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„Tore, Tore, Tore“ – Alario will bei der Eintracht durchstarten

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Von: Ingo Durstewitz

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Neuer Eintracht-Stürmer Lucas Alario will in Frankfurt durchstarten – und verzichtet aus Respekt vor Martin Hinteregger auf seine angestammte Nummer 13.

Frankfurt – Die Nummer mit der Rückennummer hat Lucas Alario mit sehr viel Anstand und Stil gelöst. Normalerweise trägt der neue Stürmer der Frankfurter Eintracht die 13, das war in Argentinien bei River Plate so und in Deutschland bei Bayer Leverkusen. Theoretisch hätte er auch in Frankfurt die 13 reservieren können, vergeben war sie nicht oder nicht mehr, weil der, der sie trug, vor kurzem Schluss machte. Mit Fußball komplett. Doch Alario lehnte ab. „Aus Respekt vor Martin Hinteregger und seiner Leistung hier.“ Eine schöne Geste des Neuen. Gar keine Frage. Die Wahl einer anderen Zahl fiel dem 29-Jährigen nicht schwer, das löste er ganz pragmatisch. „Ich habe die 21 genommen, die war frei.“

Ist ja nun auch wirklich sekundär, welche Nummer auf dem Rücken prangt, das war dem Argentinier letztlich schnurzegal. Lucas Alario ist nur aus einem Grund nach Frankfurt gekommen. „Ich bin dafür da, um Tore zu schießen.“ Nicht nur natürlich, andere Eigenschaften sind auch nicht unwichtig: Pressing, Gegner stören, ihn zu Fehlern zwingen, aber hauptsächlich: Tore, Tore, Tore. „Er ist hungrig und gierig danach“, beschreibt Trainer Oliver Glasner seinen Mittelstürmer. „Er bringt viel mit, hat eine unglaublich gute Abschlussqualität, links, rechts, mit dem Kopf. Er hat in Leverkusen über Jahre hinweg gezeigt, dass er Tore machen kann.“

Lucas Alario bei Eintracht Frankfurt: Günstig, aber kein Schnäppchen

Ziemlich viele sogar, in 164 Pflichtpartien erzielte der frühere Nationalspieler (neun Partien, drei Tore) 58 Treffer und steuerte 16 Vorlagen bei. Einen Lieblingsgegner hatte er auch: Eintracht Frankfurt. Neun Spiele, vier Tore. Kein Wunder, dass die Eintracht da schnell zugeschlagen hat. Besser für als gegen einen treffen.

Kann das Bällchen auch streicheln, nicht nur knipsen. Lucas Alario. Foto: Imago Images
Kann das Bällchen auch streicheln, nicht nur knipsen. Lucas Alario. © IMAGO/eu-images

Ein Schnäppchen war der Angreifer nicht unbedingt, aber doch vergleichsweise günstig. Die Eintracht hat ihn für gut fünf Millionen Euro (exklusive Boni) aus Leverkusen ausgelöst und ihn mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet.

Daran ist auch der frühere Capitano nicht ganz unbeteiligt. David Abraham hat seinem Landsmann den Mund wässrig gemacht und ihm vom Verein vorgeschwärmt. „Ich kenne David gut, er hatte hier wunderschöne Jahre“, erzählt der Mann, den sie „El Pipa“, die Pfeife, nennen. „David war ein ausschlaggebender Grund, dass ich hierhergekommen bin.“

Weil er schon mal da und so vernarrt in Tore ist, würde sich der Routinier auch von Herzen wünschen, dass Flankomat Filip Kostic nicht seine Zelte in Frankfurt abbricht und zu Juventus Turin wechselt. „Ich habe ihn noch nicht kennengelernt, kenne ihn nur als Gegenspieler, aber er hat eine riesige Qualität, er hat das gewisse Etwas und braucht nicht viel Platz für seine Flanken. Als Stürmer freut man sich über so einen Vorlagengeber.“ Ob’s was wird? Steht in den Sternen.

Eintracht Frankfurt: Alario und Borré kennen sich bereits

Persönlich kennt er schon jetzt einen seiner künftigen Mitstreiter, mit Rafael Borré hat er für einen Monat in Buenos Aires zusammengespielt. „Top-Spieler, Top-Profi, Top-Mensch“, beschreibt er den Torschützen und Elferheld von Sevilla. Ob beide gemeinsam stürmen werden? Oder auch Randal Kolo Muani ein gewichtiges Wörtchen bei der Besetzung des Angriffs mitreden wird? Das weiß Alario logischerweise nicht, er ist ja nicht der Trainer, sehr wohl aber weiß er, dass es ihm lieber ist, wenn er nicht alleine in vorderster Linie spielen muss. Das war das undankbare Los des Rafael Borré in der Vorsaison. Und nun? Vieles spricht für zwei Spitzen.

Lucas Alario bei Eintracht Frankfurt
Lucas Alario beim Trainingsauftakt der Eintracht. © Jan Huebner / Imago Images

In Leverkusen hat Alario zuletzt nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt, selbst als Starstürmer Patrik Schick verletzt ausfiel, war er selten erste Wahl. „Ich habe die Entscheidung des Trainers respektiert und akzeptiert“, erzählt er. Und hat sogar ein bisschen Verständnis. „Ich hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen, war nicht auf meinem Toplevel.“ Und wenn man im heutigen Fußball mit all den athletischen und körperlichen Anforderungen nicht 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit abrufen könne, „wird es schwer zu spielen“. In Frankfurt soll das anders werden.

Natürlich hat auch der bemerkenswerte Eintracht-Trip über den alten Kontinent mit dem Europa-League-Titel als Krönung eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, es in Frankfurt zu versuchen. „Das war beeindruckend. Man hat förmlich gefühlt, was für ein Teamgeist in dieser Mannschaft steckt.“ Da wollte er, wie Mario Götze auch, ein Teil davon sein. Die Strahlkraft der Eintracht hat deutlich zugenommen.

Eintracht Frankfurt: Alario ist „richtig glücklich“

Lucas Alario, den Sportvorstand Markus Krösche schon vor einem Jahr und im letzten Winter holen wollte, hätte auch nach Spanien gehen können, aber offenbar nicht zu einem Champions-League-Klub. „Ich liebe aber große Spiele und große Wettbewerbe.“ Deshalb Frankfurt mit der Champions League vor der Brust. Die Königsklasse ist für den Mann aus Santa Fe, wohlerzogen und gebildet, zwar kein Neuland, doch bisher brachte er es nur auf fünf Einsätze, keinen über 90 Minuten, kein Tor. „Ich habe gefühlt nur eineinhalb Spiele gemacht.“ In seiner Heimat war das anders, da gewann er mit River Plate 2015 die Copa Libertadores, das südamerikanische Pendant zur europäischen Champions League. Rafael Borré zog zwei Jahre später nach.

Alario, der die deutsche Sprache versteht, sich bei öffentlichen Auftritten aber lieber dolmetschen lässt (dieses Mal von Rafael Francisco, der guten Eintracht-Seele), fühlt sich schon jetzt pudelwohl in der Stadt und im Verein. „Ich bin richtig glücklich, hier zu sein.“ Die falsche Rückennummer spielt da keine Rolle. (Ingo Durstewitz)

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