Da war die Eintracht-Welt noch in Ordnung: Der Mainzer Stefan Bell trifft ins eigene Tor.
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Da war die Eintracht-Welt noch in Ordnung: Der Mainzer Stefan Bell trifft ins eigene Tor.

Eintracht Frankfurt

Mission Impossible

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Jan Christian Müller
    Jan Christian Müller
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Eintracht Frankfurt kann beim Nachbarn Mainz wieder nicht gewinnen. In der zweiten Halbzeit fehlt der Druck nach vorne.

Der Frankfurter Präsident Peter Fischer ist bekanntlich nie um einen lockeren Spruch verlegen, also legte er sich beim Tippen bei Eurosport gleich mal weit aus dem Fenster. „Heute habe ich keine Lust auf Kompromisse: Wir gewinnen 3:0.“ Nun ja, da war der Klubchef der Eintracht vor der Partie in der picke-packe vollen Mainzer Arena ein wenig zu optimistisch gewesen.

Am Ende mussten sich die leicht favorisierten Hessen mit einem 1:1 zufriedengeben, nachdem sie zur Pause durch ein Eigentor von Stefan Bell noch 1:0 geführt hatten. Es war ein Kampfspiel auf allenfalls mittlerem Bundesliganiveau, das am Ende keinen Sieger verdiente. Und auch keinen Verlierer. „Bei so einem Unentschieden ist immer die Frage hast du einen Punkt gewonnen oder zwei liegen gelassen. Es wäre mehr für uns drin gewesen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. 

Anders als angekündigt musste der Frankfurter Trainer Niko Kovac doch auf Makoto Hasebe verzichten. Der Japaner klagte erneut über leichte Beschwerden im lädierten Knie, deshalb war er auch schon am Dienstag im Pokal gegen den 1, FC Schweinfurt geschont worden. Ohnehin kann er seit einiger Zeit nur eingeschränkt trainieren, Kovac war das Risiko zu groß.

Auch weil Marco Russ überraschenderweise zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, spielte eine Frankfurter Hintermannschaft mit Carlos Salcedo, David Abraham und Simon Falette, die so noch nie zusammengespielt hatte. Zudem stand Marc Stendera nach seinem prima Pokalspiel erneut in der Startformation, Jonathan de Guzman war draußen geblieben.

Bei den Gastgebern war der zuvor rückenkranke Franzose Abdou Diallo rechtzeitig fit geworden und verteidigte an der Seite von Kapitän Stefan Bell in der Viererkette. Strategisch gingen beide Teams sehr ähnlich zu Werke. Sie attackierten relativ früh, die Eintracht wusste sich daraus spielerisch besser zu lösen als die Gastgeber. Deren Torwart Robin Zentner bolzte in seinem ersten Bundesligaspiel den Ball sicherheitshalber meist lang und hoch vor, Bell und Diallo taten es ihm meist nach, ergo gab es viele Kopfballduelle und viel Kampf und Krampf um zweite Bälle.

Frühe Führung der Eintracht

Die Zweikämpfe wurden erwartungsgemäß mit Inbrunst geführt. Entscheidende Vorteile wusste sich dabei keine Mannschaft herausarbeiten, wenngleich die Angriffe der Eintracht manchmal flüssiger liefen. Und hätte Mittelstürmer Sebastien Haller bei dem einen oder anderen Konter präziser den eigenen Mann gefunden, die Eintracht hätte nach einer halben Stunde sicher mehr gefährliche Aktionen vor dem Mainzer Tor vorzuweisen gehabt als einen verunglückten Schuss von Marc Stendera nach zwei Minuten.

Die Frankfurter Führung kam dann doch recht bald, und sie resultierte aus einem schweren Fehler des Mainzer Linksverteidigers Daniel Brosinski, der den Ball erfolglos ins Aus blocken wollte. Die Rechnung hatte er indes ohne Marius Wolf gemacht, der rechte Läufer der Eintracht ergatterte das Spielgerät an der Außenlinie, lief ein paar Meter und passte hart und flach vors Mainzer Tor, wo Stefan Bell in höchster Not vor Ante Rebic klären wollte. War gut gemeint, aber verdammt schwierig und endete mit einem Eigentor des Ex-Frankfurters in der 37. Minute. Hätte Bell den Ball durch flutschen lassen, hätte Rebic problemlos einschieben können. Insoweit musste sich der Verteidiger nicht großartig grämen. 

Als Schiedsrichter Sascha Stegemann acht Minuten später zur Pause pfiff, war die Halbzeitführung der Gäste durchaus nicht unverdient. Denn die Nullfünfer hatten sich in 45 Minuten nicht eine einzige Chance herauszuspielen gewusst. Das lag auch daran, dass die Eintracht mit Kevin-Prince Boateng und Stendera im defensiven Mittelfeld konzentriert und schon früh aggressiv verteidigte. Und die beiden taten dies keineswegs allein. Kaum hatten die Mainzer mal den Ball am Fuß, waren sie schon umzingelt. Mit der Körperlichkeit der Frankfurter kamen sie nicht gut zurecht. Zudem lief Mittelstürmer Yoshinori Muto ständig ins Abseits und fiel viel zu oft bei harmlosen Zweikämpfen auf den Hosenboden.

Spielerisch war das, was die Rheinhessen ihren Zuschauern boten, ohnehin nicht ausreichend. Jean-Philip Gbamin, Danny Latza und Fabian Frei wussten dem Spiel keine Struktur zu geben, Spielmacher Alexandru Maxim hockte auf der Ersatzbank. Pablo de Blasis machte zwar den beiden Frankfurtern Hernandez Salcedo und dem offensiv mehrfach mit starken Aktionen auf sich aufmerksam machenden Wolf das Profi-Leben auch mal etwas schwerer, aber bald hatten die Hessen auch ihre rechte Seite in kollektiver Arbeit recht gut dicht gemacht. 

Die zweite Hälfte begann mit einem Ballverlust von Gbamin und einem Schuss von Rebic, den Zentner zu entschärfen wusste. Mainz antwortete nur zaghaft, in der 54. Minute jubelten einige 05-Fans zu früh, denn Muto hatte mal wieder im Abseits gestanden. Kurz darauf schoss de Blasis den Ball aus Nahdistanz in die Wolken statt aufs Tor von Lukas Hradecky, ehe Muto nach einer Rangelei mit Salcedo vergeblich Strafstoß forderte. Die Gastgeber bekamen nun Übergewicht, sie brauchten ja auch unbedingt ein Tor, aber viel fiel ihnen nicht ein. Streng genommen zunächst einmal gar nichts, auch wenn das Bemühen um etwas mehr Spielkultur sichtbar wurde. Und wer sich richtig viel Mühe gibt, wird dann doch irgendwann belohnt. 

In der 71. Minute bewegte sich Muto ausnahmsweise einmal nicht im Abseits, die Vorlage des kleinen Japaners, der zuvor regelmäßig an den Frankfurter Abwehrkanten abgeprallt war, verwandelte der für Frei eingewechselte Suat Serdar zum inzwischen sogar ein wenig verdienten 1:1-Ausgleich. Hradecky, der in letzter Minute heroisch Bells Kopfball klärte, hatte da keine Abwehrchance. Der Ausgleich war auch Ausdruck dessen, dass sie Eintracht zu wenig für den eigenen Ballbesitz getan hatte. Das wurde dann wieder besser. Die beiden Teams neutralisierten sich. Und das taten auch der Mainzer Latza und der Frankfurter Boateng bei ihrem abschließenden, völlig überflüssigen Scharmützel an der Mittellinie. 

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