mailand am Donnerstag. Es bleiben bis zum Rückspiel in San Siro ja lediglich runde 70 Stunden, um den Akku wieder aufzuladen, um den Kopf frei zu bekommen und die Beine flink. Also traten die Frankfurter kurz vor Mitternacht in die Pedale und strampelten sich die erste Müdigkeit aus den Beinen. „Und mit der Vorfreude und dem Adrenalin geht es auch mit etwas weniger Pause“, sagte Rode grinsend.

Die Generalprobe vor dem „100-Prozent-Spiel“ (Marketing-Vorstand Axel Hellmann) ist Eintracht Frankfurt also gelungen. Ob das ein gutes Omen sei oder gar Rückwind für die Partie in Mailand bedeute, ist der Trainer Adi Hütter anschließend gefragt worden. „Das werden wir am Donnerstag sehen, jeder Sieg tut gut“, antwortete er schlau. In Mailand wartet ein komplett anderer Gegner auf die Eintracht, einer mit deutlich mehr Qualität, Abgezocktheit und Erfahrung als Düsseldorf. „Wir brauchen eine absolute Spitzenleistung, um in der Höhle des Löwen bestehen zu können“, blickte Hütter nach vorne. „Wir müssen Tore erzielen, um weiterzukommen.“

Eintracht - Inter: Adi Hütter muss vor Spiel die richtigen Worte finden

Keine Frage: Der Sieg in Düsseldorf, der sicher um ein Tor zu hoch ausgefallen war, hat das ohnehin große Selbstbewusstsein der Frankfurter Eintracht nicht gerade geschmälert. „Mit diesen drei Punkten reisen wir beruhigter nach Mailand“, sagte Rode, ehe er aufs Radl stieg. Es war ein Sieg, ein Pflichtsieg, der dennoch Respekt abnötigte, weil er mit einer Selbstverständlichkeit eingefahren wurde, die in Frankfurt nicht üblich ist. Im Stile einer Spitzenmannschaft waren die Hessen im Rheinland aufgetreten, waren das fußballerisch klar bessere Team. Und blieben auch im elften Pflichtspiel dieses Jahres ungeschlagen. Exakt elf Spiele ohne Niederlage gab es ebenfalls in der Hinrunde, als die Hessen ihre Serie und nach oben starteten. Dort oben wollen sie nun dranbleiben, „wir haben uns von Wolfsburg und Hoffenheim absetzen können“, sagte Hütter, selbst ein Champions-League-Platz ist weiter in erreichbarer Nähe, es sind nur drei Punkte Rückstand auf Tabellenplatz drei, Leipzig und Gladbach stehen vor den Hessen.

Freilich: Die Frankfurter hatten am Montagabend, daran gab es keinen Zweifel, zudem das nötige Spielglück bei Schiedsrichterentscheidungen - etwa bei der zurückgenommen Düsseldorfer Führung (2.) oder beim ebenfalls zurückgenommenen Handelfmeter (61.). Insgesamt aber zeigten die Gäste eine abgebrühte Leistung. „Wir haben den Sieg nicht gestohlen“, fasste Hütter die 95 Minuten zusammen, er fand den Sieg zwischen den beiden Spielen in der Europa League auch deswegen als „etwas ganz Besonderes“. Fairerweise räumte der Fußballlehrer ein, dass „wir in der einen oder anderen Situation das Glück auf unserer Seite hatten.“ Kollege Friedhelm Funkel war hinterher entsprechend sauer: „So wie wir benachteiligt werden, das geht schon nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut.“ Dann freilich wünschte er seiner alten, nie erkalteten Liebe für den europäischen Auftritt alles erdenklich Gute: „Ich drücke die Daumen.“

Eintracht-Trainer Hütter mit Uefa-Sperre

Fortuna war also mit der Eintracht im Bunde. Aber eben auch Qualität. Dass Kevin Trapp in zwei brenzligen Lagen jeweils prima parierte, ist seinem Können geschuldet, dass Sebastien Haller eine fünfminütige Nachspielzeit reicht, zwei Tore zu erzielen, auch. Dass sich Sebastian Rode immer mehr zu einem Spielmacher mausert, ist kein Zufall. Und jetzt hält die 28 Jahre alte Leihgabe aus Dortmund sogar 90 Minuten durch, auch wenn er das „selbst nicht erwartet“ hatte.

In Mailand wird Rode noch eine Schippe drauflegen müssen, um wahrscheinlich an der Seite von Makoto Hasebe, der schon nach wenigen Minuten auf seine Gesichtsmaske verzichtete und trotz Nasenbeinblessur problemlos durchhielt, Inter-Angriffe im Keim zu ersticken. Und es ist eine Klasse für sich, wenn Filip Kostic nach 95 Minuten aus der eigenen Hälfte noch einen Vollsprint anzieht, zwei Gegenspieler wie Schulbuben stehen lässt und einen Querpass spielt, den dann auch jeder aus dem Publikum in Straßenschuhen im Tor untergebracht hätte. In diesem Sandwichspiel „solch eine Leistung abzurufen, das macht mich stolz“, hob Hütter den Daumen.

Der Trainer selbst wird der Eintracht in Mailand aufgrund seiner Uefa-Sperre fehlen. Das ist ein Nachteil, denn die Ansprache in der Pause „ist genau der Moment, in dem der Trainer auf Spieler einwirken kann“, weiß Hütter. Auch in Düsseldorf war der Einfluss des 49-Jährigen in der Halbzeitpause prägend, da hat er - wie zuvor gegen Hannover 96 und Inter Mailand - die Mannschaft mit den richtigen, zuweilen deutlichen Worten taktisch aufs Gleis gesetzt. „Zu behäbig, mit zu wenig Tempo, zu wenig vertikal“ habe seine Elf in den ersten 45 Minuten gespielt. Er hat das angesprochen und korrigiert, prompt trumpfte die Eintracht im zweiten Abschnitt besser und dominanter auf. In Mailand wird dieser Input in der Pause fehlen. Die Co-Trainer Christian Peintinger und Armin Reutershahn werden diesen Part übernehmen müssen. Er traut ihnen das zu, auch das Pushen vor dem Spiel. Der ausgesperrte Chef darf von der Tribüne auch nicht per Handy oder Funk mit der Mannschaft kommunizieren. Die richtigen Worte muss Adi Hütter vor dem Anpfiff finden.

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