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Mit Loddar auf Titeljagd

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Von: Ingo Durstewitz

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Auf dem Sprung: Aurelio Buta hat ein eindrucksvolles Debüt gefeiert. Foto: Imago Images
Auf dem Sprung: Aurelio Buta hat ein eindrucksvolles Debüt gefeiert. Foto: Imago Images © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Die Gilde der Eintracht-Bewunderer wächst unaufhaltsam, nicht wenige trauen den Frankfurtern sogar die Meisterschaft zu - ist das realistisch?

Jetzt also auch noch Lothar Matthäus, war ja irgendwie unvermeidlich. Der ewige Loddar, seines Zeichens zudem ewiger Rekordnationalspieler, hat sich dieser Tage in seiner Sky-Kolumne in die stetig wachsende Gilde der Eintracht-Bewunderer eingegliedert. Und den Frankfurter Europapokalsieger gleich mal zum Bayern-Jäger auserkoren. Auch damit steht der 61-Jährige längst nicht mehr alleine, die Zahl derer, die den Hessen den ganz großen Wurf zutrauen, nimmt ständig zu. „Was in Frankfurt passiert, ist ein Märchen“, sagt Matthäus, der als TV-Experte inzwischen anerkannt ist und ernstgenommen wird. Der Dampfplauderer aus dem Fränkischen hat, dies am Rande, nach Jahren der Irrfahrt auf dem Weg zu sich selbst seine Bestimmung gefunden. „Was in Frankfurt entstanden und gewachsen ist, ist trotz vieler Wechsel auf den wichtigsten Positionen beeindruckend“, findet der beste Kumpel des einstigen Eintracht-Trainers Armin Veh. „Und was Götze, Lindström, Kolo Muani, Trapp oder Kamada veranstalten, ist herrlich anzuschauen.“ Deshalb halte er es „selbstverständlich“ für möglich, dass die Eintracht die öde Bayern-Dominanz des letzten Jahrzehnts durchbrechen könne. „Wer so erfolgreich ist wie Frankfurt und diesen einzigartigen Spirit hat, der kann Deutscher Meister werden.“ Theoretisch ja, aber auch praktisch?

Besonders wahrscheinlich ist das nicht, 16 Spieltage sind erst rum, die Bayern liegen fünf Punkte vorn, und für die Eintracht auf Rang zwei geht es in erster Linie darum, unter den ersten Vier, zur Not auch auf den Plätzen fünf oder sechs ins Ziel zu gelangen. Das ist das erklärte Ziel. Andererseits ist dieser Frankfurter Mannschaft ja fast alles zuzutrauen, das hat sie nicht erst durch den Europa-League-Triumph im Mai bewiesen. Es ist dieses gewisse Etwas, diese spezielle Haltung, die die Eintracht so gefährlich und unberechenbar sein lässt. Gepaart, natürlich, mit fußballerischer Klasse, Kampfkraft, Laufstärke und Tempo in den entscheidenden Bereichen, also Außen und in der Spitze.

Coach Oliver Glasner ist der, der den Erfolg orchestriert und moderiert, der die Mannschaft besser gemacht hat. Die Lobeshymnen beschäftigen den 48-Jährigen nicht weiter: „Was die anderen sagen, höre ich, aber es beeinflusst mich nicht.“ Auch vor dem ersten der beiden Spitzenspiele am Mittwoch in Freiburg und am Samstag in München will er von wegweisenden Duellen nichts wissen. „Ich welche Richtungen sollen sie denn weisen?“, fragt er rhetorisch. Mit der Partie im Breisgau am Mittwoch (20.30Uhr/Sky) sei ja erst mal nur die Hinrunde beendet. 30 Zähler hat die Eintracht gesammelt, „aber wir wollen unseren Punktestand in Freiburg erhöhen, wir geben uns mit 30 Punkten nicht zufrieden.“

Die Hessen spielen ihre beste Runde seit einer halben Ewigkeit, fast drei Jahrzehnte ist es her, dass eine Frankfurter Mannschaft zum vergleichbaren Zeitpunkt mehr Punkte eingesammelt hatte. Damals zauberten noch Uwe Bein, Jay-Jay Okocha und Tony Yeboah; Trainer war Klaus Toppmöller und verabschiedete die Münchner Riesen in einem Anflug von Größenwahn etwas voreilig aus dem Titelrennen: „Bye-bye Bayern.“

Oliver Glasner würde Töne dieser Art sehr wahrscheinlich nicht mal in seinem nächsten Leben spucken. Was nicht bedeutet, dass er sich mit dem Status quo jemals zufrieden geben würde. Er weiß sehr genau, was seiner Mannschaft zuzutrauen und was drin ist. Intern ließ er schon im frühen Frühjahr des letzten Jahres verlauten, dass er den Europa-League-Sieg für machbar halte.

Mit dem 3:0-Erfolg über Schalke 04 ist die Eintracht gut aus der Winterpause gekommen, zumindest vom Ergebnis her gesehen, leistungstechnisch ist da noch viel Luft nach oben. Trotzdem: Sie hat ihren Lauf beibehalten, von den letzten zehn Pflichtspielen acht gewonnen und nur eines verloren, in höchstem Maße unglücklich und unverdient gegen die Dortmunder, die bis heute nicht wissen, wie sie diese Partie für sich entscheiden konnten.

Der Coach hat den drögen Auftakt gegen Schalke haarklein analysiert. Sein Team habe in puncto Synchronizität und Rhythmus noch Anlaufschwierigkeiten. „Wir haben noch nicht so das Gefühl füreinander. Das müssen wir wieder entwickeln.“ So schnell es eben geht, denn die Freiburger hätten ein tolles Team beisammen. Glasner glaubt nicht, dass die 0:6-Klatsche des SC in Wolfsburg Einfluss auf das Spiel haben wird. „Sie werden nicht wie ein wilder Hühnerhaufen umherlaufen, weil sie verunsichert sind.“

Glasner muss im Schwarzwald auf Eric Dina Ebimbe verzichten, der mit einer Syndesmosebandverletzung mehrere Monate ausfällt. Wer ihn ersetzt, ließ der Trainer offen. Neuzugang Aurelio Buta, gegen Schalke erstmals nach langer Verletzung am Ball und gleich Torschütze zum 3:0, könnte das machen oder Ansgar Knauff. Glasner bringt auch Kristijan Jakic ins Spiel, der über weite Teile der Hinrunde rechts spielte. Der Kroate könne gerade gegen die „sehr variablen und offensivstarken“ Vincenzo Grifo und Christian Günter ein sinnvoller Widerpart sein. Ob der Verein personell auf dieser Position noch mal nachlegen wird, ließ Glasner offen, schloss es aber nicht kategorisch aus: „Schauen wir mal, was noch passiert bis 31. Januar. Aber diese Woche gehen wir mit dem Personal an, das hier ist.“

Sollte Jakic außen gebraucht werden, könnte der zuletzt angeschlagene Brasilianer Tuta wieder seinen angestammten Part in der Innenverteidigung einnehmen. „Er ist topfit“, sagte Glasner. Als ziemlich sicher gilt auch, dass Hrvoje Smolcic wieder den Abwehrchef geben wird, obwohl er gegen Schalke nicht überzeugen konnte. Makoto Hasebe, so Glasner, sei aber noch nicht so weit. „Er hat mehr als drei Monate kein Pflichtspiel gemacht. Nicht mal so ein großartiger Spieler wie Hasebe schafft es, nach nur drei Wochen Vorbereitung wieder in Topform zu sein.“ Doch der 39-Jährige werde „definitiv seine Spiele machen, weil er große Qualität hat und so wertvoll für uns ist.“ Besser so, denn: Mit Hasebe war die Eintracht stets am Stärksten.

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