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Das Millionen-Spiel

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Von: Ingo Durstewitz

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Ein erneuter Sieg auf Schalke käme genau richtig: Eintrachtler Marius Wolf (links) gegen Daniel Caligiuri.
Ein erneuter Sieg auf Schalke käme genau richtig: Eintrachtler Marius Wolf (links) gegen Daniel Caligiuri. © afp

Für Eintracht Frankfurt wäre ein Europa-Startplatz auch wirtschaftlich enorm wichtig.

Der Vorsprung auf Rang acht, der nach dem überzeugenden 3:0 der Eintracht über den Lokalrivalen Mainz 05 satte acht Punkte betrug, ist binnen sechs, sieben Wochen zusammengeschmolzen. Von einem Acht-Punkte-Puffer ist noch ein einziger Zähler übrig geblieben. Zu turbulent und wenig ertragreich waren die zurückliegenden Wochen, als dass sich Eintracht Frankfurt entscheidend hätte absetzen und das Europa-Ticket frühzeitig lösen können. Doch nach dem emotionalen Höhepunkt am Samstag rund um Alex Meiers triumphale Rückkehr und dem 3:0-Erfolg gegen den Hamburger SV hat sich im Frankfurter Lager wieder eine helle Grundstimmung breitgemacht. „Wir haben auf der Zielgeraden noch zwei Endspiele“, sagte Vorstand Axel Hellmann. „Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich ihn gefragt: ,Wo soll ich unterschreiben?’“ Den Hinweis, dass man am Ende ja trotzdem noch mit leeren Händen und also etwas bedröppelt dastehen könnte, wischt der 46-Jährige beiseite: Die Vorfreude auf die entscheidenden Partien – „die treibt mir keiner aus.“ Am Samstag geht es für die Hessen zum Saisonfinale nach Gelsenkirchen gegen Schalke 04, keine leichte Aufgabe, die Königsblauen haben eine gute Runde gespielt und sich als Tabellenzweiter für die Champions League qualifiziert. Und sie werden, wie Sportvorstand Fredi Bobic einwarf, „auf Revanche sinnen“. Das Pokal-Aus gegen die Eintracht im Halbfinale am 18. April schmerzt die Seele der Knappen noch immer. Andererseits geht es für S04 um nichts mehr. Die Eintracht will im Fernduell mit Stuttgart und Gladbach ihren Vorsprung ins Ziel retten. Geht man mal davon aus, dass die Stuttgarter beim großen FC Bayern nicht gewinnen, dann würde der Eintracht am Samstag ein Punkt im Revier reichen, um Platz sieben zu sichern, selbst dann, wenn Gladbach in Hamburg (mit weniger als fünf Toren Differenz) siegen sollte.

45 Millionen Spieleretat schon jetzt

Für die Eintracht ist die Partie im Ruhrpott ein Millionenspiel. Die Teilnahme am europäischen Wettbewerb würde den wirtschaftlichen Spielraum des Klubs enorm erweitern. Schon jetzt liegt der Lizenzspieleretat bei rund 45 Millionen Euro. Im vergangenen Sommer hat der Verein knapp 23 Millionen Euro in seine Mannschaft gesteckt, eine Größenordnung, die die Sportliche Leitung auch als Investitionsvolumen für die neue Spielzeit anpeilen darf, vielleicht sogar etwas mehr. Erst unlängst wurde das Eigenkapital durch die „Freunde des Adlers GmbH“, hinter der in Aufsichtsrat Philip Holzer und Unternehmer Stephen Orenstein nur zwei Personen stehen, um 15 Millionen Euro erweitert – auch um flexibler zu sein und Millionen-Transfers in die Zukunft frühzeitig auf den Weg bringen zu können. Zudem hat die Eintracht durch den Finaleinzug schon jetzt einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro einstreichen können. Auf internationalem Terrain könnte es ebenfalls in der Kasse klingeln. Schon durch die Europa-League-Saison vor vier Jahren, die im Sechzehntelfinale endete, fuhren die Frankfurter 14 Millionen Euro ein, von denen sieben Millionen hängen blieben. Mittlerweile schüttet die Uefa sehr viel mehr Geld aus.

In dieser Saison verteilt die Uefa an die 48 Gruppenphasen-Starter insgesamt 400 Millionen Euro. Maximal kann ein Verein knapp 16 Millionen Euro erreichen – hinzu kommen Zahlungen aus dem sogenannten Marktpool, der sich nach den Fernsehgeldern der jeweiligen Nationen richtet. Weil deutsche TV-Anstalten viel zahlen, partizipieren die Bundesligisten in höherem Maße. Obendrauf kommen die Zuschauereinnahmen, die in Frankfurt üppig ausfallen dürften. Zudem verteilt die DFL Geld aus der Auslandsvermarktung. Ein Klub, der in der Gruppenphase zehn Punkte einspielt, wird laut DFL-Chef Christian Seifert aus diesem Pool über die Jahre hinweg mit 18,5 Millionen Euro belohnt. Aus dem internationalen TV-Topf erhält die Eintracht wegen ihrer Teilnahme 2013/14 überdies jährlich rund drei Millionen Euro. Diese Zahlung ist auf fünf Jahre befristet, also bis zur Saison 2018/19 – außer die Frankfurter qualifizieren sich bis dahin noch mal fürs internationale Geschäft. „Die Europa League hat uns nach vorne katapultiert“, sagte Hellmann damals und bekräftigte: „Jede Chance auf eine erneute Teilnahme muss genutzt werden.“ Jetzt zum Beispiel.

Daniel Farke als Kovac-Nachfolger?

Der siebte Platz, das ist mittlerweile hinlänglich bekannt, würde die Vorbereitung extrem durcheinanderwirbeln, weil das erste Spiel schon elf Tage nach dem WM-Finale stattfinden würde, also am 26. Juli. Bis zum Bundesligastart am 24. August hätte die Eintracht (so sie nicht vorzeitig ausscheiden würde) inklusive Pokal schon sechs (!) Pflichtpartien in den Knochen.

Eine Mammutaufgabe für den neuen Trainer, der auf den Namen Daniel Farke hören könnte. Der 41-Jährige, zurzeit Coach beim englischen Zweitligisten Norwich City und zuvor verantwortlich für die Reserve von Borussia Dortmund, soll laut Sport 1 in den Fokus gerückt sein. „Wir beobachten viele Trainer, auch Daniel Farke. Er leistet sehr gute Arbeit und entwickelt sich bei Norwich City sehr gut weiter“, sagte Sportvorstand Bobic. Nach FR-Informationen gehört Farke zu dem Kreis, über den gesprochen wurde. Dass der stets defensive Bobic sich aber öffentlich frank und frei zu Farke äußert, spricht eher klar gegen denn für ihn. In jedem Fall wird der neue Trainer sein Team wohl schon fünf Wochen vor dem ersten Qualifikationsspiel zusammentrommeln, rund eine Woche nach dem Beginn der Weltmeisterschaft. Die WM-Fahrer wären dann nicht an Bord und würden erst nach entsprechendem Sonderurlaub zur Mannschaft stoßen. Platz sechs würde vieles vereinfachen, dazu müsste die Eintracht RB Leipzig einholen. Oder die Bayern im Finale schlagen. Wird ja wohl zu schaffen sein.

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