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Der neue Aufsichtsrat der Frankfurter Eintracht.

Aufsichtsrat

„Müssen noch kreativer werden“

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Philip Holzer übernimmt beim Fußball-Bundesligisten die Aufsicht und bleibt auch in der Corona-Krise cool: „Die Gremien sind krisenerprobt“.

Am Abend dieses zweifelsohne anstrengenden Arbeitstages – angefangen mit den Berichten der drei Vorstandsmitglieder Fredi Bobic, Axel Hellmann und Oliver Frankenbach, endend mit einer Pressekonferenz vor zehn Medienvertretern in den Katakomben der Arena – versammelte Wolfgang Steubing seine engsten Vertrauten aus der Fußballbranche um sich. Knapp 30 sollen es gewesen sein, darunter frühere Frankfurter Weggefährten wie Ex-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Ex-Trainer Armin Veh, aber auch der DFB-Präsident Fritz Keller – mit all diesen über die Jahre liebgewonnen Menschen ließ der 70-jährige, seit gestern ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, bis tief in die Nacht in der Gerbermühle am Mainufer diesen Tag genüsslich ausklingen.

Zuvor hatte Wolfgang Steubing nach acht Jahren im Aufsichtsrat des hessischen Bundesligisten sowie fünf Jahren an dessen Spitze während der knapp vierstündigen Sitzung erwartungsgemäß das Führungszepter an Philip Holzer weitergereicht. Holzers Wahl erfolgte einstimmig. „Philip steht für drei entscheidende Eigenschaften, die er in seiner bisherigen Tätigkeit für den Aufsichtsrat immer wieder unter Beweis gestellt hat: Erfahrung, Sachkompetenz und Teamgeist“, fand Vereinspräsident Peter Fischer lobende Worte für den neuen Chef, der so neu natürlich gar nicht ist. Der 54-Jährige, geboren in München, ehemaliger Oberligatorwart in Bad Homburg, Ex-Investmentbanker sowie Sohn des früheren FR-Chefredakteurs Werner Holzer, hatte schon jahrelang auf den nun erreichten, vorläufigen Höhepunkt seiner Funktionärslaufbahn hingearbeitet. Vor sechs Jahren war Holzer auf eigenen Wunsch bei Goldman Sachs ausgeschieden, um sich mehr um die Belange seiner Eintracht zu kümmern. Bereits seit 2009 gehört er dem Aufsichtsrat an.

Ehrenvorsitz für Steubing

„Mich verbindet sehr viel mit meiner Heimatstadt und mit meinem Heimatklub“, sagte Holzer. Er sei dankbar, in den vergangenen zehn Jahren seinen Beitrag zur Entwicklung geleistet zu haben und freue sich nun darauf, „den Weg der Kontinuität, Seriosität, Stabilität und Innovation, den wir unter dem Vorsitz von Wolfgang Steubing eingeschlagen haben, fortzuführen.“

Schon vor rund einem Jahr hatte Steubing den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er in diesem Sommer nicht mehr zur Wahl stehen würde. Dies, so Präsident Fischer, habe „einen reibungslosen Übergang“ gewährleistet. Als Dank für die Arbeit wurde Steubing daher einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt, „auf Lebenszeit“, wie Fischer heraushob. Neben Steubing schied auch der 72-jährige Reinhard Gödel aus dem Gremium aus, dessen Vorsitz er zwischen 2000 und 2001 innehatte. Die beiden freigewordenen Posten wurden nicht neu besetzt, stattdessen der Aufsichtsrat von neun auf sieben Mitglieder verkleinert.

Dass Holzer ausgerechnet jetzt in diesen komplizierten Zeiten, in denen die Corona-Pandemie den Umsatz mal eben fast um die Hälfte reduziert hat, die Führungsrolle übernimmt, bereite ihm keine Sorgen. „Die Gremien sind krisenerprobt“, sagte Holzer. Es sei nun wichtig, noch innovativer und kreativer zu arbeiten als ohnehin schon. „Wir müssen uns an die Veränderungen in unserem Umfeld anpassen. Wir müssen uns modernisieren, um als Traditionsklub wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Kurz vor seinem Abschied hatte Wolfgang Steubing noch damit aufhorchen lassen, die wichtigen Stammkräfte Filip Kostic und Kevin Trapp nicht als unverkäuflich zu erklären. Konkret kommentierte Holzer die Personalien zwar nicht, ohnehin will er sich aus dem operativen Geschäft raushalten („Das Sportliche liegt in sehr guten Händen bei Fredi Bobic, da wird es auch bleiben“), grundsätzlich betonte er aber: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren in die Situation gebracht, dass wir Spieler nicht zu jedem Preis verkaufen müssen.“ Freilich werde man aber auch immer abwägen müssen. In die Verträge soll auf alle Fälle künftig auch eine Pandemie-Klausel eingearbeitet werden.

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