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Eintracht geht mit gestärktem Rücken ins Heimspielfinale

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Von: Thomas Kilchenstein

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Der hessische Fußball-Bundesligist schafft mit Hauptsponsor Indeed eine richtungsweisende Vertragsverlängerung und will auf dem Platz gegen Hoffenheim weiter glänzen.

Frankfurt – Ingrid war wieder nicht da. Sie pflegt inkognito zu erscheinen, gerne, wenn der FC Bayern München spielt. „Aber sie ist Eintracht-Fan“, sagt Frank Hensgens. Er muss es wissen, er ist Geschäftsführer beim Hauptsponsor von Eintracht Frankfurt, Indeed, zuständig für Deutschland. Gestern war Ingrid, die tragende Figur diverser Werbespots, nur in einem kurzen Video zu sehen, in dem diese Botschaft verbreitet wurde: Indeed bleibt Hauptsponsor bei Eintracht Frankfurt, und zwar bis Sommer 2026. Das in Texas beheimatete Unternehmen habe sein Engagement beim aufstrebenden Bundesligisten, wie Vorstandssprecher Axel Hellmann am Dienstag sagte, „ausgeweitet“. Auch wenn offiziell keine Zahlen zum finanziellen Volumen des neuen Dreijahresvertrags genannt wurden, so dürfte der Jobdienstleister mehr als zehn Millionen Euro per annum überweisen, plus erfolgsabhängige Boni. Zuletzt waren es 6,5 Millionen Euro jährlich. Hellmann verortete die neue Summe „im guten gehobenen internationalen Umfeld“. Indeed wird künftig auch die Frauen- und Mädchenabteilung der Eintracht unterstützen, das E-Sports-Geschäft sowie U21 und Traditionsmannschaft.

„Wenn es in den letzten zehn Jahren eine in der Bundesliga beispielgebende Partnerschaft gegeben hat, dann sicher diese“, sagte Hellmann über die seit 2017 bestehende Zusammenarbeit. Die Verlängerung des Kontraktes war bereits im September in trockenen Tüchern. Mit diesem finanziellem Polster im Rücken lässt es sich für ein Vorstandsmitglied ruhiger schlagen, denn „wir haben hintendran keinen, der Verluste ausgleicht“. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten „kann Verlässlichkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betonte Hellmann.

Eintracht Frankfurt: 29 Punkte sind noch zu erreichen

Auch für die Jobbörse, die eigenen Angaben zufolge monatlich fünf Millionen Aufrufe generiert, habe sich das Engagement bei Eintracht Frankfurt mehr als gelohnt. „Wer kannte vor fünfeinhalb Jahren schon Indeed“, fragte Hensgens rhetorisch. Mittlerweile sei Indeed dank einer „außergewöhnlich engen Partnerschaft“ nicht nur national auf ihrem Sektor eine der führenden Unternehmen, auch die Reichweite international sei enorm. „Das hatten wir anfangs gar nicht geplant“, sagte Hensgens. Neun gemeinsame Jahre mit einem Partner, das sei „schon eine Hausnummer“. Angesichts dieser wirtschaftlicher Potenz im Rücken kündigte Hellmann an, demnächst auch wieder das Frankfurter Engagement in New York neu zu beleben.

Fehlt der Eintracht angeschlagen: der zuletzt bärenstarke Kapitän Sebastian Rode (rechts).
Fehlt der Eintracht angeschlagen: der zuletzt bärenstarke Kapitän Sebastian Rode (rechts). © afp

Beleben muss Trainer Oliver Glasner derzeit nichts, zumindest nicht grundlegend. Die Mannschaft eilt von Erfolg zu Erfolg, sie hat den Flow, sie ist willig und bereit, bis an die Grenzen zu gehen, nicht nachzulassen, um auch die letzten beiden Punktspiele in diesem Kalenderjahr erfolgreich abzuschließen. Natürlich hebt der Coach warnend den Finger, ein Selbstläufer sei etwa die heutige Partie (20.30 Uhr/live Sky) gegen die TSG Hoffenheim nicht, selbst wenn deren „Motor zuletzt gestottert“ habe. Allein „mit Schmetterlingen im Bauch gewinnst du kein Spiel“, appellierte der Fußballlehrer an sein Team, auf den letzten Metern nicht nachzulassen. 29 Punkte sind noch zu erreichen, 29 Punkte strebt Glasner an.

Eintracht Frankfurt im „Funktionsmodus“

Wenn am Sonntagnachmittag nach der Partie bei Mainz 05 so langsam die Spannung abfällt bei Glasner, haben die Frankfurter 24 Spiele in dreieinhalb Monaten in den Knochen, mehr hat keine andere Mannschaft gespielt, darüber ist der Coach froh, selbst wenn der Eintracht ein wahrer Lauf gelungen ist jüngst mit sechs Siegen aus sieben Spielen. Er sei erleichtert, das „wir so gut durch diese Phase gekommen sind“. Dies ginge aber nur, weil sich alle in einem, wie Glasner, sagte, „Funktionsmodus“ befanden, und nur die nächste Aufgabe im Fokus stand. „Wir haben gesagt: Wir ziehen das bis zum Ende durch.“ Und die Hessen sind, bis auf Makoto Hasebe, weitgehend verletzungsfrei durch den Spielemarathon gekommen. Dass sich womöglich WM-Fahrer so kurz vor der Abreise nach Katar zurücknehmen könnten, hält der Österreicher für unwahrscheinlich. Außerdem verletzte man sich meist, wenn man halbherzig in ein Spiel geht. Eintracht Frankfurt wird übrigens am Montag nach dem Mainz-Spiel eine knapp einwöchige Japan-Reise unternehmen mit zwei Freundschaftsspielen und vom 10. Dezember bis zum 2. Januar pausieren.

Doch erst steht noch die Hürde Hoffenheim im Stadtwald. Kapitän Sebastian Rode, in den letzten Spielen überragend, wird dabei fehlen: Es sei eine Mischung aus Angeschlagensein (die Wade) und Schonung, die ihn pausieren lässt. Gegen Mainz will er unbedingt dabei sein, da wird er gebraucht, zumal Djibril Sow aktuell bei vier Gelben Karten steht und gegebenenfalls mit einer Sperre rechnen muss. Immerhin ist Daichi Kamada mit von der Partie, der anstelle von Rode ins Team rücken wird. Vieles spricht auch dafür, dass die Eintracht gegen die Kraichgauer mit ihrer neuen Flügelzange Ebimbe (rechts) und Knauff (links) beginnt.

Vor der Partie wird übrigens Martin Hinteregger, der Frankfurter Kultspieler, offiziell verabschiedet. Vielleicht kommt dann auch Ingrid. (Thomas Kilchenstein)

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